SCRJ Lakers

Nico Dünner: Auf und neben dem Eis erfolgreich

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SLAPSHOT, Andy Maschek

Die Rapperswil-Jona Lakers genossen in den Saisonprognosen nicht allzu viel Goodwill. Doch die St. Galler spielten lange stark und dürfen nach wie vor von den Playoffs träumen. Dies auch dank Captain Nico Dünner.

Nico Dünner
Nico Dünner spielt seit 2019 für die SCRJ Lakers. - keystone

Es ist eine Saison mit Höhen und Tiefen für die Lakers. «Am Anfang hat alles zusammengepasst, haben wir wohl auch etwas überperformt, zudem hatten wir das nötige Glück auf unserer Seite und spielten gutes Eishockey», sagt Nico Dünner.

«Danach kam eine kleine Baisse, wir erzielten nicht mehr so viele Tore, die Special Teams wurden schlechter – es sind Baustellen, die wir noch nicht ganz geschlossen haben, die Schusseffizienz und das Powerplay müssen wir nach wie vor verbessern.»

Aber im Endeffekt seien dies Momentaufnahmen, erklärt der 31-jährige Stürmer. Und: «Wenn man sich eine gute Ausgangslage erarbeitet hat, ist es für mich fast entscheidender, wie man die Saison beendet, als wie man sie angefangen hat.»

Die persönliche Performance von Captain Dünner passt, seine Linie mit Dominic Lammer und Gian-Marco Wetter funktioniert. Und auch gesundheitlich ist alles in Ordnung, nachdem Dünner zuvor noch lange mit den Nachwehen einer Schulterverletzung kämpfte, die er sich vor zwei Jahren zugezogen hatte.

Raperswil-Jona Lakers
Nico Dünner trifft für die Raperswil-Jona Lakers. (Archivbild) - keystone

«Der Coach schenkt mir viel Vertrauen, ich stehe auch im Power- und im Boxplay auf dem Eis, es spielen viele Faktoren mit», lautet sein Fazit.

Teamgeist und harte Arbeit

Dünner ist in seiner zweiten Saison bei den St. Gallern Captain. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung, wobei er sich wohl eher als Primus inter Pares sieht, denn er sagt: «Wir haben eine Leadership-Gruppe, die einander unterstützt. Bei uns gibt es keine Einzelkämpfer, was es auch für mich etwas einfacher macht, es ist eine grosse Ehre, da vorangehen zu dürfen.»

Rappi sei eine sehr hart arbeitende Organisation, man hole das Beste aus den Möglichkeiten heraus: «Man kennt einander, schätzt einander und versucht einander zu helfen. Und so kommt man besser durch gute und schlechte Zeiten.»

Eishockeytechnisch gross wurde Nico Dünner im EVZ-Nachwuchs, zum finalen Durchbruch reichte es ihm bei den Zentralschweizern aber nicht. Der EVZ verfügte über ein starkes Kader, es kämpften mehrere Spieler um denselben Platz im Team.

«Vielleicht passte ich in jenem Moment nicht ins Spielsystem des Trainers, vielleicht war ich im falschen Moment am falschen Ort, das kann es geben und ist schwierig zu erklären», sagt Nico Dünner.

Wertvoller Umweg

Aus diesem Grund fällte er einen Entscheid, der für seine Karriere wegweisend war und wechselte zum SC Langenthal.

Er sagt: «Für mich war immer wichtig, dass ich viel spielen kann. Ich hätte vielleicht noch ein Jahr länger bei Zug bleiben können, aber als 13. Stürmer auf ein paar Minuten Eiszeit zu hoffen, hätte mir weniger gebracht, als in der Swiss League zu spielen. Es ist wichtig, viel auf dem Eis zu stehen, gegen Männer zu spielen, auch zu lernen, mit Druck umzugehen und vielleicht auch mal in den Special Teams zum Einsatz zu kommen.»

Dieser Erfahrungsschatz sei in seinen Augen wertvoller, als bei einem Klub in der National League zu sein und während einem, zwei oder drei Jahren nur in der vierten Linie und wenig zum Einsatz zu kommen. Der Umweg via Langenthal und die gewonnene Spielpraxis zahlten sich aus. 2019 wechselte Dünner zu den Lakers in die National League.

«Ich hatte das Glück, dass sich der Klub gerade in einem Umbruch und in Aufbruchstimmung befand, wir kämpften uns dann Schritt für Schritt ins Mittelfeld vor», erinnert er sich. Es war die Belohnung für die Beharrlichkeit, denn Dünners Weg war nicht immer einfach. «Natürlich gab es immer mal wieder Momente, in denen man etwas hinterfragt», erklärt der Stürmer.

Nico Dünner

Geboren: 19. April 1994

Grösse: 182 cm

Gewicht: 86 kg

Stock: links

Bei SCRJ Lakers seit: 2019

Vertrag bis: 2027

Bisherige Klubs: SC Langenthal (SL), EHC Biel-Bienne (NL), EV Zug (NL)

Er habe sich Zeit bis 25 gegeben, um es in die National League zu schaffen. Oder andernfalls dann zu versuchen, in der Privatwirtschaft durchzustarten. Für diesen Plan B begann er mit 24 Jahren mit seinem Studium und liess sich nicht mehr von diesem Weg abbringen. Den Bachelor absolvierte er in Wirtschaftsinformatik, Mitte Januar schrieb er nun die zwei letzten Prüfungen im Masterstudium der Betriebswirtschaft.

Im Sommer muss er noch seine Thesis, seine Masterarbeit, zum Thema «Vertrauen in agentenbasierte KI – eine qualitative Analyse organisationaler und individueller Einflüsse im Wealth Management» fertig schreiben. Eine solide Bildung ist Dünner, dessen Eltern und Frau als Lehrpersonen tätig sind, wichtig. Deshalb hat er auch geplant, nach seiner Masterarbeit neben dem Sport ein Praktikum zu absolvieren und in die Berufswelt hineinzuschnuppern.

Er sagt: «Das eine oder andere interessante Thema ist offen, aber aktuell liegt der Fokus auf Rappi und dieser Saison.» Und da ist noch viel drin. Zuerst wollen die Lakers das Saisonziel, die Qualifikation fürs Play-In, sichern, erst danach geht der Blick weiter nach vorne.

«Wir müssen als Mannschaft an den Prozess glauben, dann kann sich eine gewisse Dynamik entwickeln. Ich durfte das in Langenthal erleben, wo wir zweimal den Titel in der Swiss League gewannen. Wir rechneten nicht damit, aber es wurde eine Euphorie entfacht», so Dünner.

Verfolgst du die Karriere von Nico Dünner?

Mit seinen 31 Jahren hat der Stürmer ja noch eine schöne Zukunft vor sich, gleichzeitig ist er sich bewusst, dass es für eine Karriere im Spitzensport immer auch Glück braucht. Im Leben könne man wohl nicht so viele Dinge kontrollieren, wie man manchmal denke.

«In Situationen wie in der letzten Saison, als ich fast immer mit Schmerzen spielte, dann auch mehrere Zähne richten musste und fast den Ellbogen hätte operieren müssen, stellt man sich schon die Frage, welchen Preis man bereit ist zu zahlen. Wenn es gut läuft, ist alles super, andernfalls hintersinnt man sich», sagt der Captain, der im kommenden Sommer erstmals Vater wird und erwartet, dass sich so die Perspektiven etwas ändern, und gleichzeitig betont:

«Ich bin meiner Familie und meiner Frau enorm dankbar – ihre Unterstützung war und ist enorm wichtig für mich, ohne sie wäre dieser Weg so nicht möglich gewesen.»

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