Fazzini und die Hoffnung auf neue Tränen der Freude

Luca Fazzini ist bei der PostFinance Topskorer-Ehrung 2025/26 als bester Schweizer Scorer ausgezeichnet worden.

Luca Fazzini gehört seit Jahren zu den konstantesten und produktivsten Schweizer Stürmern der National League. Ein schwerer Unfall machte ihm ebenso lange zu schaffen wie das anhaltende Tief seines Herzensklubs Lugano. Den Traum eines Titelgewinns mit den Bianconeri hat er nicht aufgegeben.
Über die Jahre ist Luca Fazzini immer wieder mit Avancen anderer Klubs konfrontiert worden. AmbrÌ-Piotta versuchte ihn in jungen Jahren abzuwerben, die ZSC Lions, als der Sportchef dort noch Edgar Salis hiess ebenfalls. Und Christian Dubé ermunterte ihn zu einem Wechsel nach Fribourg.
Aber Fazzini sagt: «Ich bin ein Kind Luganos, das ist meine Stadt, meine Heimat. Ich will hier nicht weg. Mein grösstes Ziel war es immer, hier Meister zu werden.»
Es gab Jahre, da fehlte wenig. 2018 im Final gegen die ZSC Lions ein einziger Sieg. Und zwei Jahre zuvor gegen den SCB, den Tabellenachten der Qualifikation, auch nur deren drei. Doch seither ist Lugano im Mittelmass versunken, der Klub hat seit 2018 keine Playoff-Serie mehr gewonnen.

2024/25 stürzte Lugano auf Rang 13 ab und musste das Play-out bestreiten, es war eine Schmach sondergleichen. Im November 2024 sagte die Organisation sogar eine Zeremonie zu Ehren der Klublegende Régis Fuchs ab.
Die Begründung: Die sportliche Situation präsentiere sich so düster, dass es nicht der Moment für Feierlichkeiten sei. Es war Luganos Tiefpunkt im 21. Jahrhundert.
Inzwischen wurde das Happening nachgeholt und Fuchs fand doch noch Aufnahme in die «Hall of Fame» des Klubs. «Wir hatten genug vom Misserfolg», antwortet Fazzini auf die Frage, was sich im Klub seines Herzens verändert hat.
Die Mannschaft scheint sich der Vision des Trainerduos Tomas Mitell/Stefan Hedlund voll und ganz verschrieben zu haben, der wahnsinnig aufsässigen Spielweise, die das Duo fordert.
Und die Resultate können sich sehen lassen: Lugano stellte die zweitbeste Abwehr und erreichte Rang 5. Es ist die beste Platzierung seit fünf Jahren.
47 Punkte bedeuten persönlichen Rekord
Zu den Vätern der Hausse gehört auch Fazzini, der sich mit 16 Toren und 31 Assists zum besten Schweizer Skorer der Liga aufschwang. Der Sportchef Janick Steinmann sagt:
«Ich habe einst mit Luca in Lugano gespielt. Seine Entwicklung seither ist unglaublich. Er ist reifer geworden, kompletter auch, ein absoluter Vollprofi. Und für uns ein wichtiger Leader, dessen Wirkung weit über die Skorerpunkte hinausgeht. Er ist ein Leader, der sehr viel für die Kabine macht und als Vorbild voranschreitet. An seinem Körper gibt es kein Gramm Fett.»
Fazzini muss lachen, wenn man ihn fragt, ob er heute ein kompletter Spieler ist. Er sagt: «Ich bin defensiv immer noch einer der schwächsten Spieler in unserer Mannschaft. Aber es stimmt, dass ich grosse Fortschritte gemacht habe. Ich habe viel investiert, um defensiv verlässlicher zu werden.»

