Jonathan Dahlén: «Ich habe den schwierigen Weg gewählt»

Jonathan Dahlén ist der neue Topstürmer der SCL Tigers. Der 28-Jährige spricht über Timo Meier, seinen Vater Ulf und seine Begeisterung für die Schweiz.

Mit Jonathan Dahlén ist den SCL Tigers ein Transfercoup gelungen: Der 28-jährige Stürmer war letzte Saison mit 30 Treffern der beste Torschütze der schwedischen Liga.
Er spricht über seinen einstigen Teamkollegen Timo Meier, seinen prominenten Vater Ulf – und er macht der Schweiz eine Liebeserklärung.
SLAPSHOT: Um den Transfer in die Schweiz zu realisieren, wechselten Sie letztes Jahr sogar Ihren Agenten. Woher rührt die Begeisterung für unser Land?
Jonathan Dahlén: Die Schweiz ist das schönste Land, in dem ich je gespielt habe! 2015 nahm ich mit Schweden an der U18-Weltmeisterschaft in Luzern und Zug teil, es war magisch, ich habe mich sofort in diese Städte verliebt.
Danach war mir klar, dass ich irgendwann mal in der Schweiz spielen will. Dank der Ausstiegsklausel in meinem Vertrag war es möglich. Und mit den SCL Tigers habe ich einen Klub gefunden, der genau meinen Vorstellungen von einer familiär geführten Organisation entspricht.

SLAPSHOT: Seit Jahren gehören Sie in Schweden zu den zuverlässigsten Torschützen. Kam Frust auf, weil es mit dem Transfer lange nicht geklappt hatte?
Dahlén: Frust wäre das falsche Wort, ich spielte ja sehr gerne daheim in Schweden. Das Timing stimmte einfach mehrmals nicht. Und es gibt auf der ganzen Welt haufenweise starke Stürmer. Mir ist schon klar, dass nicht einfach jeder Klub auf mich gewartet hatte.
SLAPSHOT: Wie Ihr Heimatverein Timrå ist Langnau ein Dorfklub, für den die Playoff-Teilnahme schon ein grosser Erfolg darstellen würde. Gibt es weitere Parallelen?
Dahlén: Beide Klubs haben in den letzten zehn Jahren Hochs und Tiefs erlebt und sind dadurch widerstandsfähiger geworden. An beiden Orten geht es darum, mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln das Bestmögliche herauszuholen und grössere Teams zu ärgern.
Und eben, in Timrå und Langnau geht es sehr familiär zu und her, es wird viel Wert auf das Zwischenmenschliche gelegt. Ich bin ein Spieler, der Vertrauen von der Klubführung braucht. Das habe ich hier von der ersten Sekunde an gespürt.
SLAPSHOT: Sie hätten doch auch bei Timrå bleiben können, wo Sie längst als grösste Vereinslegende aller Zeiten gelten.
Dahlén: Ich habe bewusst den schwierigen Weg gewählt. In Timrå zu bleiben, wäre die viel bequemere Lösung gewesen, ganz klar. Ich bin zweimal aufgestiegen, gehörte zum Captains-Team, das System war mir vertraut und passte zu meinem Spielstil. Und meine Familie hätte ihren Lebensmittelpunkt nicht aufgeben müssen.
Aber ich wollte meine Komfortzone bewusst verlassen und suchte die Herausforderung. Ich brauche und will diesen grossen Schritt in meiner Karriere, um ein noch besserer Spieler zu werden.
SLAPSHOT: Nach dem ersten Aufstieg zogen Sie nach Nordamerika und verbrachten eine Saison in der AHL. Warum ging es danach gleich wieder zurück?
Dahlén: Das ist acht Jahre her, und meine Erinnerungen daran sind ehrlich gesagt nicht mehr allzu präsent. Ich habe das Ganze wohl ein wenig verdrängt. Mit 20 war ich damals einfach nicht bereit für Nordamerika, für dieses Leben alleine, weit weg von zu Hause.
Es war eine harte Zeit für mich, und ich erkrankte auch noch am Pfeifferschen Drüsenfieber. Das hat mich zurückgeworfen.

