HC Sierre

HC Sierre: Warnschuss aus dem Wallis

Nicola Berger
Nicola Berger

Sierre ist erstmals seit 58 Jahren wieder Meister der zweithöchsten Liga. Die Dominanz des Teams ist auch ein Warnsignal an den HC Ajoie.

HC Sierre
Die Qualifikation gewann HC Sierre locker und erzielte 235 Treffer. - keystone

Es ist sehr lange her, seit Chris McSorley Meister geworden ist: Vor 24 Jahren war das, mit Servette, in einer Saison für die Ewigkeit: Sein Team verlor in den Playoffs keine einzige Partie. Und siegte in der Liga-Qualifikation 4:0 gegen Chur.

Ganz so dominant war Sierre nicht. Aber die Überlegenheit war augenfällig. Die Qualifikation gewann das Team locker und erzielte 235 Treffer, so viele wie seit dem HC La Chaux-de-Fonds 2007/08 (237 Tore, 97 Skorerpunkte von Jonathan Roy) nie mehr einer Equipe gelangen.

Und in den Playoffs gewann Sierre zwölf von 15 Partien, der Titelgewinn war nie in Gefahr. Das Fehlen einer Liga-Qualifikation ist der Schönheitsfehler der Kampagne – das Aufstiegsgesuch wurde von der National League abgewiesen.

Den gestrengen Managern der NL fehlt der Sinn für Romantik und Tradition für die Trutzburg Grabenhalle, das vielleicht letzte wahre Refugium für Hockeynostalgiker im hiesigen Profihockey.

Sierre hat schwierige Zeiten hinter sich.
Sierre hat schwierige Zeiten hinter sich. - keystone

Bis 2031 soll bekanntlich die 89 Millionen Franken teure «Valais Arena» erbaut sein, dann ist Sierre seine infrastrukturellen Sorgen los. Bis es so weit ist, wird die Grabenhalle sanft renoviert, was zwischen einer und zwei Millionen Franken kosten wird. «Lippenstift für das Schwein», nennt McSorley das salopp.

Er sagt: «Ich gehe davon aus, dass wir spätestens 2028 grünes Licht für einen Aufstieg erhalten werden.» Sportlich wäre der Klub fraglos heute schon so weit – McSorley hat ein schlagkräftiges Team zusammengestellt und etliche ehemalige Servette-Schützlinge um sich geschart, etwa Timothy Kast, Marco Maurer und Mike Völlmin.

Er liess ein sehr riskantes, höchst unterhaltsames und ultraoffensives System spielen; die taktische Wahl erklärt er so: «Wir wollten komplett anders spielen als die Konkurrenz. Sehr schnell, sehr physisch, sehr direkt. Das war riskant. Aber wenn es nicht funktioniert hätte, wären wir immerhin auf unser eigenes Schwert gefallen.»

Interessierst du dich für Eishockey?

Christian Wohlwend, der Trainer des Liga-Konkurrenten und Halbfinalgegners Olten, pflichtet bei und sagt: «In meiner ganzen Karriere war es noch nie so einfach, meine Mannschaft taktisch auf einen Playoff-Gegner einzustellen. Und aber trotzdem noch nie so schwierig, den Widersacher zu stoppen.»

Olten verlor die Serie 1:4. Anfang April stand Sierre als Meister fest, dank eines neuerlichen 4:1 im Final gegen La Chaux-de-Fonds. Die Serie muss den HC Ajoie, in der National League zuverlässig Tabellenletzter, beunruhigt haben. Sierre ist das Team, welches Ajoie NL-Zugehörigkeit aktiv bedroht – nur die fehlende Lizenz hält die Jurassier noch über Wasser.

Swiss-League-Meister HC Sierre
Swiss-League-Meister HC Sierre. - zVg

Die Frage geht an McSorley: Wie vielen seiner aktuellen Spieler traut er den Sprung in die National League zu? Der Kanadier sagt: «Das behalte ich lieber für mich. Aber sobald wir die Lizenz haben, werden wir 22 Spieler im Kader haben, die bereit sind.»

Ein Problem dürfte dabei die Altersstruktur seiner Mannschaft sein, die tragenden Säulen der Equipe sind angejahrt: Der Nummer-1-Goalie Remo Giovannini ist 35, der Captain Maxime Montandon (produzierte 55 Punkte, so viele wie seit Waleri Schiriajev 2006/07 kein Verteidiger mehr) ist 32, der Abwehrchef Marco Maurer 38, der Torschützenkönig Léonardo Fuhrer 33.

Es werden kaum diese Männer sein können, die Sierre mittelfristig in die NL hieven. Aber das sind Sorgen für andere Tage. Sierre hat schwierige Zeiten hinter sich, der Konkurs liegt erst 13 Jahre zurück. Diese Saison der Superlative hat für die Entbehrungen und den Ärger der letzten Jahre zumindest teilweise entschädigt.

Nach dem finalen Triumph gegen La Chaux-de-Fonds gab sich die Stadt einer ausgelassenen Party hin. Im Hintergrund arbeitet Chris McSorley derweil am nächsten Projekt. Gemeinsam mit seinen schon in Sierre involvierten Investoren – darunter das Kryptounternehmen House of Doge – versucht er, ein Mailänder Team in die multinationale ICE Hockey League zu hieven.

Ist Sierre für dich die Überraschungsmannschaft der Saison?

Der Spielbetrieb soll bereits im Hinblick auf die Saison 2026/27 aufgenommen werden, McSorley wirkt als General Manager, so lange jedenfalls, bis ein lokaler Sportchef eingestellt ist. Der findige Geschäftsmann erhofft sich von dem Ansinnen in erster Linie Rendite, klar, aber er spricht auch von Synergien, die Sierre helfen sollen:

«Wir werden das erste Team mit einem internationalen Partner sein. Die Auflagen von B-Lizenzen müssen uns dann nicht mehr kümmern, wenn Bedarf besteht, können wir einen Spieler zwei Dutzend Mal zwischen Sierre und Mailand verschieben.»

Noch ist die Aufnahme Mailands nicht über die Bühne. Aber als Trainer steht Doug Shedden in den Startlöchern, der ehemalige Coach von Lugano und Zug, der zuletzt in Bozen wirkte. McSorley und Shedden: An Unterhaltung wird es bei diesem Duo infernale nicht mangeln.

Weiterlesen

Urs Kessler
82 Interaktionen
Kessler-Rücktritt
SC Bern
7 Interaktionen
Kommt von «MySports»
Claude Julien ZSC Lions
3 Interaktionen
Vertrag bis 2028
Genoni
1'613 Interaktionen
An ihm lags nicht
Fribourg-Gottéron
Fribourg-Gottéron
Keystone
Berlin als Vorbild