Lausanne HC: Austin Czarnik und die alte Seilschaft
Der Amerikaner Austin Czarnik wechselte als Liga-Topskorer vom SC Bern zu Lausanne. Hier verrät Czarnik die Beweggründe für seinen Wechsel.

Im August 2025 sagt der SCB-CEO Marc Lüthi in einem Interview: «Austin Czarnik haben wir ganz einfach verschlafen.»
Es waren harte Worte, Fundamentalkritik an der Sportabteilung. Czarnik, 32, war 2024 nur deshalb zum SCB gestossen, weil der Wunschkandidat Kalle Kossila den Medizincheck nicht bestand.
Czarnik entpuppte sich als Glücksgriff des damaligen Sportchefs Patrik Bärtschi; mit 56 Punkten in 49 Partien wurde er der erste Liga-Topskorer des SC Bern seit Mark Arcobello 2016/17.

Es ist nicht die einzige Parallele zwischen den Amerikanern: Sie sind beide Fans des US-Präsidenten Donald Trump.
Arcobello verliess den SCB 2020 nach vier Jahren in Richtung Lugano. Czarnik zog bereits nach einer Saison weiter und schloss sich mit einem Zweijahresvertrag dem Lausanne HC an.
Das Management des SCB habe zu lange mit der Offerte für eine Vertragsverlängerung gezögert, das war die gängige Meinung; Stichwort «verschlafen».
Doch Czarnik sagt heute: «Es hätte vermutlich nicht viel geändert, wenn das Angebot früher gekommen wäre.» Und er liefert sogleich den Grund dafür nach: «Ich wollte wieder für ‹Wardo› spielen.»
«Wardo», das ist Geoff Ward, der besonnene Coach, der Lausanne in den letzten zwei Jahren jeweils in den Playoff-Final geführt hat.
Czarnik spielte bei den Calgary Flames zwei Jahre unter Ward, der dort in jenen Jahren den Titel «Associate Coach» trug. «Ich liebte, wie er mit uns Spielern umging. Er ist niemand, der herumbrüllt, sondern ein echter Player’s Coach. Ein feiner Mensch, für den die Spieler in den Krieg ziehen.
Wenn ich 2024 gewusst hätte, dass er in Lausanne arbeitet, hätte ich mich wahrscheinlich schon zu diesem Zeitpunkt an den Klub gewandt und versucht, dort unterzukommen. Es freut mich umso mehr, dass es jetzt geklappt hat.»
Eine Muskelverletzung setzte ihn im Playoff ausser Gefecht
Ein zweiter Aspekt ist der Umstand, dass sich Lausanne im Hier und Jetzt näher an einem Titelgewinn befindet als der taumelnde SCB, der seit 2019 keine Playoff-Serie mehr gewonnen hat.
Die sportliche Perspektive ist nicht unwesentlich für jemanden wie Czarnik, der im Profibereich noch keine Meisterschaft gewinnen konnte. Und weiss, dass sich ihm vermutlich nicht mehr zehn Gelegenheiten bieten werden – im Dezember wird er 33.

«Ich war oft in den Playoffs, aber es hat nie ganz gepasst. Natürlich wächst da bei mir die Ungeduld», sagt Czarnik.
Er hofft auf ein versöhnlicheres Saisonende als im Frühjahr 2025, als er mit dem SCB in einer denkwürdigen Belle an Gottéron scheiterte.
Czarnik bestritt in der Viertelfinalserie nur zwei Partien – und sofort waren wilde Gerüchte zu vernehmen. Etwa dass der Starstürmer wegen eines Zerwürfnisses mit dem Trainer Jussi Tapola nicht mehr spiele.
Völlig abwegig war das nicht, schliesslich hatte Tapola schon Dominik Kahun auf die Tribüne gesetzt, ehe dieser nach Lausanne flüchtete.
Doch Czarnik winkt ab und sagt: «Ich hatte in der Leistengegend drei gerissene Muskeln. Am Tag des siebenten Viertelfinalspiels stand ich auf dem Eis und hätte wahrscheinlich für die nächste Runde zurückkehren können. Leider kam es nicht mehr dazu. Ich hätte mir einen schöneren Abschied aus Bern gewünscht.»

In Lausanne aber hat Czarnik sich mit seiner Familie rasch eingelebt, der Zweijahresvertrag hilft dabei, sesshaft zu werden. Im Januar erwarten Czarnik und seine Frau Rachael ihr drittes Kind. Czarnik schwärmt vom See, von der Infrastruktur, die sich vor den NHL-Arenen nicht verstecken muss.
Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe Anfang November war Czarnik hinter Matej Stransky vom HC Davos der zweitbeste Skorer der Liga – seine konstante spielerische Brillanz hat etwas Eindrückliches.
Ist er in der National League gar unterfordert? «Überhaupt nicht», sagt Czarnik lachend, und ergänzt: «Ich finde eher, dass es schwieriger wird. Mit diesem gewöhnungsbedürftigen Tenü (das PostFinance Top Scorer-Dress, die Red.) liegt viel Aufmerksamkeit auf dir. Auch die Gegenspieler kennen mich inzwischen und sind sehr wachsam. Aber ich investiere viel, damit ich meine Leistung bringen kann.»
Brière als Vorbild in den Teenager-Jahren
Seine wichtigste Qualität dürfte weiterhin das Tempo sein – Czarnik gehört zu den schnellsten Spielern der Liga.
Das ist kein Zufall: Er misst nur 175 Zentimeter, die Wendigkeit und Antrittsschnelle waren schon als Teenager seine Raison d’Être, als die Trainer ihm beschieden, dass es mit dieser Postur schwierig werden würde im Eishockey.

Czarnik orientierte sich unter anderem an Daniel Brière, der ebenfalls 1,75 Meter gross ist. «Er war eher klein, aber giftig, das hat mir imponiert, und ich versuchte es zu kopieren», sagt Czarnik.
Brière ist heute General Manager der Philadelphia Flyers, aber in der Lockoutsaison 2004/05 stürmte er als gefeierter Publikumsliebling für den SCB. «Das wusste ich gar nicht», sagt Czarnik. Was nach einem ganzen Jahr in der Hauptstadt doch überrascht.
Sein zweites Vorbild aus Jugendjahren war sein knapp drei Jahre älterer Cousin Robbie, der seit 2017 in der DEL2 stürmt und dort schon je einmal Torschützenkönig und «Stürmer des Jahres» wurde. An individuellen Meriten mangelt es den Czarniks nicht.
Im Frühjahr 2026 soll mit Lausanne auch auf Teamebene der ganz grosse Wurf gelingen.
Czarnik sagt: «Ich spüre den Hunger in der Mannschaft und der Organisation jeden Tag. Es ist an der Zeit, dieser Stadt einen Titel zu bescheren.»














