Rapperswil-Jona Lakers – Captain Dünner: «Bei uns ist es familiär»

Nico Dünner verlängert vorzeitig bei den Rapperswil-Jona Lakers. Der Captain erklärt, was den Club zu einer Familie macht. Und welche Saisonziele er hat.

Das Wichtigste in Kürze
- Lakers-Captain Nico Dünner verrät, wieso er seinen Vertrag im August vorzeitig um zwei Jahre verlängert hat.
- Der 32-Jährige erzählt zudem, wie es bei den Lakers hinter den Kulissen abläuft.
- Sein Vorhaben: Im Februar will er noch von den Playoffs träumen können.
Morgentraining in der St.Galler Kantonalbank-Arena. Die Rapperswil-Jona Lakers holen nach einem ereignisreichen Saisonstart Luft.
Headcoach Johan Lundskog gönnt seinen Spielern eine Übungseinheit von dosierter Intensität – im Wissen, dass schon in der ersten Saisonphase ein dicht befrachtetes Programm wartet: fünf Partien innerhalb von acht Tagen, darunter die Heimspiele gegen die Topklubs aus Davos, Zug und Bern.

Nach den beiden Niederlagen zum Saisonstart gegen Kloten und in Ambri-Piotta hat der Sieg gegen Meister Fribourg die Leichtigkeit an den Obersee zurückgebracht.
«Das war wichtig für das Selbstvertrauen», sagt Captain Nico Dünner und setzt sich auf die Spielerbank. Es ist eine unspektakuläre Szene. Und irgendwie passt sie zu ihm.
Dünner ist keiner, der sich ins Scheinwerferlicht drängt. Obwohl er als Captain naturgemäss häufiger darin steht und er inzwischen eine Identifikationsfigur der Lakers ist. In seiner achten Saison beim Klub gehört er längst zu jenen Spielern, die man mit Rapperswil-Jona verbindet.
Er ist einer, der geblieben ist
Im schnelllebigen Profisport ist Vereinstreue beinahe eine eigene Währung. Spieler kommen und gehen, Verträge werden verlängert oder aufgelöst, Karrieren nehmen Abzweigungen. Dünner hingegen bleibt.
Im August wurde bekannt, dass er seinen Kontrakt vorzeitig um zwei Jahre bis 2029 verlängert hat.
«Nico ist für den SCRJ eine echte Identifikationsfigur», sagte Sportchef Claudio Cadonau. Acht Saisons am gleichen Ort. Für Dünner selbst klingt dies weniger spektakulär als für den Beobachter.

«Ich bin nicht einer, der den Klub wechselt, wenn es mal nicht so gut läuft oder wenn ich mal nicht mehr so zufrieden bin.» Er wolle vielmehr die positiven Dinge sehen.
Und dann folgt ein Satz, der viel über seinen Charakter verrät: «Wenn man im Leben immer nach noch mehr und nach immer Besserem strebt, heisst das nicht, dass man das Glück findet.»
Das klingt fast ein wenig altmodisch. Im besten Sinn. Der Luzerner aus Emmenbrücke hat ohnehin einen bemerkenswert nüchternen Blick auf seinen Weg. Als junger Spieler verliess er Zug und ging nach Langenthal, statt sich beim Eissportverein Zug (EVZ) mit einer Rolle in der vierten Linie zufriedenzugeben.

Rückblickend würde er «99 Prozent» seiner Karriere nochmals genauso gestalten. Aber er weiss auch, dass Talent allein keinen Erfolg garantiert. «Im Profisport braucht es auch immer ein bisschen Glück.»
Der richtige Spieler am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt. Dünner hält diesen Faktor für unterschätzt. Vielleicht ist es genau diese Haltung, die ihn zum Captain macht.
Er ist nicht immer der Lauteste
Captain zu sein, bedeutet im Eishockey nicht zwingend, der lauteste Mann in der Garderobe zu sein.
Dünner weiss das. «Es braucht ein bisschen beides», sagt er. Leute, die ihre Stimme erheben. Und stille Arbeiter, die vorangehen, ohne gross darüber zu reden. Er selbst sieht seine Aufgabe als Lernprozess.
Captain zu sein, sei eine grosse Ehre, aber auch mehr Verantwortung. Gerade wenn es nicht läuft, kommen zusätzliche Gespräche dazu – intern, aber auch mit den Medien.