SLAPSHOT: Timrå war während Ihrer Abwesenheit wieder abgestiegen, Sie buchten in zwei Wintern Tore und Assists am Laufmeter und stiegen erneut auf. In der Saison 2021/22 kriegten Sie bei San Jose doch noch eine Chance in der NHL. Wie blicken Sie darauf zurück?
Dahlén: Es war ein tolles Jahr und eine Art Versöhnung mit Nordamerika. Bis Weihnachten lief es mir super, ich hatte eine gute Rolle. Danach fiel ich in ein kleines Loch.
Und der neue General Manager der Sharks setzte nicht mehr auf mich. Deshalb kehrte ich nach der Saison wieder nach Schweden zurück – was ich aber nie bereut habe.
SLAPSHOT: Einer Ihrer Teamkollegen in San Jose war der Schweizer Stürmer Timo Meier …
Dahlén: … ich spielte mit ihm sogar in der gleichen Linie. Wir verstanden uns sehr gut und verbrachten auch neben dem Eis viel Zeit zusammen. Er ist ein richtig toller Typ, ohne jegliche Starallüren.
Nachdem ich meinen Vertrag in Langnau unterschrieben hatte, schrieb er mir sofort eine Nachricht und gratulierte herzlich. Vielleicht treffe ich Timo hier ja wieder mal.
SLAPSHOT: Ihr Vater Ulf war 1998 Weltmeister und bestritt über 1000 Spiele in der NHL. War es gerade in jungen Jahren belastend, ständig mit ihm verglichen zu werden?
Dahlén: Das dachten viele – und ich wurde das früher auch oft gefragt. Aber ich empfand seine grossen Erfolge nie als Bürde. Mein Vater hatte seine Karriere, ich habe meine. Er hat mich immer unterstützt und mir Ratschläge gegeben, ohne es zu übertreiben oder den Trainern irgendwie reinzureden.
Ich bin dank ihm in den USA aufgewachsen, wir lebten in Washington und Dallas, wo er nach seinem Rücktritt auch im Trainerstab tätig war.
SLAPSHOT: Sie kommen mit der Referenz als bester Torschütze in Schweden ins Emmental. Und weil in Langnau gerade in der Offensive seit geraumer Zeit viel von den Ausländern abhängt, ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Spüren Sie schon jetzt viel Druck?
Dahlén: Nein, das kann ich ausblenden und bin ziemlich entspannt. Wie erwähnt, habe ich diese Herausforderung in der Schweiz bewusst gesucht.
Ich selbst mache mir bestimmt am meisten Druck. Und was hier in den nächsten Monaten in den Zeitungen über mich geschrieben wird, spielt ja eigentlich keine Rolle, weil ich es sowieso nicht verstehen werde (lacht).
SLAPSHOT: Mit Ihnen stösst auch Emil Pettersson von Timrå nach Langnau. Ist er bei den SCL Tigers ihre wichtigste Bezugsperson?
Dahlén: Meine Freundin, mein einjähriger Sohn und auch unser Hund sind mit mir nach Langnau gezügelt. Meine Familie wird hier wohnen, das macht für mich alles viel einfacher und sorgt für Stabilität.
Jonathan Dahlén
Nationalität: Schweden
Geboren: 20. Dezember 1997
Grösse: 182 cm
Gewicht: 87 kg
Bei den SCL Tigers seit: 2026
Vertrag bis: 2026/27
Bisherige Klubs: Timrå IK (SHL), San Jose Sharks (NHL), San Jose Barracuda (AHL), Utica Comets (AHL), HV71 J20/ J18/J16 (SWE)
Aber es ist natürlich wunderbar, dass Emil auch bei uns spielt. Wir waren in Schweden vier Jahre Teamkollegen und schätzen uns. An ihm werden die Fans im Emmental sicher viel Freude haben.
SLAPSHOT: Trotz 30 Toren erhielten Sie letzte Saison kein Aufgebot für das schwedische Nationalteam. Was lief schief?
Dahlén: (Lacht) Diese Frage müssten Sie anderen Leuten stellen. Ich weiss nicht, was die Gründe dafür waren. Aber fürs schwedische Nationalteam zu spielen, ist immer ein Traum und sicher auch ein Ziel für mich.
Ich hatte schon ein paar Einsätze. Und nun hat der Nationaltrainer gewechselt (Rikard Grönborg folgte auf den neuen Servette-Coach Sam Hallam, dei Red.). Wenn ich einen Anruf kriege, gehe ich natürlich sofort hin.





