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SCB: Wie soll die neue DNA aussehen, CEO Jürg Fuhrer?

Pierre Benoit
Pierre Benoit

Jürg Fuhrer hat nach dem Rücktritt von Marc Lüthi die Führung des SCB übernommen. Der 53-Jährige bringt klare Ideen mit.

SCB-CEO Jürg Fuhrer
Der neue SCB-CEO Jürg Fuhrer. - Daniel Zaugg

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim SCB folgt Jürg Fuhrer als CEO auf Marc Lüthi.
  • Der 53-Jährige erklärt im Interview, wie die DNA der Mutzen künftig aussehen soll.
  • Fuhrer zieht eine erste 100-Tage-Bilanz

Nach 28 Jahren als SCB-CEO, Delegierter des Verwaltungsrats und zwischenzeitlich als Verwaltungsratspräsident trat Marc Lüthi Ende April zurück.

Sein Amt hat mit Jürg Fuhrer ein Macher mit klaren Ideen und Vorstellungen übernommen. Seit zwei Jahren sitzt der 53-Jährige im Verwaltungsrat, seit 104 Tagen zeichnet er auch für die operative Führung im SCB verantwortlich.

Marc Lüthi SCB
Nach 28 Jahren als SCB-CEO, Delegierter des Verwaltungsrats und zwischenzeitlich als Verwaltungsratspräsident trat Marc Lüthi Ende April zurück. - Keystone

Verwaltungsratspräsident Carlo Bommes ist überzeugt, mit Jürg Fuhrer den Mann gefunden zu haben, der den SCB wieder auf Erfolgskurs bringen kann.

«Mit seiner Erfahrung und Vision ist er genau die richtige Person, um dem SCB neue Impulse zu verleihen und den Club erfolgreich weiterzuentwickeln», sagt Bommes.

BärnerBär: Seit gut 100 Tagen sind Sie im Amt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Jürg Fuhrer: Ehrlich gesagt: Es waren sehr intensive Tage. Man kommt mit Vorstellungen ins Amt – und dann trifft man auf die Realität eines Traditionsclubs mit sehr vielen verschiedenen Ansprüchen. Sportlich, wirtschaftlich, emotional.

Das war für mich ein grosser Lernprozess. Mittlerweile fühle ich mich sattelfest in allen Dossiers, wir packen vieles an und die Arbeit bereitet mir grosse Freude.

Jürg Fuhrer
Jürg Fuhrer: «Lasst uns eine Mannschaft sein, auf die unsere Fans stolz sind – nicht nur wegen der Resultate, sondern wegen unserer Haltung!» - Daniel Zaugg

BärnerBär: Hatten oder haben Sie auch Kontakt mit ihrem Vorgänger?

Fuhrer: Ich tausche mich zwischendurch mit Marc aus, hin und wieder gehen wir auch zusammen zum Mittagessen.

BärnerBär: Sie haben bei Ihrem Amtsantritt erwähnt, eine neue SCB-DNA aufbauen zu wollen. Wie soll diese DNA aussehen?

Fuhrer: Eine verständliche Struktur, transparente Entscheidungen und klare Verantwortlichkeiten – in guten wie in schlechten Zeiten. Das sind aus meiner Sicht zentrale Erfolgsfaktoren.

Dazu braucht es ein Team, das auf allen Ebenen vor und hinter den Kulissen am gleichen Strick zieht und bereit ist, mit Leidenschaft ein paar Schritte mehr zu machen als alle anderen. Wir haben das für uns kurz und bündig zusammengefasst unter dem Motto «One Step More – jeder Schritt zählt».

BärnerBär: Was konnten Sie bereits in die Tat umsetzen?

Fuhrer: Ich bin stolz, dass wir sehr rasch sehr viel sehr konkret angepackt haben. Drei Punkte möchte ich herausstreichen: Die 1. Mannschaft, den Gastrobereich und die Nachwuchsförderung.