«Man wächst hinein», sagt er. Niemand sei von Anfang an zu hundert Prozent bereit. Dass er dabei nicht auf sich allein gestellt ist, empfindet er als Glück. Die Mannschaft funktioniert nicht nach dem Prinzip des einen Anführers, der alles vorgibt.
«Es gibt Phasen, da steht mal der eine etwas mehr auf. Es gibt Phasen, da bin ich das.» Genau darin liegt Dünners Verständnis von Leadership: Verantwortung übernehmen, wenn sie gefragt ist und anderen den Raum lassen, wenn sie an der Reihe sind.
Eine Familie auf Schlittschuhen
Vielleicht erklärt sich damit auch, weshalb das Wort «Familie» bei den Lakers so häufig fällt. Dünner spricht nicht von einer grossen Marketingidee, sondern von etwas, das im Alltag spürbar sei: «Hier ist es sehr familiär. Man schaut zueinander, in guten wie auch in herausfordernden Zeiten.»
Das gilt für die Spieler. Aber nicht nur für sie. Dünner denkt den Menschen hinter dem Sportler mit. Wer seine Bestleistung erbringen wolle, brauche ein Umfeld, in dem auch das Leben abseits des Eises funktioniert: «Wir sind letztlich auch Menschen.»

Im Mai hat er diese Erfahrung noch einmal auf eine ganz neue Weise gemacht. Dünner ist Vater geworden. Eine Tochter. Ein neues Leben – und, wie er sagt, eine «steile Lernkurve».
Es sei anstrengend, manchmal herausfordernd, vor allem aber schön – sehr schön. Und man merke, wie die ganze Familie noch näher zusammenrücke.
Wenn er über seine Frau spricht, wird der Captain besonders persönlich. Er habe eine «super Familie», sagt er, und eine Frau, die ihm den Rücken freihalte. Ohne dieses Netz, sagt er, gehe es im Profisport nicht.
Dünner denkt dabei weiter zurück: an die Eltern, die einen als Kind stundenlang ins Training fahren, Ausrüstung bereit machen und die Kinder zu den Spielen begleiten. Hinter jedem Profi stehe ein ganzes Netzwerk. Der Sportler mag im Mittelpunkt stehen, aber allein steht er nie.
Der Pass kommt vor dem Abschluss
Vielleicht ist das auch eine Erklärung für Dünners Spiel. Seine Eltern waren beide Sportlehrer und spielten Basketball auf nationalem Spitzenniveau. In der Familie wurde viel Sport ausprobiert.
Beim Eishockey blieb er hängen. Er sei 1,81 Meter gross und damit nicht unbedingt der klassische Kraftprotz.
«Meine Eltern sind im Basketball Spielmacher gewesen», sagt er. Und dann kommt dieser schöne Satz: Vielleicht habe er von zu Hause mitbekommen, dass er «eher einmal den Pass zu viel suche, anstatt direkt in den Abschluss zu gehen».

Es ist eine Metapher, die weit über das Eishockey hinausreicht. Dünner denkt gerne in Beziehungen und ans Zusammenspiel und weniger in Einzelaktionen.
Auch deshalb spricht er so selbstverständlich vom Mannschaftskern der Lakers. Die meisten Spieler seien erfahren, dazu komme ein Fundament, das über die Jahre immer stärker zusammengewachsen sei.
Entscheidend werde das vor allem dann, wenn es schwierig wird. «Man schaut zueinander, in guten wie auch in herausfordernden Zeiten.»
Ein Team, verschiedene Persönlichkeiten
Dabei ist die Lakers-Garderobe ein ziemlich internationales und heterogenes Sammelsurium. Englisch ist die Hauptsprache. Unterschiedliche Nationalitäten treffen auf unterschiedliche Altersgruppen, Lebenssituationen und Karrierewege.
Dünner empfindet dies nicht als Problem, sondern als Bereicherung. «Es gibt weniger richtig oder falsch, sondern einfach verschiedene Varianten, wie man etwas angehen kann.» Jeder bringe seinen eigenen «Rucksack» mit. Genau daraus entstehe etwas Neues.
Auch Headcoach Johan Lundskog verkörpert diese Mischung. Der schwedisch-kanadische Doppelbürger verbindet europäische Elemente mit amerikanischer Physis und Geradlinigkeit. Er lasse den Spielern Freiheiten und vertraue auf deren Erfahrung. Und er sei ein ruhiger Charakter, der nicht schnell aus der Verfassung gerate.

