Nicolas Marbach: Die Hockey-Stadt Freiburg kann auch WM

Frank Stettler
Frank Stettler, SLAPSHOT

Nicolas Marbach ist Head of Venue Freiburg der Eishockey-WM im Mai. Im Slapshot-Interview spricht der Düdinger über die Besonderheiten des Events.

Nicolas Marbach
Nicolas Marbach ist Head of Venue Freiburg der Eishockey-WM vom kommenden Mai. - keystone

Der 35-jährige Freiburger Nicolas Marbach arbeitete einst beim internationalen Eishockey-Verband IIHF als Event-Manager und Koordinator, ehe er bei Jugend+Sport tätig war. Über Christian Hofstetter, dem Generalsekretär des Organisationskomitees der Heim-WM 2026, kam Marbach zum Posten des Head of Venue Freiburg.

Slapshot: Nicolas Marbach, der Head of Venue Freiburg ist ein Düdinger: Zufall oder Absicht?

Nicolas Marbach: Das ist schon so geplant. Wenn man die Gegebenheiten von Stadt, Kanton und Klub kennt, in der Region verankert ist und gewisse Leute bereits kennt, ist es einfacher. Diese Eingangstore helfen bei vielen kleinen Dingen.

Slapshot: Welches sind Ihre wichtigsten Ansprechpartner in der Vorbereitung auf die Heim-WM?

Marbach: Sehr viel geht über die Stadt Freiburg. Dabei geht es insbesondere um die Konzeption ausserhalb der BCF-Arena. Alles, was die Sicherheits- und Verkehrsaspekte oder die Laufwege um den Event-Perimeter betrifft, muss optimal geplant werden.

Aufseiten Infrastruktur sind die Trainingshalle, die Basketball-Halle sowie der Festsaal zu berücksichtigen. In der Basketball-Halle wird das Medien- und Logistikzentrum untergebracht, die Festhalle ist Teil der Fanzone.

Fribourg-Gottéron
Die BCF-Arena in Fribourg. - keystone

Mit den Verantwortlichen der BCF-Arena arbeiten wir in Bezug auf die Infrastrukturen der Teams oder aber der Kommentatorenplätze, TV-Studios oder Sponsoren-Displays eng zusammen.

Slapshot: Freiburg organisiert zwar den Superfinal im Unihockey oder war auch schon Etappenort der Tour de France, die letzte Eishockey-WM im St. Leonhard – zusammen mit Bern – liegt aber 26 Jahre zurück. Spürt man in der Vorbereitung eine gewisse Unerfahrenheit?

Marbach: Stadt und Kanton haben in den letzten Jahren immer wieder Events organsiert, im Rahmen einer Eishockey-WM allerdings nicht. Deshalb starteten die Koordinationsarbeiten schon sehr früh. Wir stehen seit zwei Jahren im regelmässigen Austausch mit den Behörden und Politik.

Man merkt schon, dass es sich um eine grosse Kiste handelt. Das Gefühl einer Überforderung hatte ich aber nie. Sicher wird es auch Learnings für die diversen Stakeholders geben, das ist jedoch bei jedem solchen Anlass der Fall.

Slapshot: Seit dem Umbau ist die BCF-Arena eines der modernsten Stadien des Landes. Aber ist sie auch WM-tauglich?

Nicolas Marbach
Nicolas Marbach arbeitete einst beim internationalen Eishockey-Verband IIHF als Event-Manager und Koordinator. - keystone

Marbach: Tatsächlich ist alles, was der Zuschauer sieht, modern, und es ist eine schöne, schmucke Arena. Aber natürlich benötigt es zusätzliche Bauten. Das haben zuletzt die Olympischen Spiele in Mailand wieder aufgezeigt. Es gibt beispielsweise nirgends eine geeignete Medientribüne, weil man eine solche in diesem Ausmass sonst gar nicht benötigt wird.

Das sind normale Arbeiten, die bei jeder WM getätigt werden müssen. Die TV-Produktion ist mit jener der National League unvergleichbar. Um die Bilder produzieren zu können, braucht es Platz und es müssen sehr viele Meter Kabel verlegt und Zugänge bereitgestellt werden.

Bei einem National-League-Spiel ist ein TV-Übertragungswagen vor Ort, bei der WM sind für den Medien-Compound 2000 Quadratmeter nötig.

Slapshot: Wo stehen Sie Stand Mitte März bei den Vorbereitungen?

Marbach: Es müssen sehr viele Detailfragen geklärt werden. Mein Hauptaugenmerk als Head of Venue liegt bei der Koordination, dass jeder weiss was der links und rechts von ihm macht. Ich muss in einem Gesamtkonzept vermitteln, dass alles funktioniert und die vielen Zahnrädchen in sich greifen.

BCF Arena National League
Eines der modernsten Stadien des Landes: Die BCF Arena in Fribourg. - keystone

Dieser Koordinationsaufwand ist notwendig. Alle Mitarbeitenden sollen auf dem gleichen Informationsstand sein um sicherzustellen, dass der gewünschte Ablauf gewährleistet ist.

Slapshot: Gottéron-Spiele sind ein veritables Happening. Spüren Sie in Freiburg eine ähnliche Begeisterung für die WM?

Marbach: Diese WM macht Lust. Wir sehen das am Feedback bezüglich der Ticket- und Hospitality-Verkäufe. Mit dem Start des Einzelticket-Verkaufs gab es noch einmal einen Schub. Wir merken schon, dass gewisse Teams oder Spiele beliebter sind als andere, aber grundsätzlich häufen sich die Anfragen und die WM ist mehr und mehr Gesprächsthema.

Speziell ist an einer WM, dass das Wetter im Mai toll sein kann. Wenn man draussen essen und trinken kann, kann das für ein Festival-Feeling sorgen. Das ist eine andere Ambiance als während einem Spiel von Gottéron.

Slapshot: Die sind seit gut drei Jahren ausverkauft. Welche Stadionauslastung streben Sie an, damit es aus Ihrer Sicht eine gelungene WM wird?

Marbach: Das ist schwierig zu definieren. Selbstverständlich haben wir uns mit Blick auf die ganze WM und die Einnahmen Ziele gesetzt. Aus meiner Sicht geht es primär darum, dass die Abläufe und Prozesse stimmen. Der Fan soll auf Platz kommen und sagen können, dass es cool aussieht.

Warst du schon einmal in der BCF-Arena in Fribourg?

Er soll die Dienstleistungen beziehen können und rechtzeitig für den Spielbeginn im Stadion sein. Eine WM ist ein anderes Erlebnis als ein Liga-Match. Natürlich habe ich Wünsche, was die Ticketverkäufe betrifft.

Wenn im TV leere Ränge zu sehen wären wie bei Schweizer Partien der letzten WM, würde mich das stören. Es ist aber eine Realität, dass einige Spiele aufgrund der Zeit oder der Teams nicht den gleichen Zug haben wie andere. Darum gibt es Projekte vonseiten OK und Kanton mit den Schulen, um Gegensteuer zu geben.

Slapshot: Wird der Head of Venue Freiburg am 15. Mai das erste WM-Spiel zwischen Kanada und Schweden geniessen können, oder wird er Stress haben?

Marbach: Es ist mein Ziel, dass ich beim ersten Puck Drop dabei bin. Meine Rolle ist es aber auch, zu unterstützen, wo es nötig ist. Wir sind eine Einheit, die den Karren zusammen zieht. Wenn es mich irgendwo braucht, werde ich dort sein. Und wenn alles perfekt läuft, werde ich das erste Bully miterleben.

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