Pro & Contra: Kann der HCD Schweizer Meister werden?

SLAPSHOT
SLAPSHOT, Daniel Germann, Nicola Berger

Kann der HCD seine «Mission 32» vollenden und Schweizer Meister werden? Hier kommt das «Pro & Contra» von Slapshot.

HC Davos Meister
Eishockeyspiel der National League A zwischen dem HC Davos und Geneve-Servette HC im Januar 2014. - keystone

Wird der HC Davos Schweizer Meister? Hier ist das «Pro & Contra» von Slapshot.

Daniel Germann, NZZ-Redaktor, sagt Ja

Der HC Davos hat eine nahe zu perfekte Qualifikation gespielt. Getragen von einer klaren Organisation und der Handschrift seines Trainers Josh Holden und von überdurchschnittlichen Ausländern, hat er die Regular Season dominiert.

Zum zweiten Mal seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel im Jahr 2006 hat er die Grenze von 100 Punkten übertroffen. In der Saison 2006 hatte er 113 Zähler erreicht. Das war in der Zeit der «Arno-Kratie», der Phase unter dem Engadiner Kulttrainer Arno Del Curto, mit dem die Bündner zwischen 2002 und 2015 fünf Titel gewannen.

HC Davos
Unter ihm läuft es dem HC Davos: Trainer Josh Holden. - keystone

Kommt beim Rekordmeister (31 Titel) im Frühjahr ein weiterer Titel dazu? Die Zeit scheint auch deshalb reif, weil für die meistgennannten Konkurrenten – den Titelhalter ZSC Lions, den Lausanne HC, der zuletzt zweimal im Final gestanden ist, aber auch den notorisch ambitionierten EV Zug – die Regular Season alles andere als problemlos verlief.

In Davos steht auf kommende Saisonhin bereits eine Zäsur fest. Der Captain und PostFinance Top-Scorer Matej Stransky wechselt aus familiären Günden in seine tschechische Heimat zurück. Er löst seinen weiterlaufenden Vertrag vorzeitig auf und folgt seiner Familie, die aus schulischen Gründen bereits zu Beginn der Saison heimgekehrt war. Gerüchten zufolge soll er sich Pardubice anschliessen.

Kann der HCD Schweizer Meister werden?

2015, beim letzten Bündner Titel, endete in Davos die Ära Reto von Arx auf fast schon kitschige Art und Weise. Der kantige Emmentaler konnte sich mit seinem langjährigen Klub nicht auf eine neue Rolle und einen neuen Vertrag einigen und liegt seither mit dem Klub im Argen.

Die aktuelle Saison ist auch das Jahr 1 nach Andres Ambühl, dem ewigen «Büehli», der seine Karriere im letzten Frühjahr beendet hatte, doch im Umfeld des Klubs weiterhin präsent und sinnstiftend ist. Der HCD scheint sich allen Widerständen zum Trotz immer wieder aus sich selbst erneuern zu können. Das ist das Holz, aus dem Meister geschnitzt sind.

Nicola Berger, SLAPSHOT-Autor und NZZ-Redaktor, sagt Nein

Auch wenn es leichter fällt, Argumente dafür zu finden, dass die Durststrecke des HCD nach elf Jahren endet. Das Playoff-Format hat uns seit seiner Einführung prächtige Unterhaltung und immer wieder auch spektakuläre Überraschungen beschert.

Aber zuletzt sind die Surprisen seltener geworden: Seit 2017 war nur zwei Mal der Qualifikationssieger am Ende nicht Meister: 2017 die unter dem Interimscoach Hans Kossmann vom siebten Rang aus gestarteten ZSC Lions. Und 2025 noch einmal die Zürcher, damals als zweitplatziertes Team.

Es wäre nach der grandiosen Qualifikation des HCD – 17 Punkte Vorsprung – also keine Überraschung, würde der nächste Start-/Zielsieg folgen. Der Rekordmeister ist der Favorit, keine Frage. Und doch beschäftigen uns Fragen.

Halten die Nerven des Torhüters Sandro Aeschlimann? Bleibt Enzo Corvi fit? Trifft Matej Stransky auf seiner Abschiedstournee auch im Playoff nach Lust und Laune und aus allen Lagen? Gelingt es dem smarten Chefcoach Josh Holden, seine neun (!) Ausländer bei Laune zu halten?

Sandro Aeschlimann HC Davos
Sandro Aeschlimann, Goalie des HC Davos. - keystone

Stranskys Geniestreiche waren in der Qualifikation oftmals genug Schminke für den HCD, um mittelmässige Darbietungen zu kaschieren. Regelmässig spielten die Davoser nicht unwiderstehlich – gewannen aber mit beneidenswerter Selbstverständlichkeit doch. Aus diesem Holz sind Champions geschnitzt, keine Frage.

Es wäre aber nicht das erste Mal, dass eine sorgenfreie Qualifikation – der HCD musste keine einzige Krise moderieren – dazu führt hat, dass beim ersten Anflug von Widerstand der grosse Einbruch kommt. Einfach, weil das Kollektiv einen ganzen Winter über nicht mit negativen Emotionen konfrontiert war.

Es ist Holden und dem HCD zuzutrauen, auch um diese Stolperfallen gekonnt zu navigieren. Ganz ohne Anlauf gelingt das allerdings selten: Die Post-Pandemie-Meister mussten alle erst einen verlorenen Final verdauen: Der EVZ 2019, ehe er 2021 und 2022 triumphierte.

Servette 2021, bevor 2023 der Coup gelang. Und der ZSC 2022, ehe er 2024 und 2025 alles niederwalzte. Die letzte Finalteilnahme des HCD datiert von 2015, es ist das Jahr des letzten Meistertitels. Vier Überbleibsel jenes Meisterteams gibt es noch: Enzo Corvi, Chris Egli, Sven Jung und Tino Kessler. Ist das wirklich genug Routine, um die «Mission 32» zu vollenden?

Weiterlesen

National League Servette Lausanne
2 Interaktionen
HCD gegen ZSC
Valentin Nussbaumer HC Davos
Mitten in Playoffs
NHL Hischier Josi
WM-Tür offen
EHC Biel
2 Interaktionen
Meister
Niederreiter
Sieg bei Comeback
Samuel Asselin
Samuel Asselin