Luganos fliegender Finne – Jere Innala

Der HC Lugano setzt auf Jere Innala. Der finnische Stürmer soll helfen, die Saison in den Playoffs zu verlängern.

Vielleicht steht Jere Innala für einen Kulturwechsel. In Lugano, das zuerst, aber auch im Schweizer Eishockey. Die Aufstockung auf sechs spielberechtigte Ausländer von 2022 hat verändert, was für Spielerprofile gesucht werden. Wäre Innala in Lugano ein Thema geworden, wenn nur vier Ausländer spielberechtigt sind?
Es ist eine hypothetische Frage, aber es ist zu bezweifeln. In der SHL bei Frölunda lag sein Punkteschnitt bei 0,66. Doch die Zeiten, in denen Ausländer offensive Alleinunterhalter sein müssen, sind vorbei.
Luganos Sportchef Janick Steinmann sagt: «Ein Stürmer, der 35 Punkte produziert und uns dafür mit seinem Allround-Game stärker macht, ist viel wertvoller, als einer, der nur auf Punkte spekuliert und grosse Risiken eingeht.»
Innala ist genau das: ein Alleskönner, der Powerplay und Boxplay spielt und trotz seiner schmächtigen Postur (176 Zentimeter, 80 Kilo) kein spielerisches Leichtgewicht ist, das im taktischen Freistil die Balance gefährdet.
Steinmann hatte Innala schon eine Weile auf dem Zettel, er erschien schon während seiner Tätigkeit für die Rapperswil-Jona Lakers auf seinem Radar; mit der späteren Lakers-Akquise Malte Strömwall (inzwischen beim ZSC) mischte er das Powerplay Frölundas auf.

In Lugano stand Innala früh weit oben auf der Liste des General Managers – mit seinem Speed, Spielwitz und seiner Wendigkeit ist er komplementär zum sonst auffallend kräftigen, massigen Kollektiv Luganos. Der Klub bemühte sich früh um ihn, was dabei half, ebenfalls interessierte Konkurrenten aus der National League auszustechen.
Bereits Ende Dezember war der Zweijahresvertrag unterschrieben. Innala, 28, stammt aus dem Dorf Hauho in der Nähe von Hämeenlinna, wo er ausgebildet wurde und dessen Team er als Knirps von der Tribüne aus anfeuerte.
Die Befürchtungen, dass ihm für eine grosse Karriere ein paar Zentimeter fehlen, entkräftete er mit teuflischer Schnelligkeit; sein Antritt ist so rasant, dass er fast übers Eis zu fliegen scheint. Innala investiert viel in seinen Speed, seine Wendigkeit. Er pflegt auch während den Sommermonaten regelmässig aufs Eis zu gehen.
Vom Fan zum Goalgetter
Bei seinem Herzensklub Hämeenlinna glückte ihm die seltene Transformation vom Fan zum Talent zum Star, 2019 gelang HPK auch dank seinen 24 Treffern überraschend der zweite Meistertitel der Klubgeschichte. Zu den Helden gehörten auch der Team-Topskorer Teemu Turunen (ex Davos), Robert Leino (ex Kloten) und Niklas Friman (ex Ajoie).
Der damalige Coach Antti Pennanen ist heute finnischer Nationaltrainer – er führte seine Nation im Mai in Zürich bekanntlich zu Gold. Um seinem NHL-Traum näherzukommen, zog Innala 2022 weiter. Erst zu HIFK und Ville Peltonen, dem heutigen Ajoie-Coach, dessen Söhne Aleksi und Jesper heute in Lugano seine Teamkollegen sind.
Und ein Jahr später zu Roger Rönnberg nach Göteborg. 2014 wurde er dort Playoff-Topskorer. Rönnberg, der heutige Meistertrainer Gottérons, sagt über ihn: «Er hat schnelle Beine, schnelle Hände und einen schnellen Kopf.
Er kam zu Frölunda, um Fortschritte zu machen. Und hat die dank seinem grossen Willen auch erzielt. Wir hatten bei Gottéron keine Ausländerposition frei, sonst hätte ich ihn vielleicht von einem Wechsel zu überzeugen versucht …».
Innala profitierte vom Umstand, dass es sich bei Frölunda um das vielleicht erprobteste NHLSprungbrett Europas handelt; seine Sehnsucht erfüllte sich tatsächlich. Die Colorado Avalanche nahmen ihn 2024 unter Vertrag. 17 Spiele absolvierte er für die «Avs», ihm gelang dabei kein Skorerpunkt.
In der AHL waren es 28 in 43 Partien. Es ist das alte Lied: Wie soll man sich in der NHL mit ein paar wenigen Minuten Auslauf für mehr Verantwortung empfehlen, zumal noch in einer ungewohnten defensiven Rolle? Sieben Minuten stand Innala durchschnittlich auf dem Eis.

Nach einer Saison war sein NHLAbenteuer zu Ende. Wie blickt er mit etwas Abstand auf das Intermezzo? «Ich bin stolz, dass ich es so weit gebracht habe. Als ungedrafteter Spieler ist es nicht einfach. Klar hätte ich gerne mehr gespielt. Aber Colorado ist ein herausragendes Team, der Konkurrenzkampf ist riesig. Da war es schwierig, an den Leuten vor mir vorbeizukommen. Ich möchte die Erfahrung trotzdem nicht missen.»
Als Andenken hat er sich eines seiner Auswärtstrikots bewahrt.
Zum Saisonstart spielte in Lugano kein Stürmer mehr als Innala
In Lugano liegen die Dinge mit dem Vertrauen der Trainer fundamental anders. Zum Saisonstart setzte der Coach Tomas Mitell keinen Angreifer häufiger ein als Innala. Für diesen scheint sich das positive Gefühl nach den Gesprächen mit Mitell und dem Management zu bestätigen, er sagt: «Für mich war nach dem Austausch mit Lugano schnell klar, dass ich dorthin will.»
Jere Innala
Nationalität: Finnland
Geboren: 17. März 1998
Grösse: 176 cm
Gewicht: 80 kg
Beim HC Lugano: 2026
Vertrag bis: 2027/28
Bisherige Klubs: Frölunda HC (SHL), Colorado Eagles (AHL), Colorado Avalanche (NHL), HIFK (Liiga), HPK (Liiga), LeKi (Mestis)
Auch Dominik Egli, 2025/26 bei Frölunda Innalas Teamkollege und nun zurück in Davos, hatte warme Worte für die Schweiz und Lugano übrig. Innala ist im Mai Vater geworden, weshalb er für die WM nicht zur Verfügung stand.
Für diese neue Lebensrealität ist die National League mit ihren kurzen Wegen ohnehin perfekt. Bisher, sagt Innala, gebe es für ihn keinen Zweifel, dass er den richtigen Entscheid getroffen habe. Er schwärmt auch von der hinreissenden Szenerie in und um Lugano, im Sommer nutzte er einen freien Tag für einen Abstecher nach Mailand.
Es gibt viel zu entdecken im Tessin, aber Innala sagt, er hoffe, dass er bis Ende April möglichst wenig Zeit dazu finde. Die Saison für sein Team soll lange dauern. Der Erfolgshunger rund um die Organisation ist gross: Seit 2018 hat Lugano keine Playoff-Serie mehr gewinnen können.





