SC Bern

SC Bern – Marchon: «Bin nach Bern gekommen, um Meister zu werden»

Pierre Benoit
Pierre Benoit

Marc Marchon, Stürmer des SC Bern, zeigt sich neben dem Eis ruhig und besonnen. Er verrät: Sein Hauptziel in Bern ist der Gewinn des Meistertitels.

Marc Marchon SCB Bern
SCB-Stürmer Marc Marchon hat ein grosses Ziel in seiner Karriere: Mit Bern Meister werden. - Daniel Zaugg

Wer mit Marc Marchon am Tisch sitzt und mit ihm spricht, gerät zuerst einmal ins Staunen. Von einem aggressiven, hitzigen, unbeherrschten Kämpfer mit einem aufbrausenden Temperament keine Spur. Sämtliche Vorurteile straft er Lügen.

Ruhig sitzt er da, seine Antworten sind wohlbedacht, er überlegt und äusserst sich weise. Wo ist der Mann, der sich im Schweizer Eishockey einen Ruf als Strafenkönig erarbeitet hat?

Ja, wo ist er, der Haudegen, der Rüpel, der sich auf dem Eis für seine Kollegen wehrt und es nicht ausstehen kann, wenn seine Mitspieler vom Gegner unfair attackiert werden? Marc Marchon kann ein Lachen nicht verkneifen.

«Ich fühle mich auf dem Eis auch ein wenig als Beschützer meiner Kollegen. Greift einer den Goalie an, wenn er den Puck bereits blockiert hat oder wird ein Mitspieler hinterhältig attackiert, muss ich mich wehren.»

Marc Marchon SCB Bern
«Die Verkrampfung hat sich gelöst, und wenn wir einmal in den Playoffs stehen und der Druck wegfällt, ist vieles, wenn nicht alles, möglich», so Marc Marchon. - Daniel Zaugg

Den Nachfolger von Thomas Rüfenacht und dem mit den Jahren etwas zahmer gewordenen Tristan Scherwey hat der SCB mit der Verpflichtung Marchons gefunden.

Eine Antwort, die er nicht ganz ernst gemeint haben will, hat die SCB Nummer 8 auch auf die Frage bereit, ob er sich vor seinem Wechsel in die Bundesstadt jemals mit Scherwey geprügelt habe. «Nein, er hat sich nicht getraut…» Doch neben dem Eis, da gibt es den anderen, den ruhigen Marc Marchon.

Warum SCB?

Obwohl der EHC Kloten sein Herzensklub ist und dort immer noch viele seiner Kollegen spielen, wechselte Marchon nach der Saison 2023/24 an die Aare. Warum? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen.

«Weil ich in meiner Karriere ein grosses Ziel habe. Ich will Meister werden. Weil ich der Überzeugung bin, dass dies in Bern in den nächsten Jahren eher möglich ist, habe ich den Wechsel vollzogen. In Kloten gab es zu dieser Zeit auch viele Wechsel. Der ganze Verwaltungsrat wurde ausgetauscht, die Rahmenbedingungen entsprachen nicht mehr meinen Vorstellungen, was mir den Wegzug erleichterte.»

Marc Marchon Bärner Bär
«Ich konnte mir lange nicht vorstellen, Kloten zu verlassen», gesteht Marc Marchon. - Daniel Zaugg

In der laufenden Saison geht es für den SCB in den noch verbleibenden sechs Partien der regulären Saison zuerst einmal darum, sich endgültig für die Play-In zu qualifizieren.

«Den Weg, den wir in den letzten 15 Partien gegangen sind, stimmt mich positiv. Die Verkrampfung hat sich gelöst und wenn wir einmal in den Playoffs stehen und der Druck wegfällt, ist vieles, wenn nicht alles, möglich. Es geht aufwärts, die Verletzten sind zurück und das System von Heinz Ehlers haben wir mittlerweile intus.»

Wie 2016?

Vor zehn Jahren schaffte der SCB unter Lars Leuenberger den Sprung von Rang acht zum Titelgewinn, ist diesmal Ähnliches möglich?

«In den letzten Jahren hat sich vieles geändert, die Liga ist stärker und ausgeglichener geworden, doch träumen ist erlaubt», so Marchon, für den Begegnungen gegen Kloten nach wie vor etwas Spezielles darstellen.

Im nächsten Match kann er beweisen, dass während 60 Minuten alle Freundschaften im Herzensklub vergessen sind.

In Bern eingelebt

«Ich konnte mir lange nicht vorstellen, Kloten zu verlassen, doch die Avancen von Sportchef Martin Plüss und der Wunsch, einmal Meister zu werden, überzeugten mich, dass der Wechsel zum SCB das Beste war.»

Holt der SCB in den nächsten drei Jahren einen Meistertitel?

Auch neben dem Eis gefällt es Marchon ausgezeichnet. Mit seiner Partnerin flaniert er oft zwischen Bärengraben und Bahnhof unter den Laubenbögen oder hält sich im Sommer am Aare-Ufer auf und fährt in die nahegelegenen Berge.

Beinahe Fussballer geworden

Dass Marc Marchon heute die Farben des SCB trägt, ist Mutter Sabine zu verdanken. Zuerst jagte Klein-Marc bis in die B-Junioren dem runden Ball im FC Dietwil hinterher.

Weil er auch hier viel Talent bewies, könnte Marchon heute ebenso die Farben der Young Boys tragen, doch im Alter von 15 Jahren entschied er sich, der damals gleichzeitig auch im Nachwuchs des EV Zug aktiv war, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen und voll auf die Karte Eishockey zu setzen.

Die Zeit nach der Karriere

Marc Marchon denkt heute trotz seines jugendlichen Alters an die Zeit nach der Eishockey-Laufbahn. Er absolvierte in St.Gallen erfolgreich das CAS-Sportmanagement, eine Ausbildung, die ihm verschiedene Möglichkeiten im Sport-Networking eröffnet und strebt in einem Fernstudium den Bachelor in Betriebsökonomie und Sportmanagement an.

Besonders spannend ist ein Ed-Tech-Projekt, das Marchon gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin entwickelt. Mithilfe von VR-Brillen trainieren Nutzer in virtuellen Umgebungen mit einem Avatar gezielt mündliche Fertigkeiten im Fremdsprachenlernen.

Das Projekt steckt noch in den Anfängen, Investoren werden gesucht.

Persönlich

Marc Marchon wurde am 10. Juli 1995 in Zug geboren. Er begann seine Eishockeykarriere im EV Zug und spielte gleichzeitig im FC Dietwil Fussball.

2017 wechselte er zum EHC Kloten und stiess von dort 2024 zum SCB. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2027 mit einer Option für ein weiteres Jahr, die bereits gezogen worden ist.

Marchon hat vier Geschwister (zwei Brüder und zwei Schwestern), die ebenfalls alle sportlich aktiv sind. 21 Länderspiele (7 Tore/2 Assists/9 Punkte).

Bruder Joël ist der beste Torschütze beim Swiss League-Klub EHC Visp (14 Tore).

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