Janis Moser: 54 Millionen Dollar und trotzdem ein Schnäppchen

Janis Moser hat sich trotz eines grossen Nachteils zu einem der weltbesten Verteidiger entwickelt. Aus der Geschichte des Bielers kann man einiges lernen.

Janis Moser bekam sein Weihnachtsgeschenk mit drei Tagen Verspätung – dafür war es ein bisschen grösser: 54 Millionen Dollar. Das ist die Gesamtsumme des Achtjahresvertrags, den der Bieler am 27. Dezember beim NHL-Spitzenklub Tampa Bay unterschrieb.
Damit verdoppelte Moser nicht nur sein Jahressalär von 3,375 auf 6,75 Millionen Dollar, sondern sicherte gleich auch seine Karriere ab. Er sagt: «Ich habe viel gearbeitet und investiert, aber auch viel Glück gehabt, und jetzt ist Zahltag. Wenn ich das Geld nicht verjuble, muss ich danach in meinem Leben nicht mehr arbeiten.»
So eindrücklich die Summe ist, bei vielen Experten gilt Moser damit als Schnäppchen, weil sich der 25-Jährige inzwischen auf leisen Kufen zu einem der weltbesten Verteidiger entwickelt hat. Er hat in der NHL eine der besten Bilanz aller Verteidiger überhaupt. Kurz: Wenn er auf dem Eis steht, ist die Chance weitaus höher, dass sein Team ein Tor erzielt, als dass es eines erhält.

Auch in den Advanced Stats, die den Wert eines Spielers über die gängigen Statistiken hinaus messen, zählt er zu den Besten. Kaum einer versteht es so gut wie er, Chancen zu vereiteln und den Puck sauber aus der eigenen Zone zu bringen.
Sein Trainer Jon Cooper, der an den Olympischen Spielen die Kanadier coachte, sagte kürzlich über ihn: «Mo ist ein verdammt guter Spieler. Auf der ganzen Eisfläche zieht er ganz im Stillen sein Ding durch. Er ist wie ein Radiergummi. Jedes Mal, wenn irgendwo etwas schiefläuft, radiert er den Fehler einfach aus. Es ist grossartig, ihn zu haben.»
Cooper ist ein scharfer Analytiker. Die Spielanalysen des 58-Jährigen, der Tampa Bay zu zwei Stanley-Cups führte (2020, 21), klingen in Mailand wie Univorlesungen.
Als Junior war er immer der Kleinste
Moser ist kein Spektakelmacher wie Roman Josi, der den Drang hat, bei jedem Einsatz etwas Offensives zu kreieren. Aber er spielt unheimlich smart und effizient. Das hat er von früh auf lernen müssen. Denn er war als Junior auf allen Altersstufen der Kleinste und Leichteste.
«Das hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin», sagt er. «Ich konnte mich nie auf meinen Körper verlassen und musste immer schauen, wo ich noch ein paar Prozent herausholen, wo ich noch mehr Arbeit hineinstecken konnte. Das war von klein auf mein Mindset.»

Er habe im Zweikampf nur eine Chance gehabt, dem Stürmer den Puck wegzustechen: «Alles musste immer perfekt sein, sonst war ich machtlos.» Moser perfektionierte die sogenannt «kleinen Dinge», von denen die Experten immer reden. Die Details, die Zweikämpfe und Spiele entscheiden. Und er eignete sich eine vorbildliche Arbeitseinstellung an.
«Als dann mit 17 der Wachstumsschub einsetzte und ich mit 19, 20 auch breiter und kräftiger wurde, fiel mir alles viel leichter», sagt er. Heute ist er 1,85 Meter gross. Einer, der schon früh sein Potenzial sah, war Nationalcoach Patrick Fischer.
Er bot Moser für die WM in Kosice auf, als dieser erst 18 Jahre alt war. Trotzdem wurde er dann im NHL-Draft zweimal übergangen, ehe sich Arizona 2021 seine Rechte sicherte und er den Sprung nach Nordamerika wagte.
Im Sommer 2024 wurde er zum Spitzenklub Tampa Bay transferiert. Er wollte gerade los ans Bieler Stadtfest, als er den Anruf erhielt. Obwohl im ersten Moment für ihn ein Schock – der Trade zu Tampa Bay hat seine Karriere sehr positiv beeinflusst.
«Plötzlich war ich in einer Organisation, in der alles hochprofessionell ist, von zuoberst bis zuunterst. Und ich kam in ein Team mit absoluten Topstars und kann ihnen im Training täglich etwas abschauen. Wie Nikita Kutscherow oder Victor Hedman.»
Der Trade zu Tampa Bay öffnete ihm die Augen
Kutscherow ist seit Jahren einer der besten NHL-Stürmer.
«Von aussen denkst du: Der ist einfach mit ganz viel Talent gesegnet. Und dann siehst du, wie viel Drecksarbeit er jeden Tag hineinsteckt. Wie er Hunderte Male trainiert, wie man die Pucks an der Bande annimmt und sofort kontrolliert. Das ist kein spektakulärer Trick, aber extrem hilfreich. Weil er das beherrscht, kann er im Spiel schon ein, zwei Schritte vorausdenken und gleich den nächsten Pass spielen.»
Was Moser überdies beeindruckte: Je grösser die Stars, desto kleiner ihre Starallüren. «Einer wie Kutscherow hätte jeden Grund, arrogant oder abgehoben zu sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Er behandelt alle mit dem gleichen Respekt, vom Klubbesitzer bis zum einfachen Angestellten.»
Er spielt Abend für Abend gegen die Besten der NHL
Moser etablierte sich schnell bei Tampa Bay und sagt, mit dem Alter wisse er nun viel besser, was sein Körper brauche. «So kann ich mein Training gezielter darauf ausrichten.» In dieser Saison verletzte sich nun Captain Hedman und Moser konnte dessen Rolle im ersten Block übernehmen.
An manchen Abenden war er am meisten auf dem Eis und vor allem auch dann, wenn es wichtig wurde – wenn es galt, einen Vorsprung zu verteidigen oder auszugleichen. «Ich war plötzlich in einer ganz anderen Position, bekam viel mehr Eiszeit und Verantwortung und konnte mit den Topleuten spielen», sagt Moser.
Er füllte diese Rolle mit Bravour aus und manövrierte sich in eine exzellente Lage für die Vertragsverhandlungen. Im Sommer 2026 wäre sein Vertrag ausgelaufen. Aber Moser nutzte den Schwung, um einen langfristigen Kontrakt zu unterschreiben. Anfang Dezember begannen die Verhandlungen, man fand sich schnell.

Vielleicht hätte Moser noch etwas mehr Geld herausholen können, wenn er gepokert hätte. Aber er sagt: «Ich war zufrieden mit dem Angebot. Es ist auch ein Zeichen von Wertschätzung. Für mich stimmt es.»
Zurzeit wohnt er in einer Mietwohnung, der neue Vertrag gibt ihm Planungssicherheit. Studiert er nun den Wohnungsmarkt? «Ich schaue ein bisschen herum, ob sich etwas ergibt. Aber ich habe keinen Stress.»