Im sportlichen Bereich konnten wir viele Nägel mit Köpfen einschlagen. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Entwicklung. Rund um unseren Gastro- und Event-Betrieb haben wir eine ehrliche Bestandesaufnahme gemacht und eine klare Restrukturierungsstrategie erarbeitet.

Das war überfällig – die Zahlen haben lange nicht gestimmt. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, aber der Kurs ist gesetzt.

Findest du den Wechsel an der SCB-Spitze richtig?

Für unsere Nachwuchsförderung haben wir klare Ambitionen definiert. Da geht es darum, dass unsere jungen Talente eine echte sportliche Perspektive im Club haben, mit einem klaren Anspruch auf Meistertitel-Niveau.

Das habe ich den Eltern auch persönlich an einem Elternabend so kommuniziert – Transparenz ist mir da wichtig. Was ich ehrlich sagen muss: Vieles davon sind Weichenstellungen, keine fertigen Resultate.

Strukturen verändern und Zahlen sanieren dauert länger als hundert Tage. Aber ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Grundlagen gelegt haben, auf denen jetzt aufgebaut wird.

BärnerBär: Bereits hat es zahlreiche Veränderungen gegeben. Langjährige, treue Mitarbeitende haben den SCB verlassen und auch im sportlichen Bereich gibt es viele Wechsel. Sven Rindlisbacher und Pascal Gigandet, die jahrzehntelang die Geschicke der SCB-Tochter Sportgastro leiteten, haben gekündigt und der erst vor einem Jahr dazugestossene ehemalige SCB-Spieler Justin Krueger wurde entlassen. Weshalb kam es zu so vielen Abgängen?

Fuhrer: Es ist verständlich, dass diese Frage kommt – so viele Wechsel auf einmal fallen auf, gerade bei Personen, die den Club über so lange Zeit geprägt haben. Zu Sven Rindlisbacher und Pascal Gigandet kann ich sagen: Das war ihre eigene Entscheidung. Beide haben Sportgastro während Jahrzehnten mit viel Herzblut geführt, und ich habe grössten Respekt vor dieser Lebensleistung.

Jürg Fuhrer
Jürg Fuhrer hat die Rolle des SCB-CEO übernommen. - Daniel Zaugg

Wenn jemand nach so langer Zeit für sich selbst entscheidet, einen neuen Weg einzuschlagen, dann ist das eine persönliche Wahl, die ich nicht kommentieren möchte – ausser mit Dank und Anerkennung für das, was sie aufgebaut haben.

Bei Justin Krueger war es eine andere Situation: Da standen wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Das sind Entscheidungen, die niemandem leichtfallen, gerade wenn jemand noch nicht lange bei uns war.

Aber ein Club unserer Grösse muss diese Fragen mit einer gewissen Konsequenz angehen, auch wenn das nicht immer populär ist. Was ich dazu grundsätzlich sagen möchte: Ein gewisses Mass an Veränderung gehört in dieser Phase dazu, in der wir Strukturen neu aufstellen. Das bedeutet nicht, dass wir das leichtfertig tun – im Gegenteil, jeder einzelne Fall wurde sorgfältig abgewogen.

BärnerBär: Zum Sport. Was dürfen die SCB-Fans in der kommenden Saison vom Fanionteam erwarten?

Fuhrer: Ganz besonders gilt natürlich auch hier «One Step More – jeder Schritt zählt». Die SCB-Fans sollen Leidenschaft sehen und mit der Leistung zufrieden sein. Ist dies der Fall, können wir stolz sein. Wird gekämpft, werden die Fans auch Niederlagen verzeihen.

Ende Saison werden wir sagen können, ob die Fans und wir als Organisation glücklich sind. Blutleere Vorstellungen, wie es sie in den letzten Jahren verschiedentlich gab, will niemand sehen. Das haben wir den Spielern klar kommuniziert.

Und diese Idee steht auch hinter allen sportlichen Entscheidungen, die wir im Hinblick auf die nächste Saison getroffen haben und noch treffen werden.

BärnerBär: Ein Dauerthema ist das Stadionprojekt. Der Lead liegt bei VR-Präsident Carlo Bommes. Trotzdem sei die Frage erlaubt: Können Sie uns verraten, wie der Stand der Dinge ist?

