SCB und Rodwin Dionicio: Wiedervereinigung mit Potenzial

Mit 22 Jahren wechselt Rodwin Dionicio vom EHC Biel zum SC Bern. In Bern will der Verteidiger seiner Karriere neuen Schwung verleihen.

Am 10. Juli wurde offiziell, was zuvor spekuliert worden war. Trotz des bis 2027 laufenden Vertrages trennten sich die Wege von Rodwin Dionicio und dem EHC Biel, zu dem er im Februar 2025 aus Nordamerika gestossen war. Der Wechsel innerhalb der Schweiz wurde von Gerüchten und Geschichten begleitet.
Es hiess, der Verteidiger brauche einen enormen Betreuungsaufwand, sei ein Schillerfalter. Aber auch, dass eine Einigung über eine vorzeitige Verlängerung nicht möglich gewesen sei.
Der Umgang mit solchen Urteilen ist gerade für einen jungen Spieler eine grosse Herausforderung. «Man muss sich in solchen Momenten treu bleiben, einen klaren Kopf behalten und Vertrauen in sich haben. Es war keine einfache Zeit, aber ich bin froh, dass ich mit Sven Helfenstein einen tollen Agenten an meiner Seite habe», sagt Dionicio, in dessen Augen die Kommunikation von beiden Seiten nicht die beste war.

Der Sommer sei speziell gewesen, weil er mehr oder weniger die ganze Zeit im Militär und nicht in Biel verbracht habe, wo man besser über die Zukunft hätte reden können.
Statistische Argumente
Und dann kam der SCB ins Spiel. Die Berner hatten in der Verteidigung durch die Abgänge von Ramon Untersander und Romain Loeffel Substanz und Offensivpotenzial verloren und wollten reagieren.
Und Dionicios statistische Argumente waren überzeugend: In der vergangenen Saison buchte er in Biel in der Regular Season 27 Skorerpunkte und war damit hinter Lukas Frick (HCD, 36), Yannick Rathgeb (Gottéron, 30) und Michael Fora (HCD, 28) der viertproduktivste Schweizer Verteidiger der National League.
Zudem war Dionicio bei den Mutzen kein Unbekannter, da er von 2019 bis 2021 bei SCB Future gespielt hatte, bevor er nach Nordamerika weitergezogen war.
«Meine Erinnerungen an diese Zeit sind nur positiv. Ich durfte sehr viel erleben und viele neue Leute kennenlernen, die mir sehr viel mitgegeben haben, als ich mich für den Schritt nach Nordamerika entschieden habe. Ich habe es dem SCB zu verdanken, dass es so gut aufgegangen ist», so Dionicio.
Nun ist er zurück in Bern, wo er auf einige bekannte Gesichter gestossen ist – im Berner Nachwuchs hat er mit Alain Graf, Nils Rhyn, Louis Füllemann oder auch Thierry Schild zusammengespielt, in Rapperswil zuvor mit Mats Alge.
So sagt er heute: «Meine Rückkehr fühlt sich sehr normal an.» Aufgrund seines Leistungsausweises und der mit seinem Alter verbundenen Perspektiven hatten einige Klubs ein Auge auf den 22-Jährigen geworfen.

«Es war cool zu wissen, dass es Teams gab, die mich wollten. Super war, dass wir dann die Lösung mit dem SCB gefunden haben. Dies war von Anfang an mein Wunsch. Als Junior haben mich die SCB-Erfolge nach Bern gelockt. Nun war für mich der Reiz sofort wieder gross, für den SCB aufzulaufen.»
Kribbeln im Bauch
Dass die Berner zuletzt schwierige Jahre durchmachen mussten, ist auch dem neuen Verteidiger bewusst. Gleichzeitig üben die Geschichte und die Tradition des Klubs sowie die namhaften Spieler, die hier spielten, eine grosse Faszination aus. So sagt Dionicio:
«Was letztes Jahr passiert ist, ist Vergangenheit. Diese Saison müssen wir so gut wie möglich mit dem arbeiten, was wir haben. Diese Herausforderung ist aufregend und sorgt für grosse Vorfreude – bei der Mannschaft und hoffentlich auch bei den Fans.»
In Bern freut sich Dionicio, im vollen Stadion und vor der Wand spielen zu können, «das sorgt für ein Kribbeln im Bauch und ist ein unglaubliches Gefühl». Dazu kommen weitere Aspekte wie die erwähnten bekannten Gesichter im Team und die Tatsache, dass er sich in der Stadt sehr wohlfühlt.
Was gab aber den Ausschlag für den SCB? «Martin Plüss und Pascal Signer haben mir aufgezeigt, wie sie mich weiterentwickeln können, was sie noch vorhaben und wie sie in der nächsten Zeit weiterarbeiten. Diese Perspektiven waren für mich sehr vielversprechend.»
Es ist eine Wiedervereinigung mit Potenzial, zumal Dionicio in den drei Jahren in Nordamerika als Sportler und als Mensch gewachsen ist. «Es war eine unglaubliche Zeit für mich. Dort konnte ich Hockey leben, mit freier Seele spielen und versuchen, jeden Tag besser zu werden», sagt der Verteidiger.

