EHC Biel – Fabio Hofer: «Ich fühle mich als halber Schweizer»

Phillipp Rindlisbacher
Phillipp Rindlisbacher

Fabio Hofer gehört beim EHC Biel seit 2020 zu den Leistungsträgern. Der 35-Jährige spricht im Interview über Heimweh und die Vorteile seiner Schweizer Lizenz.

SLAPSHOT Fabio Hofer Biel
Der österreichische Eishockeyspieler Fabio Hofer steht seit Juli 2020 beim EHC Biel unter Vertrag. - IMAGO / Sergio Brunetti

SLAPSHOT: Fabio Hofer, nächsten Frühling findet die WM in der Schweiz statt, das österreichische Nationalteam spielt so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Warum also werden Sie als Leistungsträger in der National League nicht mit dabei sein?

Fabio Hofer: 2019 nahm ich in der Slowakei letztmals an einer WM teil, wir stiegen ab, aber deswegen bin ich danach nicht aus dem Nationalteam zurückgetreten.

Ein Jahr später kam meine Tochter zur Welt, und für mich war immer klar, dass ich keine Länderspiele mehr absolvieren werde, wenn ich Vater bin.

Die Familie hat höchste Priorität, und meine wenige freie Zeit während und nach der Saison gehört ihr.

SLAPSHOT: Hat Nationaltrainer Roger Bader nie versucht, Sie umzustimmen?

Hofer: Doch, immer wieder. Vor ein paar Wochen hat er mich wieder angerufen und gefragt, ob ich es mir anders überlegt habe – er hätte mich am Deutschland-Cup im November gerne im Team gehabt.

Fabio Hofer EHC Biel
Fabio Hofer spielt beim EHC Biel auf der Position des rechten Flügelstürmers. - PostFinance/KEYSTONE/Peter Klaunzer

Sein Interesse finde ich sehr nett und ist ein Zeichen der Wertschätzung, aber mein Entscheid steht zu 100 Prozent. Auch wenn ich an meine vier WM-Turniere tolle Erinnerungen habe.

SLAPSHOT: Zum Beispiel?

Hofer: Das Turnier 2018 in Kopenhagen war genial, das Niveau war enorm hoch, wir schafften als Aufsteiger den Klassenerhalt. Aber auch die beiden B-Weltmeisterschaften mit Spielen gegen Mannschaften wie Japan oder Südkorea waren prägend.

Das Zuschauerinteresse war eher gering, die Turniere waren längst nicht so professionell organisiert wie auf höchster Ebene. Aber eben, den Rücktritt habe ich nie bereut.

Ich wohne in Biel, meine Familie lebt nach wie vor in Vorarlberg – wir sind schon genug lang voneinander getrennt.

SLAPSHOT: Spüren Sie oft Heimweh?

Hofer: Es ist nicht immer einfach. Meine Kinder sind erst fünf und drei Jahre alt, wie mit meiner Frau möchte ich auch mit ihnen so viel Zeit wie möglich verbringen.

Wenn es geht, fahre ich heim nach Lustenau, zum Glück sind es nur rund drei Stunden pro Weg. Ab und zu kommt meine Familie auch nach Biel. Vor allem am Anfang war es eine schwierige Situation für mich, ich musste erst lernen, die Situation zu akzeptieren.

Aber irgendwann wird meine Zeit hier enden und ich werde nach Österreich zurückkehren. Die Kinder sollen dann nicht aus ihrem Umfeld herausgerissen werden.

SLAPSHOT: Sie spielten zwei Saisons für Ambrì und nun schon seit 2020 in Biel …

Hofer: …aber schon als Junior nahm ich mit Dornbirn an der Schweizer Nachwuchsliga teil, das erste Mal auf U12-Stufe.

Fabio Hofer Biel
Der rechte Flügelstürmer (2. v. l.) ist bekannt für seine Dynamik und Torgefährlichkeit. - PostFinance/KEYSTONE/Georgios Kefalas

Für uns Österreicher war das ein riesiger Vorteil, einerseits vom Niveau her, das hier deutlich höher ist, andererseits hätten etwa Auswärtsfahrten nach Wien oder Graz viel länger gedauert.

Ich fühle mich schon als halber Schweizer (lacht).

SLAPSHOT: Ist Ihre Schweizer Lizenz ein Segen?

Hofer: Sicher, davon habe ich stark profitiert. Ich wurde zwar mit Salzburg Meister und buchte später in Linz etwa einen Punkt pro Spiel in der höchsten österreichischen Liga.

Aber als «echter» Ausländer wäre es enorm schwierig gewesen, hier einen Platz zu bekommen, die Schweizer Klubs fokussieren sich eher auf Kanadier, Schweden oder Finnen.

