Chris DiDomenico: Es ist der Hammer hier
Seit Ende Oktober bereichert der 35-jährige Kanadier Chris DiDomenico den HC Ambrì-Piotta, wird aber für einmal am Spengler Cup fehlen.

Und plötzlich waren bei «DiDo» einige Dinge neu. Sein Vertrag bei Gottéron wäre eigentlich bis zum Ende der Saison gelaufen, wurde aber Ende Okober aufgelöst. DiDomenico bekam stattdessen in der Leventina einen Kontrakt bis Ende Saison, im Gegenzug verpflichtete Gottéron von Ambrì den Schweden Jakob Lilja.
Mit dieser Rochade wurden zwei unglückliche Spieler «erlöst», auch wenn DiDomenico, der eng mit dem ehemaligen Gottéron-Coach und -Sportchef Christian Dubé verbunden war, nicht näher auf die Gründe und den Vollzug des Wechsels eingehen will, sondern rückblickend lediglich sagt: «Es ist ein Business as usual, wir haben ein paar Telefonate geführt und dann haben wir entschieden.»

Die Trennung Gottérons von Christian Dubé sei eine geschäftliche Entscheidung gewesen, die der Klub vor einiger Zeit gefällt habe und er konzentriere sich lediglich auf das Hier und Jetzt.»
Mehrere Versuche
ChrisDiDomenico und Ambrì – es ist eine Beziehung, die nicht gänzlich überraschend kommt. Die Tessiner versuchten schon mehrfach, den Kanadier zu verpflichten, erstmals 2018, als der Stürmer von Ottawa aus der NHL in die Schweiz zurückkehrte und sich wieder den SCL Tigers anschloss.
«Und jedes Mal wenn DiDomenico wieder auf dem Markt war, versuchten wir es erneut», sagt Ambrì-Sportchef Paolo Duca, während Headcoach Luca Cereda erklärt: Er ist ein Spieler, den wir wegen seiner Leidenschaft, seinen Emotionen und seiner Kampfstärke mögen.

Es sind Qualitäten, von denen wir denken, dass sie perfekt zu Ambrì passen, er kann in dieser Meisterschaft ein wirklich entscheidender Spieler für uns werden.
Dass diese Einschätzung richtig ist, hat sich in den ersten Spielen DiDomenicos für seinen neuen Arbeitgeber gezeigt. Nach 13 Matches kommt er auf durchschnittlich einen Skorerpunkt pro Spiel, bemerkenswert war vor allem das erste Aufeinandertreffen mit seinem vorherigen Arbeitgeber Fribourg, als der Kanadier sich beim 5:3-Sieg von Ambrì gleich drei Assists notieren liess.
«Mit offenen Armen empfangen»
Diese Produktivität ist auch ein Zeichen, dass sich DiDo wohlfühlt an seinem neuen Arbeitsort. Er sei mit offenen Armen empfangen worden und er und seine Frau hätten sich schnell eingelebt, sagt der Stürmer, er habe das Gefühl gehabt, schon länger hier zu sein.
Nach seinem ersten Spiel mit dem HCAP hatte er gegenüber SLAPSHOT noch gesagt, dass sein Hund etwas Schwierigkeiten hatte mit der ersten Nacht. Doch das habe sich schnell gelegt, sagt DiDomenico, der wie viele andere Spieler in Bellinzona wohnt, lachend: Es ist der Hammer hier, wir fühlen uns sehr wohl!»
Für Headcoach Luca Cereda ist es nicht überraschend, dass sich Chris DiDomenico schnell und gut eingelebt hat. Er sagt: «Eine Stärke unseres Klubs ist es, die Spieler gut zu empfangen, sie vor allem auch als Menschen gut zu behandeln und ihnen das Gefühl zu geben, zu Hause zu sein.

Zu versuchen, sie auch abseits des Eises wo immer möglich zu unterstützen – auf dem Eis wissen sie dann selber, was sie zu tun haben.»
Mit dem HC Ambrì-Piotta bekommt eine weitere Schweizer Station einen Eintrag im Lebenslauf des 35-Jährigen, der zuvor schon bei den SCL Tigers, Gottéron und beim SCB unter Vertrag gestanden war. Gerade in Fribourg und Bern waren die Ambitionen des Klubs grösser als nun in der Leventina, was für ihn aber kein Problem ist, wie er sagt.
Er sei hier, um seinen Job zu machen, sein Bestes zu geben, also sei es auch kein Problem. Und: «Wir haben ein tolles Team mit guten Jungs, einem Mix aus jüngeren und erfahrenen Spielern.
«Wir haben einen langen Berg zu erklimmen»
Das erste Ziel ist natürlich die Playoff-Qualifikation, für den HCAP, ein Kunststück, das letztmals 2019 gelungen ist. «Wir haben einen langen Berg zu erklimmen, wir arbeiten hart weiter, machen die Details richtig und weiter so», erklärt DiDomenico, der natürlich weiss, dass in solchen Situationen Leadertypen wie er gefragt sind, die in jedem Spiel für den Unterschied sorgen können.
Er sagt: «Wir haben viele Leader im Team, die diese Rolle übernehmen. Wir vertrauen einander, wir müssen mehr Tore in der schmutzigen Zone schiessen.»
Chris DiDomenico ist ein Profi durch und durch und kann sich innert kürzester Zeit mit neuen Rahmenbedingungen arrangieren. Von einem Tag auf den anderen neue Teamkollegen zu haben? Kein Problem, wie er sagt: «Ich bin schon eine Weile in diesem Business und daran gewöhnt.

