Lausanne HC

    Stefan Rüegsegger – Unverhofftes Comeback

    Nicola Berger
    Nicola Berger

    Stefan Rüegsegger ist mit 28 zurück in der National League. Dabei hatte der Berner den Sprung gar nicht forciert.

    Stefan Rüegsegger.
    Stefan Rüegsegger. - imago

    André Rüegsegger ist vier Jahre älter als sein Bruder Stefan. Und hätte er nicht die Absicht geäussert, den Betrieb des elterlichen Bauernhofs am Dorfeingang im pittoresken Riggisberg (Geheimtipp: Die Salatsauce im «Kafi Riggi») zu übernehmen, wäre dieser Text nie entstanden.

    Weil sich in diesem Fall Stefan der Aufgabe angenommen hätte. «Dann hätte ich nicht auf die Karte Eishockey gesetzt», sagt er. Und schwärmt von einer Kindheit in der Natur, umgeben von Tieren. Auf dem Hof des SVP-Nationalrats Hans Jörg Rüegsegger lebten Pferde und Milchkühe, es gab immer etwas zu tun – nach der Schule ging es oft noch in den Stall.

    Aber für Stefan Rüegsegger hatte das Leben andere Pläne als die Landwirtschaft. Der Vater nutzte die spärliche Freizeit früher, um die erste Mannschaft des EHC Schwarzenburg zu coachen. So fanden die Söhne zum Eishockey.

    Für Stefan Rüegsegger hatte das Leben andere Pläne als die Landwirtschaft.
    Für Stefan Rüegsegger hatte das Leben andere Pläne als die Landwirtschaft. - imago

    In den Farben war die Familie getrennt: Mehrere Geschwister hatten Saisonabonnemente beim SC Bern, die Mutter war Langnau- Fan – und Stefan sympathisierte mit dem HC Davos; Andres Ambühl war sein Kindheitsidol.

    Eine bleibende Duftnote im Playoff-Final von 2025

    Und nun ist er mit 28 zurück in der National League. Die letzten fünf Jahre hatte er in der Sky Swiss League verbracht, in Diensten von Langenthal und La Chaux-de-Fonds. Er hatte dort zu den besten und produktivsten Schweizer Stürmern gehört –- und sich trotzdem grundsätzliche Gedanken gemacht. Lohnt sich das alles?

    Er erhielt in der Swiss League ein anständiges Salär, mit dem sich der Lebensunterhalt bestreiten lässt. Aber es war kaum möglich, etwas auf die Seite zu legen.

    «Es geht nicht nur um mich, sondern auch um meine Freundin und die Familie. Ich habe mir immer eine Limite gesetzt, was den Lohn angeht. Wäre die unterschritten worden, hätte ich aufgehört. Zum Glück war das nie der Fall. Aber man musste sich entscheiden: Will man sich schöne Ferien gönnen, oder lieber etwas sparen? Beides ging nicht.»

    Verfolgst du die Spiele des Lausanne HC?

    2025 verpflichtete Lausanne Rüegsegger mit einer B-Lizenz. Nach dem Saisonende mit La Chaux-de-Fonds schloss er sich dem LHC an. Und dort fand der Trainer Geoff Ward so viel Gefallen an ihm, dass er den physisch starken Flügel auch im Playoff-Final einsetzte. Der Lohn war im Dezember 2025 ein Vertragsangebot aus Lausanne über zwei Jahre.

    Was erstaunlich ist – es ist selten geworden, dass sich ein nicht in Pruntrut ansässiges NL-Team an einen SLProfi aus dem Ü-25-Segment erinnert. Rüegsegger sagt: «Es half sicher, dass mich der Trainer und der Sportchef schon kannten.

    Rüegsegger
    Die letzten fünf Jahre hatte Rüegsegger in der Sky Swiss League verbracht, in Diensten von Langenthal und La Chaux-de-Fonds. - imago

    Aber es war nicht so, dass ich mich mit aller Macht zurück in die NL drängte. Mir war es wichtig, dass ich das Vertrauen spüre, dass es einen Plan für mich gibt und ich nicht einfach der Lückenbüsser bin. Darum war es mir auch wichtig, dass es ein Zweijahresvertrag wird. Lausanne hat diesen von sich aus offeriert, das zeigt schon eine gewisse Wertschätzung.»

    Der Nachwuchschef des SCB war sein Mentor

    Sein erstes Intermezzo in der National League hatte sich in Langnau zugetragen. Mit 14 hatte er dort Unterschlupf in einer Gastfamilie gefunden. Der Athletiktrainer Nik Hess, heute Nachwuchschef des SC Bern, wurde zu einer Art Mentor – auch dank ihm entwickelte Rüegsegger die Zuversicht, dass es mit der Profikarriere klappen könnte.

    «Ich gehörte technisch nie zu den Besten. Als ich mir bei den Novizen das Wadenbein brach, entwickelte Hess einen Plan für mich, der über die Reha hinausging. Er ermunterte mich, in mich selbst zu investieren, in meinen Körper. Das hat sich gelohnt», sagt Rüegsegger.

    2021 endete das Abenteuer Langnau, nachdem die SCL Tigers und er übereinstimmend zur Einsicht gelangten, die Zusammenarbeit nicht fortzusetzen. «Es ergab schlicht keinen Sinn mehr. Ich war in einem Alter, in dem ich Spielpraxis brauchte», sagt Rüegsegger.

    Stefan Rüegsegger

    Geboren: 1. Mai 1998

    Grösse: 188 cm

    Gewicht: 81 kg

    Bei Lausanne HC seit: 2026

    Vertrag bis: 2027/28

    Bisherige Klubs: HC La Chaux-de-Fonds (SL), SC Langenthal (SL), SCL Tigers, SCL Young Tigers (diverse Stufen), HC Dragon Thun (diverse Stufen)

    Die fand er in Langenthal unter dem Coach Jeff Campbell, der heute die Elite-Junioren Gottérons trainiert. In Lausanne bewegt Rüegsegger sich wieder fernab des Scheinwerferlichts – er ist ein klassischer Viertlinienstürmer, ein Energielieferant mit dosierter Eiszeit.

    Manchmal besitzt Rüegsegger fast zu viel Tatkraft für diese Rolle – er ist es nicht gewohnt, als Bauernsohn ist einem das fremd: herumzusitzen. Als Ausgleich geht es manchmal immer noch nach Hause, auf den Hof, aber die Besuche sind seltener geworden. Rüegsegger sagt: «Ich musste lernen, dass der Körper auch mal Ruhe braucht.»

    Tigers
    2021 endete das Abenteuer Langnau, nachdem die SCL Tigers und er übereinstimmend zur Einsicht gelangten, die Zusammenarbeit nicht fortzusetzen. - imago

    So ist das als Profi-Athlet: Man bringt gewisse Opfer. Sie sind leichter zu ertragen, wenn es der Mannschaft läuft. Lausanne wartet noch immer auf den ersten Titel der Klubgeschichte. Ob es nach den verlorenen Finals von 2024 und 2025 gegen den ZSC im kommenden Frühjahr so weit sein wird?

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