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In der Schweizer National League spielte Fabio Hofer unter anderen für den HC Ambrì-Piotta und den EHC Biel. - Stephan Bögl

Aber ich habe in der Schweiz in jeder Saison mindestens zehn Tore erzielt – es hat mich gefreut, dass einige Journalisten geschrieben haben, ich hätte in gewissen Phasen auch eine Ausländerlizenz gerechtfertigt.

SLAPSHOT: In der National League spielen neben Ihnen weitere starke Österreicher mit einer Schweizer Lizenz, etwa Dominic Zwerger, Benjamin Baumgartner und Vinzenz Rohrer. Ist der Anreiz gross, die Heimat zu verlassen?

Hofer: Wer ein Angebot aus einer guten Liga hat, sollte es unbedingt annehmen – zurückgehen kann man immer.

Die Löhne in Österreich sind in Ordnung, in der Schweiz aber sind sie natürlich auf einem anderen Niveau. Die Liga hier ist auch deutlich stärker, das Spiel ist schneller, man hat mit der Scheibe weniger Zeit.

Fabio Hofer Biel Schweiz
Das Spiel in der Schweizer Liga sei deutlich schneller als in Österreich, findet Fabio Hofer. - PostFinance/KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi

Es sind nicht nur drei Teams richtig stark, mehr als die halbe Liga kann Meister werden.

SLAPSHOT: Pflegen Sie hier den Kontakt zu den anderen Österreichern?

Hofer: Mit Dominic Zwerger telefoniere ich sicher einmal pro Woche, wir schreiben uns auch fast jeden Tag. Er kommt ebenfalls aus Vorarlberg, wir sind in der Nähe voneinander aufgewachsen. Er ist ein guter Freund.

SLAPSHOT: Zu Ihren Freunden gehörte auch Goalie Florian Janny, mit dem Sie in Linz zusammenspielten. 2019 wurde er im Rahmen eines Eifersuchstsdramas erschossen. Wie haben Sie das verarbeitet?

Hofer: Ich war total geschockt und wollte es nicht wahrhaben. Es war ein Fünffachmord, solche Sachen hört man sonst doch nur aus anderen Ländern. Es dauerte lange, bis ich die Geschehnisse ablegen konnte.

Ich kannte Florian gut, in Linz hatten wir sogar einen Gemeinschaftsgarten. Der Gedanke an ihn schmerzt noch immer.

SLAPSHOT: Ihr Vertrag in Biel läuft bis 2028. Ist denkbar, dass Sie Ihre Karriere im Seeland beenden werden?

Hofer: Ich bestreite hier schon meine sechste Saison. Bei Vertragsende werde ich 37 sein – bin ich dann noch fit und spiele auf gutem Niveau, wird eine Verlängerung vielleicht nochmals zum Thema.

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Beim EHC Biel steht Fabio Hofer noch bis Ende Juni 2028 unter Vertrag. - IMAGO / Pavo-Fotografie / SP

Ich mag die Stadt, der Klub ist für mich zur zweiten Heimat geworden. Nur mit dem Französischlernen hat es nicht geklappt, das ist kompliziert für einen Österreicher (lacht).

SLAPSHOT: Biel stand 2023 im Playoff-Final, nur ein Sieg fehlte zum Meistertitel. Trauern Sie jener siebten Partie in Genf noch immer nach?

Hofer: Nein. Bei mir hat immer der Stolz über das Erreichte dominiert. Ich habe meine Silbermedaille auch gerne mit nach Hause genommen und sie nicht einfach in eine Ecke geschmissen.

Klar, vielleicht war es eine einmalige Chance, aber wir hätten einfach ein wenig mehr Glück benötigt. Jetzt haben wir eine junge Mannschaft und sind noch zu wenig konstant. In unserem Spiel gibt es zu viele Ausreisser nach unten.

SLAPSHOT: Machen Sie sich Gedanken über die Zeit nach dem Eishockey?

Hofer: Auf jeden Fall. Und ich rate das auch jedem Profi. Keiner sollte blind in die zweite Karriere marschieren, schliesslich wird fast jeder aus finanziellen Gründen eine solche brauchen.

An der Fernuniversität studiere ich Betriebswirtschaftslehre, bald werde ich das Studium abschliessen. Eine Trainerlaufbahn plane ich nicht, obwohl schon diverse Vereine aus Österreich Interesse deponiert haben.

Über Fabio Hofer

Nationalität: Österreich. Geboren: 23. Januar 1991. Grösse: 170 Zentimeter. Gewicht: 75 Kilogramm. Stock: rechts. Beim EHC Biel seit: 2020. Vertrag bis: 2028.

Bisherige Klubs: HC Ambrì-Piotta, Black Wings Linz (EBEL), EC Salzburg (EBEL), EC Dornbirn (Austria2).

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