Andrea Glauser: Heimkehr als Nati-Captain

Frank Stettler
Frank Stettler, SLAPSHOT

Unglücklich mit seiner Rolle bei Gottéron zog Verteidiger Andrea Glauser einst aus, um dringend benötigte Spielpraxis zu sammeln. Nun ist er zurück in Freiburg.

Andrea Glauser
Andrea Glauser ist bei HC Fribourg-Gottéron seit 2025. - imago

Jetzt ist er also zurück bei Gottéron. Zurück bei seinem Stammklub, der ihm vor gut zehn Jahren nicht die erhofften Perspektiven geboten hatte. «Ich bin einer von hier, mein Herz bleibt in Freiburg», erklärte der damals 21-jährige Andrea Glauser, als publik wurde, dass er sich ab der Saison 2018/19 den SCL Tigers anschliessen würde.

Der aufstrebende Verteidiger haderte mit der beschränkten Eiszeit, die ihm Headcoach Mark French gewährte, und war überdies wenig angetan davon, dass ihn der damalige Gottéron-Sportchef Christian Dubé das Jahr zuvor in die Swiss League geschickt hatte. Folglich entschied sich Glauser für einen Tapetenwechsel.

Im Emmental wurde dem Düdinger eine wichtigere Rolle zugesagt. Für Glauser war es das ideale Pflaster, um sich weiterzuentwickeln. In Langnau konnte der heute 29-jährige «Glausi» sein Potenzial rasch entfalten. Alsbald wurde er zu einem dominierenden Back der Liga, was nach seinen drei Lehrjahren im Emmental auf dem Transfermarkt Begehrlichkeiten weckte.

Das Rennen machte schliesslich der finanziell potente Lausanne HC, bei dem der Aufstieg des Freiburgers ungebremst voranging. In der Waadt konsolidierte Glauser seinen Status als Nationalspieler. Mehr noch, im Dispositiv von Trainer Patrick Fischer wurde er zu einer festen Grösse.

Andrea Glauser
Nach Lehrjahren in Langnau und Lausanne ist Andrea Glauser zurück in Freiburg – als gestandener Nationalspieler und Teamleader. - imago

Als etwa Captain Nico Hischier an der WM des vergangenen Frühlings verletzungsbedingt nicht mehr mitmachen konnte, spielte fortan Glauser mit dem «C» auf der Brust. Es war der Ritterschlag für den bescheidenen Sensler.

Der Plan ging auf

Ehemals davongezogen, um mehr Spielminuten zu erhalten, kehrte Glauser als Nati-Captain zu Gottéron zurück. Der Kontrast könnte kaum grösser sein. «Ich hatte die Chance, in Langnau viel spielen zu können. Dafür bin ich sehr dankbar», sagt der Freiburger. Es sei für ihn klar gewesen, dass er Spielpraxis benötige, wenn er besser werden wolle.

«Ob acht oder 16 Minuten in einem Spiel, das sind fast wie zwei Saisons in einer. Zum Glück ist der Plan aufgegangen.» Es habe zwar immer wieder Momente gegeben, in denen er gezweifelt habe. Der Aufstieg Glausers ging aber auch in Lausanne unvermindert weiter – obwohl er mit anderen Erwartungen bezüglich seiner Rolle beim LHC unterschrieben hatte.

«Ich dachte, ich könne offensiver spielen. Dann aber haben die Ausländer, Frick oder Genazzi das Powerplay geführt. Also versuchte ich, insbesondere defensiv alles zu geben und so der Mannschaft Stabilität zu verleihen. Es hat sich gelohnt, ich wurde Schritt für Schritt besser», sagt Gottérons Nummer 96, die sich so als noch besserer Defensiv-Back in der Liga etablieren konnte.

«Und schliesslich bekam ich auch in Überzahl noch meine Chance. Meist in den Playoffs.» Nach zwei verlorenen Finals gegen die ZSC Lions kehrte Glauser auf diese Saison hin zu seinem Stammverein zurück. «Das war definitiv immer ein Wunsch von mir. Aber im Sport weiss man nie, was morgen sein wird.»

Andrea Glauser
Andrea Glauser kehrt zu Fribourg zurück. (Archivbild) - keystone

Verletzungen etwa könnten einen vom Weg abbringen, so der Verteidiger. Oder ein Wechsel ins Ausland. So waren etwa die New York Islanders vor seiner Unterschrift in Freiburg am Nationalspieler interessiert. Konkret wurde das Interesse dann aber schliesslich nicht. «Jetzt bin ich froh, dass es mit Gottéron geklappt hat.»

Die Rückkehr in heimische Gefilde sei nicht zuletzt eine Familienentscheidung gewesen. «Früher, als ich noch nicht verheiratet war und keine Kinder hatte, war der Freiraum sicherlich grösser. Heute kann ich nur dann mein bestes Eishockey zeigen, wenn ich weiss, dass meine Familie glücklich ist.»

Nie zufrieden

Sportlich gesehen war der Einstieg Glausers bei Gottéron nicht optimal. Bereits im zweiten Saisonspiel – ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Lausanne – verletzte er sich. Von einem Schuss Erik Brännströms getroffen, brach sich Glauser einen Finger. Gut eineinhalb Monate musste der Königstransfer der Freiburger pausieren, ehe er wieder ins Spielgeschehen eingreifen konnte.