Boxplay spielt er immer noch nicht, aber warum auch? Seine Stärken liegen anderswo. Und sie schimmern jetzt heller denn je, im Alter von 31 Jahren: 47 Punkte, das ist persönlicher Rekord. Fazzini ist im Flow, er ist inzwischen Vater und fährt deshalb kaum noch zum Fussball.
Eigentlich ist er Interista, aber die Reisen ins San Siro sind seltener geworden, jetzt wo er nicht nur im HC Lugano, sondern auch zu Hause Verantwortung trägt.
Zum Reifeprozess Fazzinis gehörte ebenfalls, die schwere Verletzung wegzustecken, die er im November 2012 erlitt. Bei einem Auswärtsspiel in Langnau wird Fazzini von Lukas Haas zu Fall gebracht und stürzt kopfvoran in die Bande.
Er bricht sich den siebten Halswirbel und entgeht nur um wenige Millimeter einer Lähmung. «Das hat mich lange begleitet. Fünf, sechs Jahre lang hatte ich das bei jedem Zweikampf in Bandennähe im Hinterkopf.»
Auch Besuche bei Psychologen brachten nur überschaubaren Erfolg. Erst die Zeit heilte die Wunden. Inzwischen sagt Fazzini: «Ich habe so viel Muskulatur aufgebaut, dass ich glaube, vieles abfedern zu können.»
Mit 31 erstmals an eine WM?
Heute ist Fazzini Luganos wichtigster Vorkämpfer. Er ist «uno di noi», wie man im Tessin sagt. Ein Ragazzo, der früher selbst in der Kurve stand, in den Jahren der Ragazzi della Nord und der Fossa.
«Ich kann die alten Lieder immer noch auswendig», sagt Fazzini. Und ergänzt: «Lugano bedeutet mir viel. Als der Klub 2006 zum letzten Mal Meister wurde, habe ich im Stadion geweint.»
Luca Fazzini
Geboren: 17. März 1995
Grösse: 176 cm
Gewicht: 82 kg
Stock: rechts
Beim HC Lugano seit: 2007
Vertrag bis: 2027 Bisherige
Klubs: HCB Ticino Rockets (Leihe/NLB), SC Rapperswil-Jona Lakers (Leihe/NLB)
Es sind diese rauen, unverfälschten Emotionen, die Fazzini noch einmal erleben möchte. Nach vielen Irrungen und Wirrungen scheint Lugano sich auf dem richtigen Weg zu befinden.
Ist diese Mannschaft schon ein Titelkandidat? «Wir werden sehen», sagt Fazzini, «aber wir spielen mit so viel Energie, dass es für jeden Gegner nicht einfach wird».
Im Playoff-Viertelfinal werden sich zunächst einmal die ZSC Lions davon überzeugen können. Die Playoffs werden auch für Fazzini eine Bühne sein.
Noch immer hat er keine Weltmeisterschaft bestritten. Obwohl er seit Jahren zu den verlässlichsten Schweizer Skorern gehört. Und 2012/13 einst unter dem heutigen Nationalcoach Patrick Fischer in der NL debütierte, als dieser in Lugano noch Assistent von Larry Huras war.
Fazzini sagt: «Ich hoffe, dass es irgendwann doch noch klappt, das ist eines meiner Ziele. Aber wenn Spieler wie Kevin Fiala und Nico Hischier zur Verfügung stehen, wird es für mich schwierig, so realistisch muss man sein.»
Er hat den Traum nicht aufgegeben. Der Titel mit Lugano wäre das ultimative Bewerbungsschreiben.
Die besten Schweizer Skorer der letzten 10 Jahre:
2025/26 Luca Fazzini, HC Lugano, 47 Punkte
2024/25 Lino Martschini, EV Zug, 44 Punkte
2023/24 Calvin Thürkauf, HC Lugano, 60 Punkte
2022/23 Tyler Moy, SC Rapperswil-Jona Lakers, 51 Punkte
2021/22 Denis Malgin, ZSC Lions, 52 Punkte
2020/21 Sven Andrighetto, ZSC Lions, 55 Punkte
2019/20 Pius Suter, ZSC Lions, 53 Punkte
2018/19 Grégory Hofmann, HC Lugano, 51 Punkte
2017/18 Luca Fazzini, HC Lugano, 42 Punkte
2016/17 Julien Sprunger, Fribourg-Gottéron, 51 Punkte





