Jacob Moverare: Endlich wieder gebraucht werden

    Nicola Berger
    Nicola Berger

    In Los Angeles war Jacob Moverare nur Ersatz. In Zug hat der schwedische Verteidiger seine Freude am Job wiedergefunden.

    Moverare
    Jacob Moverare war in Los Angeles nur noch Edelreservist. - imago

    131 Minuten und 45 Sekunden stand Jacob Moverare 2025/26 im Einsatz. In der gesamten Saison. Für Jesse Virtanen in AmbrÌ sind das ein halbes Dutzend Partien. Und Moverare hat in seinen ersten drei Einsätzen in Zug schon fast die Hälfte dieser Marke erreicht.

    In der vergangenen Saison aber war Moverare, 28, oft überzählig. Und er konnte auch nicht in die AHL ausweichen – sein Arbeitgeber, die Los Angeles Kings, fürchtete, ihn auf der Waiver-Liste an ein anderes Team zu verlieren.

    «Ich steckte fest», sagt Moverare. Und mit jeder Partie, die er überzählig auf der Tribüne sass, verfestigte sich in ihm die Sehnsucht, sich zu verändern. Wieder an einem Ort zu spielen, an dem er tatsächlich gebraucht wird, geschätzt auch. «Ich begann, über die Schweiz nachzudenken», sagt Moverare.

    Nicht dass er Los Angeles und den kalifornischen Lebensentwurf nicht geschätzt hätte. Die US-Westküste war fast sechs Jahre lang sein Zuhause. Er besuchte alle lokalen Sportteams: die Chargers, die Dodgers, die Rams, die Lakers, die Clippers und sogar die MLS-Teams LA Galaxy und Los Angeles FC.

    Jacob Moverare.
    Jacob Moverare. - imago

    Er war in den Universal Studios und weiss, dass In’n’Out die mit grossem Abstand beste Burger-Kette ist. «Es ist eine wunderbare Stadt, in der es praktisch unmöglich ist, sich zu langweilen», sagt Moverare. Aber eigentlich suchte er nicht mehr Ablenkung, sondern Geborgenheit und Stabilität. Seit März sowieso, als sein Sohn Milan Henry geboren wurde.

    In Los Angeles plötzlich an der Seite seines Vorbilds

    Es wurde Juli. Zwar erkundigen sich immer wieder NHL-Organisationen nach ihm, aber es schien nicht so, als wäre irgendwo ein General Manager völlig elektrisiert von der Vorstellung, ihn zu verpflichten. Da kam das Interesse aus Zug gerade recht.

    «Als mein Agent mir sagte, dass Zug mich will, war ich sofort Feuer und Flamme. Es war genau das, worauf ich gehofft hatte», sagt Moverare. Er erkundigt sich bei alten Weggefährten: dem EVZ-Alumni Carl Klingberg und Lias Andersson, dem Bieler Stürmer.

    Sie bestätigen ihn in seinem positiven Gefühl. Ende Juli unterschreibt er in Zug einen Zweijahresvertrag. Die Meldung überraschte, weil man dachte, dass Zug in erster Linie einen Center benötigt. Aber das soll und kann nicht das Problem von Moverare sein, diesem grossen (1,91 Meter) und kräftigen (95 Kilo) Zwei-Weg-Verteidiger, dessen Geschichte etwas über Beharrlichkeit erzählt.

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    Moverare wuchs in Östersund auf, einer schwedischen Provinzstadt, die unter anderem auch Alexander Edler hervorgebracht hat. Edler, zweifacher Weltmeister mit mehr als 1000 NHLSpielen, gehörte in der Jugend zu Moverares Vorbildern. Er traf ihn als Knirps einst sogar – und spielte dann in Los Angeles mit ihm zusammen.

    Bevor Moverare es in die NHL brachte, hatte er Opfer zu erbringen. Der Traum, Hockeyprofi werden zu wollen, lässt ihn schon früh nicht mehr los. Und die Trainer sind begeistert von seiner Postur – schon als Teenager überragte er mit seiner Hünenhaftigkeit fast alle Kollegen.

