Dieter Aeschimann: «Wir verfallen nicht so schnell in Panik»

Für die Rückkehr zu den SCL Tigers gab Dieter Aeschimann seinen guten Job bei einer Grossbank auf. Als Geschäftsführer hat er sich nicht zuletzt die Stadionerweiterung zum Ziel gesetzt.

Der 56-jährige Dieter Aeschimann spricht mit Slapshot über die Einladung an den Spengler Cup und die Langnauer Legende Todd Elik.
SLAPSHOT: Dieter Aeschimann, was macht Langnau besser als die Konkurrenz?
Dieter Aeschimann: Ich weiss nicht, ob wir etwas besser machen. Aber wir haben einen klaren Plan, versuchen unser Geld bestmöglich einzusetzen und legen Wert auf Kontinuität.
Wir verfallen nicht so schnell in Panik, lassen auch mal einen Fehler zu und lernen daraus. Auf allen Positionen arbeiten Experten, teils tun sie das schon ziemlich lange. Das Vertrauen ineinander ist sehr ausgeprägt.
SLAPSHOT: Auffällig ist, dass viele Mitarbeiter einen starken Emmental-Bezug aufweisen, etwa aus der Gegend kommen oder einst gar für Langnau gespielt haben.
Aeschimann: Das hilft, wenn es darum geht, sich mit dem Klub zu identifizieren und die berühmte Zusatzmeile zu laufen. Es geht bei uns nicht um den grossen Lohn, aber jeder Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle weiss, welch enorme Bedeutung der Verein für die ganze Region Emmental und Entlebuch besitzt.
Es ist Jahr für Jahr ein Kampf, uns in dieser starken Liga zu behaupten. Keiner erachtet es als selbstverständlich.

SLAPSHOT: Nur Ajoie hat das kleinere Budget als die SCL Tigers, dennoch gehört der Klub abermals zum hinteren Ranglistenmittelfeld …
Aeschimann: … es ist das Ergebnis der stark verbesserten Leistungskultur, die seit der Anstellung von Trainer Thierry Paterlini und Leiter Sport Pascal Müller 2022 eingekehrt ist.
Wir stehen für unsere Werte wie Bodenständigkeit, Demut und Nahbarkeit, aber wir wollen auch die Grossen ärgern, die Zürcher, Berner, Genfer, Lausanne oder Lugano. Wir sind nicht nur einfach so dabei, sondern wollen immer gewinnen, jedes Heimspiel soll ausverkauft sein – das ist unser Ziel.
SLAPSHOT: Ist überhaupt noch viel mehr möglich, finanziell und sportlich?
Aeschimann: Letztes Jahr betrug die Stadionauslastung 96 Prozent. Wäre jede Partie, sämtliche Werbeflächen und auch die Gastronomieabteilung immer ausverkauft gewesen, hätten wir noch etwa 400'000 Franken zusätzlich verdienen können. Wir bewegen uns also sehr nahe am Optimum. Und wir leben stark von den Zuschauereinnahmen.
Potenzial haben wir sicher im Bereich der Gönnerorganisation, da ist uns der Grossteil der Konkurrenz weit voraus. Aber da aufzuholen, geht nicht von heute auf morgen.
SLAPSHOT: Ist die Stadionerweiterung unumgänglich?
Aeschimann: Wir wollen und brauchen mehr Sitzplätze. Im Dezember errichteten wir 70 zusätzliche Sitzplätze, sie fanden sofort Abnehmer, die Nachfrage ist gross. Auf der Westseite des Stadions möchten wir nochmals 250 Sitz- und 100 Stehplätze errichten, eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben worden.
Der erste Kostenvoranschlag war deutlich zu hoch, im ersten Quartal 2026 dürften wir neue Ergebnisse erhalten. Im Idealfall könnten wir pro Saison zusätzlich rund 500'000 bis 600'000 Franken einnehmen.
SLAPSHOT: Erstmals für die Tigers gearbeitet hatten Sie zwischen 2001 und 2003. Warum kehrten Sie im Frühling 2024 zurück?
Aeschimann: Weil der Klub für mich eine Herzensangelegenheit ist. Ich bin jetzt 56, vor zwei Jahren fragte ich mich, was ich in meinem Leben beruflich noch tun und erreichen möchte. Meine Frau sagte mir dann, sie habe mich nie glücklicher erlebt, als während der Zeit in Langnau.
Ich sei damals zwar selten zu Hause gewesen, aber immer mit einem Strahlen im Gesicht heimgekommen. Als sich die Chance ergab und bei den Tigers eine Stelle frei wurde, habe ich mich ganz normal beworben.
SLAPSHOT: Wieso fasziniert Sie dieser Klub?
Aeschimann: Ich bin in Münsingen aufgewachsen. In der Klasse gab es 28 Schüler, 25 waren für den SC Bern, die anderen drei für Langnau. Einer davon war ich, ein anderer ist mit seiner Firma heute Helm-Sponsor bei uns (lacht).
Mein erstes Eishockeyspiel war 1980 Langnau gegen das damals grosse Arosa, ich war völlig gefesselt vom Verein, meine Mutter musste mir danach eine Mütze stricken mit dem Tiger-Logo drauf.
SLAPSHOT: Sie arbeiteten zuletzt als Bankier. Gibt es Parallelen zur Arbeit als Geschäftsführer eines Eishockeyklubs?
Aeschimann: Ob Bank oder Sportverein – es sind beides Wirtschaftsunternehmen, die sich im Markt behaupten müssen. Wie früher auf der Bank pflege ich jetzt viele Kundenkontakte, die Kommunikation ist wichtig und in beiden Branchen sollte der Mensch zwingend im Zentrum stehen.
Bei den SCL Tigers ist die Arbeit noch etwas vielfältiger, zudem habe ich mehr unternehmerische Freiheiten. Und natürlich bietet der Sport intensivere Emotionen. Für mich fühlt es sich an, als hätte ich mein Hobby zum Beruf gemacht.
SLAPSHOT: Wie hat sich die Organisation seit Ihrer ersten Zeit im Emmental entwickelt?
Aeschimann: Das sind zwei verschiedene Welten! Es hat sich wahnsinnig viel verändert. Zu Beginn des Jahrtausends hatten die Spieler noch nicht einmal Pulsuhren, wir testeten im Sommertraining mal eine. Und heute? Haben wir eine hochmoderne Athletikhalle und die besten Möglichkeiten im Bereich der Leistungsdiagnostik.