Es klingt beinahe wie eine Beschreibung des Captains selbst. Dünner hat gelernt, dass man nicht jede Situation kontrollieren kann. Dass eine Saison nicht immer nach Plan verläuft. Dass ein kleines Budget andere Möglichkeiten schafft als bei den grossen Klubs.
Und dass es manchmal gerade deshalb Spass macht: «Es ist immer schön, wenn man Leute Lügen strafen kann, die einem nicht viel zutrauen.»
Das Beste aus den Möglichkeiten machen
Die Lakers kennen ihre Rolle. Sie sind nicht der Klub mit den grössten finanziellen Möglichkeiten. Aber sie haben in den vergangenen Jahren gelernt, daraus eine Stärke zu machen.
Dünner nennt es die «Aussenseiterrolle». Entscheidend sei, was die Mannschaft daraus mache. Sein persönliches Ziel für die Saison formuliert er entsprechend vorsichtig.

Im Februar noch von den Playoffs träumen zu können, wäre für ihn ein gutes Zeichen. Mehr will er gar nicht versprechen. Denn auch hier bleibt er bei seinem Prinzip: «Wenn wir wieder das Beste herausgeholt haben aus den Möglichkeiten, dann hat die Mannschaft vieles richtig gemacht.»
Und so sitzt der Captain nach dem Morgentraining auf der Spielerbank. Kein grosser Auftritt, keine grossen Gesten. Draussen wartet ein dichtes Programm, drinnen eine Mannschaft, die sich gefunden hat.
Nico Dünner ist seit 2019 Teil dieser Geschichte. Und er hat gerade erst einen Vertrag bis 2029 unterschrieben.
Dann feiert er am Lido sein «Zehnjähriges». Im Eishockey ist dies schon fast eine Ewigkeit. Für einen Spieler, der den Pass manchmal lieber spielt als den Abschluss zu suchen, ist es aber die logische Fortsetzung einer Geschichte, die vor allem eines kennt: Zusammenhalt.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «See und Gaster Zeitung» erschienen.
| National League - National League - Regular Season (27.09.2026) | Sp | S | N | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 6 | 6 | 0 | 25:13 | 18 | |
| 2. | ![]() | 6 | 4 | 2 | 22:21 | 11 | |
| 3. | ![]() | 6 | 3 | 3 | 16:18 | 9 | |
| 4. | ![]() | 6 | 3 | 3 | 19:22 | 9 | |
| 5. | ![]() | 6 | 3 | 3 | 17:17 | 8 | |
| 6. | ![]() | 6 | 3 | 3 | 19:20 | 8 | |
| 7. | ![]() | 4 | 2 | 2 | 16:10 | 7 | |
| 8. | ![]() | 4 | 2 | 2 | 14:11 | 7 | |
| 9. | ![]() | 5 | 2 | 3 | 16:12 | 7 | |
| 10. | ![]() | 6 | 2 | 4 | 15:19 | 7 | |
| 11. | ![]() | 5 | 2 | 3 | 13:17 | 6 | |
| 12. | ![]() | 6 | 2 | 4 | 19:23 | 6 | |
| 13. | ![]() | 6 | 2 | 4 | 15:22 | 6 | |
| 14. | ![]() | 4 | 2 | 2 | 14:15 | 5 | |
| National League - National League - Regular Season (27.09.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 6 | 18 | |
| 2. | ![]() | 6 | 11 | |
| 3. | ![]() | 6 | 9 | |
| 4. | ![]() | 6 | 9 | |
| 5. | ![]() | 6 | 8 | |
| 6. | ![]() | 6 | 8 | |
| 7. | ![]() | 4 | 7 | |
| 8. | ![]() | 4 | 7 | |
| 9. | ![]() | 5 | 7 | |
| 10. | ![]() | 6 | 7 | |
| 11. | ![]() | 5 | 6 | |
| 12. | ![]() | 6 | 6 | |
| 13. | ![]() | 6 | 6 | |
| 14. | ![]() | 4 | 5 | |



















