Die Stimme des ZSC

Giovanni Marti (53) ist in seiner 25. Saison als Speaker bei den ZSC Lions tätig und steht vor aufregenden Monaten: mit den Olympischen Spielen und der Heim-WM.

Angefangen hat alles sehr unspektakulär. Charly Schlott, der legendäre ZSC-Speaker, nahm den jungen Giovanni Marti einst zur Seite und fragte ihn: «Junger Mann, willst du mein Mikrofon übernehmen?»
Er werde den Wortlaut dieser Frage nie mehr vergessen, erklärt Giovanni Marti heute. «Ich blickte ihn an und antwortete: ‹Ja, noch so gerne.›»
Die Exilsaison 2004/05 im «Stadiönli» war dann die erste Spielzeit, die er alleine bestritt, in diesen über zwei Jahrzehnten seither erlebte er unzählige Highlights.

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem zweifachen Familienvater der Gewinn der Champions Hockey League 2009 mit dem Finalsieg in Rapperswil, als das Hallenstadion anderweitig besetzt war.
«Es war einer der schönsten Tage in meinem Leben. Es hat alles gepasst, es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre. Diesen Match schaue ich heute noch ab und zu an, es ist ein Highlight», so Marti.
Hauptberuflich arbeitet der Zürcher, der pro Saison an 20 bis 25 Spielen im Löwenkäfig Swiss Life Arena als Speaker tätig ist, im FIFA Museum.
Er sagt: «Ich schätze Sport und Kultur, es ist wunderschön, wie man im Museum mit Objekten Geschichten verbinden und erzählen kann und welche Emotionen und Erinnerungen dann dabei aufkommen.»
Privilegierte Position
Geschichten und Emotionen hat er in den bald 25 Jahren als ZSC-Speaker, in einer privilegierten Position, wie er sagt, viele erlebt und auch Herausforderungen gemeistert.

«Beim SCB spielte einst der Kanadier Joel Kwiatkowski, sein Name war ein Zungenbrecher», erklärt Marti und fügt an, dass er jeweils ein einhalb Stunden vor einem Match ins Stadion kommt und die Namen übt.
Der Grund? «Jeder Spieler hat das Recht, seinen Namen richtig zu hören. Das ist ein Zeichen des Respekts und der Professionalität, das ist mein Credo.»
An grobe Patzer oder Versprecher kann er sich spontan nicht erinnern. Ab und zu versage aber mal die Stimme, vor allem wenn viele Zürcher Tore fallen, die er jeweils richtiggehend zelebriert.
«Speziell wenn Denis Malgin oder Denis Hollenstein trifft, habe ich Angst, dass vor allem während einer Erkältung irgendwann meine Stimme versagt, und auch bei Juho Lammikko war die Gefahr gross. Wenn es dann passiert, sorgt das für sympathische Lacher, aber mich regt es auf.»

Im kommenden Februar wird Marti auch am Olympischen Eishockeyturnier im Einsatz stehen.
«Ich kann es kaum erwarten, diesen Event mit all diesen NHL-Stars bestreiten zu dürfen, das wird ein weiterer Meilenstein», erklärt er. «Und später kommt die WM im Heimstadion – mir geht es wie Nationalcoach Patrick Fischer: Ich freue mich auf die zwei grossen Events.»
Mit dem Unterschied, dass für den Speaker nach der Heim-WM noch lange nicht Schluss ist.