Selbstredend benötigte es eine gewisse Zeit, bis Glauser sein übliches Rendement erreichte. Inzwischen ist er wieder der dominierende Spieler, den man erwartet. Sein Spieleinfluss manifestiert sich nicht zwingend über Tore und Assists, vielmehr machen ihn sein solides Defensivspiel, seine Kämpfermentalität und seine Erfahrung zu einem Eckpfeiler im Freiburger Dispositiv.

Andrea Glauser
Sportlich gesehen war der Einstieg Glausers bei Gottéron nicht optimal. (Archivbild) - keystone

Messen lässt sich der Einfluss von Glauser auf das Spiel von Gottéron auch statistisch. Ohne ihren besten Schweizer Verteidiger holten die Freiburger im Schnitt 1,7 Punkte pro Partie, mit Glauser sind es etwas über zwei Punkte. «Ihn auf dem Eis zu haben, verleiht dem Team und mir während des Spiels sicher noch mehr Zuversicht», sagt deshalb auch Trainer Roger Rönnberg.

«Trotzdem kann ich nicht zufrieden sein. So bin ich nun einmal», antwortet Glauser auf die Frage, ob er mit seinen Leistungen glücklich ist. «Zufrieden wäre ich erst, wenn ich kein Tor erhalten würde – auch nicht im Penalty Killing – und am besten auch noch eines schiessen würde. Und wenn wir Tabellenführer wären. Zufrieden darfst du nie sein.»

Die hohen eigenen Ansprüche stehen Glauser zuweilen im Weg. «Ich hatte zuerst Mühe, meinen Platz im Team zu finden. Ich wollte der Mannschaft zu sehr helfen, und dann kam die Verletzung hinzu.» Er habe sich dann mit Nationaltrainer Fischer und anderen Ansprechpartnern ausgetauscht, die ihm erklärten, dass es diese Hilfe gar nicht brauche.

«Sie sagten mir, dass ich mich zuerst auf mich selbst konzentrieren solle, dann komme der Rest von ganz alleine.» Ein wichtiger Schritt in diesem Prozess sei die Teilnahme am Spengler Cup gewesen. «Das Turnier in Davos hat mir viel geholfen. Dort habe ich meine Gelassenheit wiedergefunden.»

Schaust du Eishockey?

Diese trägt dazu bei, dass er seine Leaderrolle ausfüllen kann. «Obwohl ich zuletzt an der WM Captain war, laufe ich nicht in eine neue Kabine hinein und denke, dass ich der Chef bin. Jeder Spieler hat seine Stärken und Schwächen. Meine Qualität ist, dass ich immer alles gebe. Ich versuche so, die anderen mitzuziehen.»

In der Kabine von Gottéron würden viele andere wie Sandro Schmid, Jacob de la Rose oder sein Schwager Christoph Bertschy Führungsaufgaben übernehmen, so Glauser. «Jeder Einzelne gibt Gas, ob er ein Tor schiesst oder nicht. So einer bin ich auch.» Und wenn er in der Garderobe was zu sagen habe, «dann scheue ich mich nicht, auch mal das Wort zu ergreifen».

Genug Finals verloren

Das sei beim LHC nicht anders gewesen, mit dem er zuletzt zweimal um den Meistertitel spielen konnte. Machte Glauser ähnliche Dynamiken zwischen seinem ehemaligen Team und Gottéron aus? «Das ist schwierig zu sagen, jede Meisterschaft ist anders. Vorletzte Saison hatten wir zu Beginn Mühe, fanden dann zu unserem Spiel und fuhren wie ein Zug in den Final», blickt der Sensler zurück.

Vergangene Saison sei es noch krasser gewesen, weil sich viele wichtige Spieler verletzt hätten. «In den Playoffs sind wir dann aber alle noch näher zusammengerückt. Das müssen wir jetzt auch.» Sorgen, dass dem nicht so sein wird, macht er sich keine. «Jeder geht für den anderen. Das ist das Wichtigste, das es für den Erfolg benötigt.»

Überdies schätzt Glauser die Tatsache, dass Rönnberg konsequent auf vier Linien setzt, die alle intensives Eishockey zeigen können. «Dadurch können wir Kräfte sparen.» Offen lässt er die Frage, ob das für Gottéron reicht, um bis ganz zum Ende gehen zu können.

Andrea Glauser

Geboren: 3. April 1996

Grösse: 182 cm

Gewicht: 86 kg

Stock: rechts Bei

HC Fribourg-Gottéron seit: 2025

Vertrag bis: 2032

Bisherige Klubs: Lausanne HC (NL), SCL Tigers (NL), HC Thurgau (NLB), HC Ajoie (NLB)

«Da sprechen Sie mit dem Falschen», schmunzelte Glauser, der in den letzten zwei Jahren mit Lausanne und der Schweizer Nationalmannschaft gleich vier Finals verloren hat. «Nach jedem verlorenen Final dachte ich, dass ich was daraus … Scherz beiseite, jeder Final ist anders, aber dennoch irgendwie gleich. Am Ende sind es kleine Details, die eine Serie oder ein Endspiel entscheiden.»

Schon länger auf sicher, die Regular Season in den Top 6 zu beenden, blieb ihm genug Zeit, um sich auf die entscheidende Meisterschaftsphase vorzubereiten. «Den besten Glauser brauchen wir in den Playoffs», sagt Coach Rönnberg. Dass Glauser mit seiner Intensität dieser Forderung gerecht wird, daran zweifelt in Freiburg niemand.

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