Fuhrer: Zum Stadionprojekt kann ich aktuell wenig Neues berichten – das liegt –wie erwähnt – federführend bei unserem VR-Präsidenten Carlo Bommes, und ich möchte ihm hier nicht vorgreifen.

Was ich aber gerne hervorhebe, ist unser neuer Athletikraum, den wir auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern im Stadionbauch bauen. Das ist für den SCB ein wichtiger Schritt, gerade auch im Hinblick auf den Transfermarkt.

In den vergangenen Jahren haben uns einige Spieler wegen der unzureichenden Infrastruktur den Rücken gekehrt. Mit diesem Ausbau können wir die Rahmenbedingungen deutlich verbessern. Das zeigt bereits Wirkung.

Nicht zuletzt dank diesem Projekt konnten wir einige namhafte Spieler für den SCB gewinnen. Auch die Garderobe präsentiert sich in neuem Kleid – frisch renoviert, was spürbar zu einer anderen, positiveren Stimmung in der Mannschaft beiträgt.

SCB
Verwaltungsratspräsident Carlo Bommes ist überzeugt, mit Jürg Fuhrer den Mann gefunden zu haben, der den SCB wieder auf Erfolgskurs bringen kann. - keystone

Solche Investitionen mögen auf den ersten Blick weniger sichtbar sein als das Stadionprojekt selbst, aber sie sind für den sportlichen Alltag ebenfalls sehr entscheidend.

BärnerBär: Sie sind in Biglen aufgewachsen. Von dort zur Ilfishalle sind es 17,4 km, in die PostFinance Arena 18,1 km. Weshalb sind Sie SCB- und nicht SCL-Fan geworden?

Fuhrer: Ich war dreijährig, als ich mit meinem Grossvater das erste Mal ein SCB-Heimspiel besuchte. Er war während mehr als 50 Jahren stolzer Besitzer eines SCB- und eines YB-Abonnements. Ich selbst spielte zwar Fussball, doch Eishockey gefiel mir immer besser.

PERSÖNLICH

Jürg Fuhrer wurde 1972 in Bern geboren. Er war seit 1999 Gründer und Besitzer der Businesscom AG, einem Handels- und Logistikunternehmen, Leader im Markt von Heimtierfutter und Tierzubehör in 83 Ländern. Mit Amtsantritt als SCB-CEO hat er das Unternehmen verkauft. Fuhrer wohnt in Konolfingen, ist verheiratet und Vater von 2 erwachsenen Kindern.

Seit dem ersten Spiel bis heute verfolge ich den SCB mit viel Herzblut. In der Schule hatte ich auf dem Pausenplatz mit dem SCB-Outfit einen schweren Stand. Die grosse Mehrheit unterstützte Langnau.

BärnerBär: Wer waren damals die auffälligsten SCB-Spieler?

Fuhrer: Reijo Ruotsalainen und Alan Haworth. Später Gaetano Orlando.

BärnerBär: Welche Spiele sind ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Fuhrer: Der Playoff-Final in Lugano 2004 mit den beiden Toren von Marc Weber. Und das Viertelfinalspiel in Genf 2019 gegen Servette, als Marc Arcobello in der 118. Minute das Siegestor schoss und wir uns fragten, wie wir um diese Zeit noch nach Hause kommen.

Bist du Eishockey-Fan?

Nicht vergessen will ich auch den Playoff-Final 1992, als der SCB die «Finalissima» in der St.-Léonard-Halle dank zwei Goals von Patrick Howald mit 4:1 gegen Gottéron mit den Russen Chomutow und Bykow gewann.

BärnerBär: Zum Abschluss noch eine Frage, die sich aufdrängt: Wann wird der SCB wieder in einem Playoff-Final stehen?

Fuhrer: Diese Frage kann ich nicht beantworten und auch kein Versprechen abgeben. Nur so viel dazu: Wir tun alles dafür, dass dies so rasch wie möglich wieder der Fall sein wird.

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