Ich spielte in der American Hockey League mit einer Mannschaft und am nächsten Abend mit einem anderen Team. Es ist ein Geschäft, ich weiss das, nehme es einfach Tag für Tag und lasse die Vergangenheit hinter mir.» Entsprechend will der Kanadier auch nicht über Unterschiede zwischen Ambrì, Gottéron, Bern oder Langnau sprechen und sagt lediglich: «Jeder Klub hat seine eigene Geschichte.» Klar ist aber, dass sich für den Stürmer der Kreis schliesst.
Seine Europakarriere hat der 35-Jährige 2012 bei Asiago in Italien lanciert, nun ist er wieder in einem italienischsprachigen Klub engagiert. Ob er hier längerfristig bleibt oder bereits im Frühling Schluss ist, wenn sein Vertrag endet, ist offen. Er sagt: «Wir lieben es hier, wir würden gerne bleiben, es liegt an meinem Agenten und dem Klub, darüber mache ich mir im Moment keine Sorgen, ich mache mir nur Gedanken um das nächste Spiel.»
«Team Canada wird ein starkes Team haben»
Zeit, um sich Gedanken zu machen, hat Chris DiDomenico in naher Zukunft mehr als erwartet. Seit Jahren ist er eigentlich ein fester Bestandteil des Spengler Cup, bestreitet in der Altjahreswoche den Traditionsanlass in Davos mit Team Canada.
Dreimal konnte er sich an Silvester als Turniersieger feiern lassen und mit einem Titel im Palmarès ins neue Jahr starten, nun verzichtet er freiwillig auf eine Teilnahme, nimmt sich etwas Zeit und wird Weihnachten mit seiner Frau verbringen.
Dass es in den letzten zwei Jahren den Kanadiern in Davos nicht wunschgemäss gelaufen ist und nun eine starke Reaktion gefordert ist, spielt keine Rolle, wie er sagt: «Wir werden sehen, was passiert, ich bin mir ziemlich sicher, dass Team Canada ein starkes Team haben wird, dazu gibt es nicht mehr zu sagen.»

Offensichtlich ist, dass Chris DiDomenico, der im Februar 36 Jahre alt wird, dem Ende seiner Karriere immer näher kommt. Die Lust am Eishockey ist bei ihm aber nach wie vor vorhanden, ebenso die Qualität, um auf Schweizer Eis für Schlagzeilen zu sorgen.
Viele Gedanken an die Zukunft will er nicht verschwenden. Er sagt lediglich, dass er es liebt, Eishockey zu spielen, dass er dies so lange wie möglich tun will. Und dass er dann wenn seine Zeit als Spieler vorbei ist, wohl nach Kanada zurückkehren wird.
Gemeinsame Zukunft ist möglich
Wann dies der Fall sein wird, steht jedoch in den Sternen. Denn auch der HC Ambrì-Piotta schliesst eine gemeinsame Zukunft nicht aus. «Wir haben noch nicht darüber gesprochen», sagt Coach Luca Cereda. «Aber ich sehe, dass er eine starke Leidenschaft mit sich bringt, mit der er meiner Meinung nach noch einige Jahre weiter spielen wird.»
Auch Sportchef Duca zeigt sich von diesen Qualitäten beeindruckt und sagt: «Chris DiDomenico ist ein Spieler, der von Emotionen lebt, ein Spieler, der alle mitzieht, ein grossartiger Wettkämpfer.
Er will es so gut machen, dass er es manchmal übertreibt, dann greifen wir ein, aber man sieht, dass er bei jedem Wechsel auf dem Eis den Unterschied machen will, das ist seine Qualität. Und wir brauchen diese Treiber und Kämpfer, die gut für das Team sind.»
Über Chris DiDomenico
Geboren: 20. Februar 1989. Grösse: 180 cm. Gewicht: 83 kg. Vertrag: bis 2025.
Stationen: 2012 bis 2014: Asiago. 2014 bis 2017: SCL Tigers. 2017 bis 2018: Ottawa, Belleville, Syracuse. Rockford. 2018 bis 2020: SCL Tigers. 2020 bis 2022: Gottéron. 2022/23: SC Bern. 2023 bis 2024: Gottéron. Seit 2024: Ambrì-Piotta.
Erfolge: Italienischer Meister 2013. NLB-Meister 2015. Spengler Cup-Sieger 2015, 2016, 2019.