Solider Start unter neuer Führung

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    Nach Olympia-Bronze startet das Schweizer Frauennationalteam mit neuer Trainerin in den nächsten Zyklus. Beim Heimturnier gelingt der Auftakt mit Rang zwei.

    Nationaltrainerin Shannon Miller.
    Nationaltrainerin Shannon Miller. - keystone

    Die Ausgangslage ist nach dem grossen Erfolg in Milano Cortina herausfordernd. Acht Jahre lang war Colin Muller der Headcoach der Schweizerinnen. Der Gewinn von Olympia-Bronze war ein Abschied mit Pauken und Trompeten, gleichzeitig hinterliess er ein schweres Erbe.

    Erschwerend kommt dazu, dass die Frauen-WM nun erstmals im Herbst – vom 6. bis 16. November im dänischen Herning – statt im April stattfindet und für die neue sportliche Führung nur wenig Zeit bleibt, um die neuen Ideen zu implementieren.

    Eine zusätzliche Challenge ist, dass der Verband im August gleichzeitig mit dem Aufgebot für das Turnier der Euro Hockey Tour in Kloten sechs Rücktritte aus der Nati vermelden musste: Die Verteidigerinnen Shannon Sigrist und Lara Christen sowie die Stürmerinnen Emma Ingold, Lena-Marie Lutz, Kaleigh Quennec und Lisa Rüedi haben ihre internationalen Karrieren nach dem Triumph in Italien beendet.

    Medaille keine Bürde

    Mit ihnen gehen Qualität und Erfahrung verloren, was die Aufgabe für die erfahrene Kanadierin Shannon Miller noch diffiziler macht. Doch Miller nimmt diese Herausforderung cool an, sieht auch die Bronzemedaille nicht als Bürde.

    Nach dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille startete das Schweizer Frauennationalteam in einen neuen Zyklus.
    Nach dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille startete das Schweizer Frauennationalteam in einen neuen Zyklus. - imago

    «Die ist nebensächlich. Egal, ob im College oder im Nationalteam, es ist jedes Jahr ein neues Team, eine neue Hierarchie und Dynamik. Sechs Spielerinnen sind zurückgetreten, es kommen deutlich jüngere nach. Das ist ein Thema, das wir angehen müssen. Das wird ein bisschen Zeit brauchen. Aber mit dem Leaderteam, das wir haben, werden wir das schaffen», erklärte sie vor ihrem ersten Turnier mit der Schweiz gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

    Sie sei sehr positiv, sehr nett, aber auch klar und direkt, beschrieb sie ihre Coaching-Philosophie. «Die Spielerinnen werden genau wissen, wo ich stehe und woran sie sind. Meine Art ist es, mit jeder Spielerin eine Beziehung aufzubauen, herauszufinden, was sie braucht, und ihr das zu geben. Ich bin ein fröhlicher Mensch, und ich denke, wir werden Spass haben», so Miller.

    Sie wolle mithelfen, ein Ökosystem aufzubauen. Dies sei wie in der Natur. Bäume brauchen Wasser, Sonne und Regen, und das ist wie U16, U18 und das Eliteteam. «Sie sind miteinander verbunden. Es muss von unten wachsen, wir ziehen alle nach oben, sodass sie auf jeder Stufe besser werden. Ich werde dann wahrscheinlich nicht mehr hier sein, aber ich will etwas erschaffen, das Bestand hat.»

    Das Ökosystem zu schaffen, heisse nicht, das zu tun, was sie sage: «Sondern alle zusammen, auch die Klubs, lernen voneinander. So schnell wie möglich, aber auch mit so viel Freude wie möglich.»

    Rückkehr nach 2817 Tagen

    Mit dem Engagement in der Schweiz ist die Kanadierin, die vor der Jahrtausendwende Nationaltrainerin ihres Heimatlandes und danach als Cheftrainerin des Universitätsteams von Minnesota (fünf Meistertitel) erfolgreich tätig war, nach einer langen Pause auf die Eishockeybühne zurückgekehrt.

    Ihr Vertrag wurde 2015 nicht mehr erneuert, und danach folgte ein langer Rechtsstreit, weil gleichzeitig drei Coaches, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebten, nicht weiterbeschäftigt wurden. Miller und ihre beiden Mitklägerinnen setzten sich schliesslich durch.

    Naemi Herzig.
    Naemi Herzig. - imago

    «Die ersten Jahre waren emotional nicht einfach, so Miller. «Ich hatte das Gefühl, etwas zu verlieren, das mir sehr viel bedeutet. Auch der Gedanke, vielleicht nie wieder zu coachen, war schwer. Gleichzeitig erlebte meine Partnerin eine ähnliche Situation, da auch sie ihren Job an derselben Universität verloren hatte. In dieser Zeit mussten wir einige Herausforderungen meistern und uns immer wieder neu orientieren. Umso schöner war es, als der Rechtsstreit schliesslich zu unseren Gunsten ausging.»

    Und umso schöner ist es, dass sie 2817 Tage nach ihrem Rücktritt bei Calgary in der kanadischen Frauen-Liga nun in Kloten mit der Schweiz ein neues Abenteuer beginnen konnte. Wobei dieser Neustart der Karriere mit einem total verpatzten Auftakt ins Heimturnier der Women’s Euro Hockey Tour erfolgte – bereits nach 47 Sekunden und durch den ersten Abschluss in diesem Spiel gerieten die Schweizerinnen in Rückstand.

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    Das Team von Shannon Miller blieb aber ruhig und siegte am Ende nach Toren von Naemi Herzig, Captain Lara Stalder und einem Doppelpack von Alina Müller mit 4:2. Es war die gelungene Premiere dieser neuen Zusammenarbeit.

    Overtime-Sieg und knappe Niederlage

    Im zweiten Spiel warteten die Finninnen auf die Schweiz, die im Abschluss lange die nötige Durchschlagskraft vermissen liess. Als die Nordländerinnen bei Spielmitte in Führung gingen, nahm Headcoach Miller Anpassungen vor und stellte Lara Stalder in die erste Linie zu Sinja Leemann und Alina Müller.

    Lara Stalder.
    Lara Stalder. - imago

    Die neue Formation sorgte sofort für mehr Druck und kreierte mehrere gute Möglichkeiten – und kurz vor Ende des Mitteldrittels erzielte Lara Stalder den verdienten Ausgleich. Im Schlussdrittel ging zuerst die Schweiz durch Leoni Balzer in Führung, dann lagen plötzlich die Finninnen mit 3:2 vorne, ehe Lara Stalder mit einem Penalty ausglich und Alina Müller in der Overtime für den Sieg sorgte.

    Zum Abschluss des ersten Turniers unter neuer Führung traf die Schweiz dann noch auf Tschechien – und verpasste nach einer 1:2-Niederlage den Turniersieg, landete mit fünf Punkten einen Zähler hinter den Schwedinnen auf Rang 2. Es war ein solider Start und eine Basis, auf der sich für die Zukunft aufbauen lässt.

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