Patrick Fischer: Der Rauswurf ist richtig – aber zwei Tage zu spät

Nach zwei Tagen heftiger Kritik zieht der Eishockey-Verband am Mittwochabend die Reissleine und stellt Patrick Fischer frei. Eine zu späte Reaktion.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Schweizer Hockey-Verband stellt Patrick Fischer 48 Stunden zu spät frei.
- Am Montag hätte man Rückgrat zeigen können – so ist es ein Einknicken unter dem Druck.
- Der Verband hätte sich, Fischer und Jan Cadieux viel ersparen können. Ein Kommentar.
Swiss Ice Hockey hätte sich selbst, der Öffentlichkeit und auch Patrick Fischer eine Menge Ärger ersparen können.
Die rund 48 Stunden zwischen Fischers Corona-Betrugsgeständnis am Montag und seinem Rauswurf am Mittwochabend waren völlig vermeidbar.
Der Verband hätte am Montagabend Rückgrat zeigen müssen, hätte Patrick Fischer auch aus der Schusslinie nehmen sollen.
Eine saubere Trennung hätte allen Beteiligten den Shitstorm der letzten zwei Tage erspart.

Man hätte Fischers Geständnis als Anlass für eine vorgezogene Übergabe des Nati-Trainerpostens nutzen können.
Schliesslich stand Jan Cadieux als Nachfolger längst fest, die Übergabe nach der Heim-WM war ebenfalls geplant.
Eine unnötig schiefe Optik
Stattdessen brauchte man zwei Tage, massive öffentliche Kritik und Druck der Sponsoren für die richtige Entscheidung.
Das schadet dem Ansehen des Verbands mehr, als wenn man am Montag einfach einen Schlussstrich gezogen hätte.
Die Konsequenz ist eine unnötig schiefe Optik. Es entsteht der Eindruck, als hätte man beim Verband die eigenen Werte nicht ganz im Blick.

Anders ist nicht zu erklären, dass man die Sache erst für beendet erklärt und zwei Tage später die 180-Grad-Wende vollzieht.
Logistische Gründe kann es keine geben, schliesslich stand Co-Trainer Jan Cadieux als langfristiger Nachfolger schon lange fest.
Die «Causa Patrick Fischer» wird die Nati begleiten
Man muss auch annehmen: Es ist nicht der öffentliche, der mediale Druck, der den Verband zum Handeln zwingt.
Es sind die Sponsoren, welche die Kehrtwende notwendig machen.

Es ist auch Swiss Olympic, dessen finanzielle Unterstützung für das Schweizer Eishockey enorm wichtig ist. Dort hat man laut SRF «sehr ungehalten reagiert».
Und natürlich ist eine drohende Untersuchung durch den Weltverband IIHF einen Monat vor der Heim-WM ein Worst-Case-Szenario.
Vieles davon wäre vermeidbar gewesen, hätte Swiss Ice Hockey schon am Montag Rückgrat gezeigt. Jetzt wird die «Causa Patrick Fischer» die Hockey-Nati wie ein unschöner Schatten bis zur Heim-WM begleiten.
Neo-Trainer Jan Cadieux hätte einen ruhigeren Start verdient gehabt.






