Zum Rücktritt von Simon Moser: «I schtah gäng häre»

Hommage von Reto Kirchhofer an Simon Moser: ein Rückblick auf eine Karriere, geprägt von Verantwortung, Respekt und echtem Führungsstil.

Anfang Dezember hat Simon Moser sein Karriereende kommuniziert. Drei Meistertitel mit dem SC Bern, zweimal WM-Silber mit dem Schweizer Nationalteam, langjähriger Captain in Bern – wer die Zahlen betrachtet, kommt zum Schluss: Ein Grosser des Schweizer Eishockeys tritt ab.
Nur: Wert und Wirken einer Person lassen sich nicht durch Zahlen definieren. Ich durfte Simu über 15 Jahre lang begleiten; zuerst als Journalist, später als Leiter Kommunikation beim SCB.
Der erste Eindruck als Aussenstehender war: ein «Töff» auf dem Eis, gmögig im Gespräch, ein Typ mit Bodenhaftung, ähnlich stark verwurzelt wie die Linden auf der Schlossallee in Mosers Wohnort Schlosswil.
Beim SCB erhielt ich die Innenperspektive, lernte Simu noch besser kennen, sah, wie er sich in der Garderobe verhält, nach Siegen, nach Niederlagen, wie er mit den Leuten kommuniziert, welch Gespür er für den Umgang mit Menschen hat.

Leise Töne, Tacheles reden, Sprüche machen, in Ruhe lassen, ein Feldschlösschen öffnen – er hat den Instinkt, wann was angebracht ist. Mein erster Eindruck von aussen bestätigte sich, ja, der zweite Eindruck war gar noch besser.
Simu hat mich beeindruckt; als Führungsfigur eines Teams, das in einem emotionalen Umfeld den Spagat zu bewältigen hat, einerseits die Durchlässigkeit nach «aussen» – Mitarbeitende, Fans, Sponsoren – zu gewähren und den Austausch zu pflegen, sich aber anderseits im richtigen Moment zu isolieren, um gewisse Strömungen nicht in die Garderobe vordringen zu lassen.
Simu war in den letzten Jahren seiner Aktivzeit vielleicht nicht mehr der Beweglichste :-), aber diesen Spagat hat er hervorragend gemeistert. Dass sich die Spieler in Bern auf das Wesentliche konzentrieren konnten, war auch sein Verdienst.
Ein Führungsspieler nimmt die Verantwortung nach innen und aussen wahr – auch in der Kommunikation. In einer Phase mit vier Niederlagen in Folge wurde Simu als Captain nach jedem Spiel für Interviews verlangt. Er kam jeder Anfrage nach.

Es folgte die fünfte Niederlage de suite, und ich entschied, Simu für einmal nicht zum Interview zu schicken. Nicht, weil ich ihn vor sich selbst hätte schützen müssen – er wusste im Erfolg und im Misserfolg, was es zu kommunizieren gab und was nicht –, sondern aus Überzeugung, dass nicht immer nur der Captain hinzustehen hat.
Darüber informierte ich Simu später in der Garderobe. Er sass an seinem Platz, immer noch in der Ausrüstung, die Enttäuschung ob der sportlichen Baisse allgegenwärtig, und sagte: «Dasch lieb, aber hättsch mi scho chönne schicke – i schtah gäng häre, das ghört drzue.»

Ob mit dem Tiger oder dem Bären auf der Brust: Simu war ein Leitwolf. Nun tritt er ab und nimmt das nächste Drittel in Angriff. Simon Moser wird dem Schweizer Eishockey generell und dem SCB speziell fehlen – als Spieler, selbstverständlich, vor allem aber als Mensch, als Leader, als Vorbild.
Reto Kirchhofer
15 Jahre lang hat das Eishockey sein Berufsleben getaktet. Als Sportjournalist bei Tamedia berichtete der Berner von elf Weltmeisterschaften vor Ort und begleitete den SC Bern durch Höhen und Tiefen. Später wechselte er die Seiten und arbeitete als Leiter Kommunikation beim SCB.
Mittlerweile beschäftigt sich der 44-Jährige bei den Parlamentsdiensten im Bundeshaus mit rhetorischen Bögen und verbalen Ausrutschern auf dem Glatteis der Politik. Dem Eishockey ist er dank einiger Mandate nach wie vor verbunden.