«Das war auch ein Grund, warum ich rübergehen wollte, um mich herauszufordern und in allen Bereichen zu verbessern. Ich habe das Gefühl, dass dieser Schritt mich weitergebracht hat.» Es war auch menschlich prägend, in jungen Jahren weit weg von zu Hause zu leben. Dieser Schritt brauche Mut, so Dionicio.
«Ich bin mega happy, dass ich eine Familie habe, die mich fest unterstützt und gepusht hat, um das durchzuziehen. Aber ich muss ehrlich sein: Es ist immer noch eine Juniorenliga, und man merkt, dass man nur mit anderen Gleichaltrigen Eishockey spielt. Es ist eine coole Sache, gleichzeitig kommt es darauf an, wie man damit umgeht.»
Wichtiger Halt im Glauben
Rodwin Dionicio hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er mit Herausforderungen umgehen kann. Er ist jung mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus den USA in die Schweiz gekommen, doch schon bald verliess der Vater die Familie.
In der Folge wurde Rodwin auf seinem Weg vom Stiefvater unterstützt und begleitet, spielte und trainierte zuerst in Herisau und dann in Rapperswil, ehe er mit 15 nach Bern weiterzog. Er musste einige Hindernisse überwinden und sagt, dass dies wohl immer ein Teil von ihm gewesen sei.
«Es hat mich geprägt, mit Herausforderungen umzugehen und zu erleben, dass es nicht immer einfach ist. Und dass man irgendeinen Weg suchen muss, um sich durchzusetzen und aus jedem Tag das Beste herauszuholen.»
Halt fand und findet er im Glauben. Als er als Junior in Rapperswil spielte, hatte er den Bibelvers aus Josua 1,9 auf seinen Eishockeystock geschrieben. Dort steht: «Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.»
Dieses Bibelwort ist zu einem stärkenden Begleiter im Leben des jungen Eishockeyprofis geworden. Er sagt: «Der Glaube ist mein grösster Anker, und er ist meiner Mutter zu verdanken. Ich bin dankbar, dass sie das mir und meinen Geschwistern so weitergegeben und eingeprägt hat. Das bringt mir sehr viel und hilft mir auch in schlechten Zeiten.»
Rodwin Dionicio
Nationalität: Schweiz/USA
Geboren: 30. März 2004
Grösse: 187 cm
Gewicht: 97 kg Beim
SCB seit: 2026
Vertrag bis: 2028/29
Bisherige Klubs: EHC Biel (NL), EHC Biel Spirit (U20-Elit), San Diego Gulls (AHL), Saginaw Spirit (OHL), Windsor Spitfires (OHL), Niagara IceDogs (OHL), SC Bern Future (Div. Stufen), SC Herisau (U17), SC Rapperswil Jona-Lakers (U15), EC Wil (U15)
Herausfordernd wird wohl auch die Saison in Bern. Dionicio wird in der SCB-Defensive frischen Offensivwind einbringen und gleichzeitig versuchen, die Balance zwischen offensivem Engagement und defensiver Verantwortung zu finden.
«Daran muss ich definitiv noch arbeiten, um die nächsten Schritte in meiner Karriere machen zu können», gesteht er. Dass der Weg aber stimmt, zeigt die Tatsache, dass in seinem Palmarès acht Länderspiele stehen und er zuletzt fürs Prospect-Camp der Nati aufgeboten wurde.
«Die Woche in Davos war top, ich konnte viel mitnehmen. Trainer Jan Cadieux vermittelt uns Spielern, dass es ein Privileg ist, für die Schweiz zu spielen. Das ist mega wichtig, gerade für junge Spieler.» Und wenn er in Zukunft in Bern und in der Nati glänzt, kann sich früher oder später auch sein Traum von einer NHL-Karriere erfüllen, den er nach dem Motto «sei mutig und entschlossen» verfolgt.





