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Overtime: Marc Lüthis Abgang hinterlässt beim SC Bern grosses Vakuum

Nicola Berger
Nicola Berger

28 Jahre lang war Marc Lüthi das Gesicht des SC Bern, jetzt zieht er sich zurück. Auf seinen Nachfolger wartet die schwierige Aufgabe, Lüthis Erbe zu verwalten.

Marc Lüthi SC Bern
Nach 28 Jahren verlässt Marc Lüthi den SC Bern. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Marc Lüthi tritt beim SCB komplett zurück, Jürg Fuhrer wird sein Nachfolger als CEO.
  • Damit hinterlässt er ein grosses Machtvakuum, sagt Hockey-Experte Nicola Berger.

Die emotionalen Ausbrüche von Marc Lüthi waren legendär. Den Coach Larry Huras entliess er einst im Kabinengang, einmal wies er die Belegschaft nach einer Partie an, die Schiedsrichter nicht zu verpflegen.

In der Kabine wackelten nach besonders schmählichen Niederlagen manchmal die Wände, wenn Lüthi sich das Team zur Brust nahm.

Wirst du Marc Lüthi beim SCB vermissen?

Knallhart, aber ein gutes Herz

Der ehemalige Tele-Bärn-Moderator Lüthi hat den SCB fast drei Jahrzehnte lang geprägt, aber sein Wirken lässt sich nicht nur auf sechs Meistertitel reduzieren. Ohne ihn gäbe es den Klub in der heutigen Form nicht.

Es ist sein Verdienst, dass der SCB 1998 nicht im Konkurs versank. Er gab der Organisation eine Linie vor, eine DNA, die lange ein existenzieller Teil des Berner Erfolgsgeheimnisses war.

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Marc Lüthi umarmt SCB-Präsident Carlo Bommes bei der Medienkonferenz am Montag. - keystone

Lüthi war ein meinungsstarker Lautsprecher. Knallhart in der Sache, aber gesegnet mit einem guten Herz und der selten gewordenen Qualität, Kritik einstecken zu können.

Manchmal hat er dem Klub in den letzten Jahren mit seinen ruckartigen Meinungswechseln geschadet, etwa bei der überhasteten Trennung von Raeto Raffainer im April 2024.

Bei der Anstellung von Raffainer hatte Lüthi seinen Posten als CEO schon einmal abgegeben. Jetzt soll der Abgang per Saisonende definitiv sein, mit 64.

«Dauert bei altem Sack etwas länger»

2022 erlitt Lüthi eine Hirnblutung und musste sich danach am Herz operieren lassen. Der Rückzug bedeutet auch: Weniger Stress.

An der Medienkonferenz am Montag sagte er: «Ich habe in den Gesprächen mit dem Verwaltungsrat zunehmend gespürt, dass ich für die längerfristige Zukunft nicht der richtige Mann bin. Es dauert bei einem alten Sack manchmal etwas länger, das zu realisieren. Aber jetzt ist wirklich die Zeit gekommen, mich ganz beim SCB zurückzuziehen.»

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SCB-CEO Marc Lüthi tritt ab. - Nau.ch

Mit Lüthis Abgang entsteht im Klub ein Machtvakuum. Wobei gesagt werden muss, dass Lüthis Einfluss in den letzten Jahren kleiner geworden ist.

Der Verwaltungsratspräsident Carlo Bommes, der Sohn des legendären ehemaligen Präsidenten Fred Bommes, war zuletzt stark ins Tagesgeschäft involviert – die Anstellung des Sportdirektors Martin Plüss war in erster Linie sein Entscheid.

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Marc Lüthi im Jahr 2004. - keystone

Die Besitz- und Machtstrukturen im SCB haben etwas Undurchsichtiges, es gibt viele Leute, die mitreden. Als Beispiel: Es gibt Beobachter rund um den Klub, die behaupten, Philippe Gaydoul, der ehemalige Besitzer des EHC Kloten, habe nicht wenig Einfluss.

Hält Fuhrer die Mitbesitzer bei Laune?

Es wird eine der wichtigsten Aufgaben von Lüthis Nachfolger Jürg Fuhrer sein, alle Mitbesitzer bei Laune zu halten. Der Unternehmer Fuhrer ist seit zwei Jahren SCB-Verwaltungsrat und verantwortete unter anderem die Bereiche Finanzen und Gastronomie.

Jürg Fuhrer SCB
Jürg Fuhrer übernimmt beim SCB das Amt des CEO. - keystone

Fuhrer tritt seine CEO-Position per 1. Mai an und wird sich auch überlegen müssen, wie der SCB sich finanziell weiterentwickeln kann. Die lange so erfolgreiche Strategie, den Sportbetrieb mit einem weit verästelten Netz an Gastronomiebetrieben zu unterfüttern, stiess zuletzt an ihre Grenzen.

Klubs mit Mäzenatentum überflügelten den SCB bei den zur Verfügung stehenden Mitteln und auch sportlich – seit dem letzten Meistertitel unter dem Coach Kari Jalonen von 2019 hat der Klub keine einzige Playoff-Serie mehr gewinnen können und auf dem Transfermarkt einige schmerzliche Niederlagen erlitten.

Zum Autor

Nicola Berger berichtet seit über einem Jahrzehnt über das Geschehen rund um das Eishockey. Seit Neuestem schreibt er im Format «Overtime» über die National League und die Hockey-Nati.


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Kommentare

User #5030 (nicht angemeldet)

Die Postfinanz Arena bittet in etwa den selben Komfort wie die Reitschule!

User #4324 (nicht angemeldet)

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