SC Bern

Serge Aubin: Ein Serienmeister für den Turnaround

Andy Maschek
Andy Maschek

Der SC Bern setzt auf einen Neustart mit Serge Aubin. Der Erfolgstrainer soll Anspruch und Wirklichkeit wieder näher zusammenbringen.

Serge Aubin ist der neue Trainer des SC Bern.
Serge Aubin ist der neue Trainer des SC Bern. - Reto Fiechter

Beim SCB lagen Anspruch und Wirklichkeit in den letzten Jahren weit auseinander. Nun haben die Berner mit Serge Aubin (51) einen Headcoach verpflichtet, der zuletzt massenhaft Erfolge gefeiert hat.

Der Blick zurück macht aus der Mutzen-Perspektive keine Freude. Letztmals gewann der SCB 2019 eine Playoff-Serie, damals hiess der Trainer Kari Jalonen und endete die Saison mit dem Gewinn des Meistertitels. Seither versuchten verschiedene Trainer ihr Glück, von Hans Kossmann bis zu Heinz Ehlers.

Doch der Erfolg stellte sich nicht ein. In der kommenden Saison steht mit dem Franko-Kanadier Serge Aubin ein neuer Headcoach an der Bande – und die Perspektiven sind vielversprechend. Aubin hat zuletzt bei den Eisbären Berlin gezeigt, wie man ein langfristiges und erfolgreiches Projekt aufbaut.

2019 übernahm er in Berlin, nachdem er bei den ZSC Lions entlassen worden war und startete eine Erfolgsgeschichte. Er gewann mit seinem Team in Deutschland in den letzten sieben Jahren fünfmal den Meistertitel.

Aubin
In der kommenden Saison steht mit dem Franko-Kanadier Serge Aubin ein neuer Headcoach an der Bande beim SC Bern. - keystone

«Wir haben diesen Prozess in Berlin vor sieben Jahren gestartet und das Ergebnis am Ende gesehen. Nun starten wir den Prozess hier. Wir wollen langfristig eine Kultur aufbauen, die über viele Jahre erfolgreich sein kann», erklärte Aubin, als er Ende Mai ein paar Tage in Bern verbrachte, um einen ersten Eindruck von seinem neuen Arbeitsort zu bekommen.

Von der Schweiz begeistert

Für Aubin war es eine Rückkehr in die Schweiz, nachdem er als Spieler einst für Servette und Fribourg-Gottéron stürmte und das europäische Hockey entdeckte und später wie erwähnt ein kurzes Gastspiel als ZSC-Coach hatte.

«Der Lebensstil, die Landschaft – die Schweiz ist wohl eines der schönsten Länder der Welt», sagt Aubin. «Und sportlich nimmt Hockey in der Schweiz einen sehr grossen Stellenwert ein. Diese Leidenschaft rund um das Spiel liebe ich einfach.»

Aubin
Aubin stürmte als Spieler einst für Servette. - zVg

Als er vom Interesse des SCB hörte, war er in erster Linie dankbar, «aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, welchen Weg ich einschlagen würde, ich hatte ja noch zwei Jahre Vertrag». Über Berlin und alles, was der Klub für ihn getan habe, könne er nur Positives sagen.

«Nach all den Erfolgen fiel der Abschied nicht leicht. Aber nach den Gesprächen mit Martin Plüss und Pascal Signer und aufgrund des Projektes fühlte ich mich bereit. Es ist eine grosse Herausforderung – genau das, wonach ich gesucht habe.»

Die Arbeit mit den Jungen als Reiz

Eine Challenge ist es tatsächlich. Denn beim SCB steht ein Neuanfang bevor. Das zentrale Element auf dem Weg in die Zukunft ist die Nachwuchsförderung.

Aubin sagt: «Wir haben ein junges Team. Wir wollen viele junge Spieler integrieren, frisches Blut hineinbringen. Natürlich wird es auch schwierige Phasen geben. Aber junge Spieler gemeinsam wachsen zu sehen und etwas Langfristiges aufzubauen, reizt mich sehr. Dieser Prozess erinnert mich an Berlin vor sieben Jahren. Damals hatte ich ebenfalls viele junge Spieler. Wir haben uns dann gemeinsam auf ein neues Level entwickelt.»

Die Arbeit mit jungen Spielern ist für den 51-Jährigen sehr wichtig, wie er sagt: «Junge Spieler bringen eine besondere Leidenschaft und Begeisterung mit, die für ein Team enorm wertvoll ist. Gleichzeitig müssen sie noch viel lernen.

Einen Spieler von Punkt A zu Punkt B zu begleiten und seine Entwicklung mitzuerleben, ist als Trainer sehr erfüllend.» Wichtig sei, die richtigen Schritte zu gehen und ihr Selbstvertrauen nicht zu zerstören, unser Plan ist, ihnen eine wichtige Rolle zu geben, so Aubin.

Dass die Theorie auch Realität werden kann und die Worte nicht in Schall und Rauch aufgehen müssen, hat sich in Berlin gezeigt, wo Aubin die Eisbären in sieben Jahren zu fünf Meistertiteln führte, während eine Saison aufgrund von Covid ohne Playoffs endete und die Eisbären einmal die Playoffs verpassten.

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Aubin war auch bei Fribourg-Gottéron. - Sébastien Egger

«Wir haben also Erfolg und Misserfolg erlebt. Ich glaube, ich habe inzwischen viel gesehen und erlebt – und bin bereit für diese Herausforderung. Jetzt geht es darum, ein neues Team gross zu machen. Das ist ein Prozess und passiert nicht über Nacht. Aber ich weiss, wie man so etwas aufbaut, und ich freue mich darauf», so Aubin.

Dass der SCB seit 2019 keine Playoff-Serie mehr gewonnen hat, sorge nicht für Druck, erklärte der ehemalige Stürmer, der 1994 in der siebten Runde und als Nr. 161 overall von den Pittsburgh Penguins gedraftet wurde, im SCB-Fanmagazin «SPIRIT».

«Wir haben das Privileg, im Sport arbeiten zu dürfen. Richtiger Druck ist für mich, wenn Menschen krank im Spital liegen oder nichts zu essen haben. Natürlich verstehen wir die Leidenschaft der Fans und die Verantwortung, die mit diesem Job kommt. Aber ich sehe es vor allem als Chance», so Aubin.

Ist Serge Aubin der richtige Trainer für den SC Bern?

Er habe die «Jeden Tag ein bisschen besser»-Mentalität, und das Ziel sei es, eine Identität aufzubauen, auf die die Fans stolz sein können, einen Spielstil, den sie mögen.

«Und wir wollen die Siegermentalität zurückbringen. Gleichzeitig wissen wir, dass viele junge Spieler eingebaut werden. Man kann Entwicklungsschritte nicht überspringen. Die jungen Spieler müssen Erfahrungen sammeln und Spielzeit bekommen.»

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