Wir sind auf der Geschäftsstelle zwar nach wie vor nicht breit aufgestellt, aber damals gab es nur den Geschäftsführer, einen Sportchef, jemand fürs Ticketing und noch eine Person für die Buchhaltung. Es ist alles grösser geworden.
SLAPSHOT: Wie meinen Sie das?
Aeschimann: Vor 20, 25 Jahren kam einmal in der Woche ein Journalist vorbei und wir waren froh, wenn ein Bericht in der Zeitung erschien. Heute wird von uns erwartet, dass wir in den sozialen Medien täglich eine Geschichte liefern. Während meiner ersten Zeit in Langnau verkauften wir rund 2800 Saisonkarten, nun sind es 4200.
Früher war es ein einziger Überlebenskampf, es brauchte Kapitalerhöhungen und im Lokalradio riefen wir sogar zur Sammelaktion auf. Wir wussten phasenweise nicht, wie wir die nächste Saison finanzieren sollten. Seit Präsident Peter Jakob mit seinem Verwaltungsrat das Ruder in die Hand genommen hat, ist der Verein gesund geworden.
SLAPSHOT: Sie galten damals als Manager, der den Klub modernisieren und national verankern wollte. Was bei den traditionellsten Emmentalern nicht nur gut ankam …
Aeschimann: … wir probierten vieles aus, in der finanziellen Not blieb uns auch gar nichts anderes übrig. Es brauchte Veränderungen. Wir haben schon damals im Stadion bauliche Anpassungen vorgenommen, viele rümpften deswegen die Nase, am Schluss aber ging der Plan auf.
So ist es heute wieder. Wir müssen mit der Zeit gehen und gewisse Dinge wagen. Auch wenn nicht alles aufgehen wird.
SLAPSHOT: Welche Erinnerungen haben Sie an die Langnauer Legende Todd Elik?
Aeschimann: Wir hatten ein super Verhältnis. Todd kehrte damals zu uns zurück, es war faszinierend, wie er das Publikum begeistern und für sich gewinnen konnte. Todd wurde von den Fans geliebt. Einmal rief eine Frau im Sekretariat an und sagte, sie habe gesehen, wie Todd in der blauen Zone parkiert habe.
Nun würde dort gerade eine Kontrolle durchgeführt, aber im Wagen habe es keine Parkscheibe – wir sollten ihn doch bitte sofort warnen (lacht). Neben dem Eis gab es von Todd natürlich die eine oder andere Eskapade, aber was genau passiert ist, habe ich vergessen (lacht). Alles in allem verhielt er sich sehr professionell.
SLAPSHOT: Die SCL Tigers werden in der Altjahrswoche 2026 erstmals am Spengler Cup teilnehmen dürfen. Was bedeutet die Einladung für den Klub?
Aeschimann: Es ist eine gewaltige Ehre. Und natürlich kann es auch bezüglich der Vermarktung eine Chance sein. Das Turnier wird in der ganzen Schweiz beachtet, ja vielmehr noch, es wird in über 30 Länder übertragen, wie ich gehört habe.
Dieter Aeschimann
Geboren: 12. Mai 1969
Mein Lieblingsspieler: Martin Gerber
Mein Lieblingsgegner: SC Bern
Gefürchtester Gegner: HC Ajoje
Mein SCL-Wunsch für die Saison 2025/26: Play-Offs
Mit der Teilnahme werden wir wohl nochmals eine attraktivere Adresse. Und für die Fans ist es eine tolle Sache: Ich bin sicher, dass viele Cars aus dem Emmental und dem Entlebuch nach Davos fahren werden.
SLAPSHOT: 2026 jährt sich der einzige Langnauer Meistertitel zum 50. Mal. So verwegen es klingen mag: Träumen Sie manchmal vom Meistertitel?
Aeschimann: Es klingt abgedroschen, aber unser Ziel ist es, jeden Tag besser zu werden. Letztes Jahr fehlte sehr wenig, und wir hätten es schon mal in den Halbfinal geschafft. Wir haben eine fantastische Infrastruktur mit dem Campus und eine tolle Basis in der ganzen Region im Hockey Country mit 690 Kindern in 44 Teams.
Im Sport gibt es immer wieder wahnsinnige Aussenseiter-Geschichten, Leicester hat die Premier League gewonnen, Thun führt die Super League an. Wieso sollten auch wir nicht noch stärker über uns hinauswachsen?