    «Mein Vater ist sogar noch fünf Zentimeter grösser als ich», sagt Moverare lachend. Und ergänzt dann: «Aber die Grösse war nicht immer ein Vorteil. Ich werde zum Beispiel nie der beste, schnellste Skater sein. Auch wenn ich in diesem Bereich viel investiert habe.»

    Weil Östersund punkto Nachwuchsförderung nicht zu den besten Adressen im Land gehörte, zog er nach Skellefteå. Der Wechsel entzweite temporär die Familie: Die Mutter zog mit ihm nach Nordschweden, der Vater und die Schwester blieben zurück.

    «Ich habe es damals gar nicht so realisiert, aber meine Familie hat viel für mich geopfert, dafür werde ich allen ewig dankbar sein», sagt Moverare. 2014 zieht er nach zwei Jahren weiter nach Jönköping, 2016 draften ihn die Kings in der vierten Runde an 112. Stelle. Fünf Picks später selektionieren die Washington Capitals den heutigen Nationalstürmer Damien Riat.

    Das lange Warten auf die Nationalmannschaftspremiere

    Zwischen 2018 und 2020 lassen die Kings Moverare bei Frölunda unter Roger Rönnberg reifen. Moverare sagt über seinen einstigen Mentor: «Ich mochte ihn sehr, er hat mir viel beigebracht. Nach dem Meistertitel mit Fribourg habe ich ihm gratuliert, und wir haben uns ausgetauscht.»

    Vermutlich war es für den EVZ eine gute Sache, dass Gottérons Bedarf an ausländischen Verteidigern mit Patrik Nemeth und Michael Kapla im Sommer bereits gedeckt war. In Zug soll Moverare das Leben von Leonardo Genoni erleichtern.

    Und auch offensive Impulse liefern. «Meine Qualitäten liegen bestimmt in erster Linie in der Defensive. Aber ich will auch in der Vorwärtsbewegung helfen. In der NHL war das nicht wirklich mein Job, in der SHL und AHL aber schon», sagt er.

    In Zug soll Moverare das Leben von Leonardo Genoni erleichtern.
    In Zug soll Moverare das Leben von Leonardo Genoni erleichtern. - EV Zug

    Ein Skorerpunkt hier und dort würde fraglos auch seine Aussichten auf einen Platz im Nationalteam steigern. Moverare bestritt zwar je eine U18- und U20-Weltmeisterschaft, wartet aber noch immer auf sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. So kann das gehen in einem Land wie Schweden mit enormem Konkurrenzkampf: 2025/26 kamen in der NHL 103 schwedische Akteure zum Einsatz.

    «Ich hoffe, dass es dieses Jahr klappt, dass ich mich in einem der Turniere während der Saison für die WM empfehlen kann», sagt Moverare. Der ehemalige ZSC-Coach Rikard Grönborg, der auf diese Saison hin zum schwedischen Nationalteam zurückgekehrt ist, wird das gerne hören.

    Jacob Moverare

    Nationalität: Schweden

    Geboren: 31. August 1998

    Grösse: 191 cm

    Gewicht: 95 kg

    Beim EV Zug seit: 2026

    Vertrag bis: 2027/28

    Bisherige Klubs: Los Angeles Kings (NHL), Ontario Reign (AHL), SaiPa (Liiga), Frölunda HC (SHL), Mississauga Steelheads (OHL), HV71 (SHL), Skellefteå AIK (diverse Stufen)

    Beeindruckt zeigt sich Moverare von der Infrastruktur in Zug, gerade auch vom nicht unumstrittenen Oym. Er sagt: «Ich bin es mir aus Los Angeles gewöhnt, nicht am gleichen Ort zu trainieren und zu spielen. Das Oym und seine Möglichkeiten sind riesig, der Kraftraum in Los Angeles war kleiner…».

    Auch sonst scheinen er und seine Familie sich prächtig eingelebt zu haben. Moverare sagt: «Normalerweise schlafe oder lese ich im Bus. Aber hier schaue ich einfach aus dem Fenster und staune, wie schön die Landschaft ist.»

    Es scheint, als würde er es nicht bereuen, die Glitzerwelt NHL gegen die beschauliche National League eingetauscht zu haben.

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