EHC Arosa: Sisyphos Schrepfer

    Nicola Berger
    Nicola Berger

    Rolf Schrepfer geht beim EHC Arosa in seine siebte Saison. Die Höhenlage und die sportlichen Herausforderungen reizen ihn weiterhin.

    Rolf Schrepfer.
    Rolf Schrepfer. - zVg

    Wie das Leben manchmal spielt: Mehr als 45 Jahre lang hatte Rolf Schrepfer kaum einen Bezug zu Arosa. Gewiss: Er hatte immer wieder am Schanfigg gastiert, erst Anfang der 90er-Jahre als Teenager mit Frauenfeld in der 2. Liga, als ihm plötzlich der frühere Nationalliga-A-Topskorer Guido Lindemann gegenüberstand, was ihm mit 16 sehr imponierte.

    Und später als Coach von Weinfelden. Aber es hatte für ihn keinen Grund gegeben, sich übermässig mit dem Ort, dem Klub und den Menschen zu beschäftigen. Bis ihm Adrian Fetscherin 2020 einen Vertrag als Cheftrainer anbot.

    Schrepfer, heute 52, hatte gerade mit den Elite- Junioren der Rapperswil-Jona Lakers drei Mal in Folge die Elite-B-Meisterschaft gewonnen. Er fand, es sei Zeit für eine neue Herausforderung.

    Schrepfer
    Der ehemalige SCB-Kultstürmer Rolf «Schrumm-Bumm» Schrepfer betreut den EHC Arosa in der siebenten Saison. - SLAPSHOT Archiv

    Sechs Jahre später ist Schrepfer immer noch in Arosa. Er schwärmt von einem entschleunigten Kleinod, von der Höhenlage: «Im Sommer ist man heute froh, wenn es in Arosa 24 Grad warm ist und nicht wie im Unterland 34.» Und mit ihm als Coach ist der neunfache Schweizer Meister nach Jahrzehnten in der Anonymität des Regiohockeys auf die nationale Bildfläche zurückgekehrt.

    2022 gewann Arosa den Cup. 2025 gelang der Aufstieg in die Sky Swiss League. In dieser kämpft der Klub heute um das sportliche und finanzielle Überleben. Arosa ist ein Auffangbecken für Desperados geworden, die anderswo aus dem Raster gefallen sind.

    Der Maximallohn liegt bei 15’000 Franken für die ganze Saison – ohne Kost und Logis. Es braucht viel intrinsische Motivation (und persönliche finanzielle Gönner, etwa: die Eltern), um sich für dieses Abenteuer zu entscheiden. Die Wohnungsnot, die längst auch Arosa erfasst hat, verschärft die Schwierigkeiten.

    Aus der Aufstiegsmannschaft ist kein Spieler übrig geblieben

    Die Fluktuation ist entsprechend riesig, Schrepfer obliegt die Aufgabe, praktisch jede Saison ein neues Team zu formen – von der Aufstiegsmannschaft etwa ist kein einziger Spieler übrig geblieben. Schrepfer ist eine Art Sisyphos der Neuzeit, dessen Los es ist, einen Stein unaufhörlich die 360 Kurven nach Arosa hinauf zu rollen.

    Er sagt: «Ich mag Herausforderungen. Und es ist ja genau Teil des Konzepts, dass sich junge Spieler bei uns weiterentwickeln und dann anderswo Unterschlupf finden können.» Die sportliche Ausrichtung ist finanziellen Zwängen geschuldet – und sie hat ihren Preis. 2025/26, die erste Saison im Profihockey nach 39 Jahren Abstinenz, beendete Arosa abgeschlagen auf dem letzten Rang.

    Schrepfer
    Schrepfer ist eine Art Sisyphos der Neuzeit, dessen Los es ist, einen Stein unaufhörlich die 360 Kurven nach Arosa hinauf zu rollen. - keystone

    Auf den zur Playoff-Teilnahme berechtigenden achten Platz fehlten 46 Punkte. Arosa verlor im Kalenderjahr 2026 15 von 16 Partien. Schrepfer sagt: «Es ist unser Anspruch, dass wir mehr Siege einfahren. Das wäre auch für die Stimmung unter den Jungs wichtig.»

    Im Sommer prüfte Arosa das Engagement von ausländischen Spielern – in der Swiss League treten ausser dem EHC bekanntlich nur Bellinzona und zumeist Chur ohne Ausländer an. «Es gäbe sehr günstige, interessante Spieler. Für die Jungs wäre das gut, sie brauchen Erfolgserlebnisse, Selbstvertrauen und Vorbilder.

    Aber wenn man die Wohnung, das Auto und alle anderen Kosten berechnet, dann ist es für uns momentan schlicht nicht möglich. Wir müssen jeden Franken umdrehen», sagt Schrepfer.

    Ein Exploit in La Chaux-de-Fonds

    Hoffnung macht ihm der Drive des Teams. Er sagt: «Ich spüre den Hunger, sich zu verbessern. Es sind nur Spieler hier, die auch wirklich bei uns sein wollen. Es eignen sich nicht alle für das Leben hier oben. Im November ist es an manchen Tagen so leer und still, dass man einen Westernfilm drehen könnte mit dem berühmten Strohballen, der sich einsam über die verlassenen Strassen bewegt. Aber es gibt eben auch eine schöne Gemeinschaft, einen Zusammenhalt. Die Verankerung des EHC ist sowieso gross.»

    Er selbst hat sich durch den Schwall an Niederlagen nicht desillusionieren lassen, sondern sagt: «Ich bin sehr gerne hier, ich fühle mich in Arosa wohl. Und die Magie des Namens EHC Arosa besteht noch immer, gerade auch im Unterland. In manchen Monaten haben wir an Auswärtsspielen fast mehr Fans im Stadion als zuhause.»

    Rolf Schrepfer

    Geboren: 9. Oktober 1973

    Beim HC Arosa seit: 2020

    Klubs als Trainer: EHC Olten (SL), SC Rapperswil-Jona Lakers (U20-Top, Elite Jr. B), SCL Young Tigers (U20), SCL Tigers, SC Weinfelden (1. Liga, diverse Stufen), HC Thurgau (NLB und Junioren Top) Klub als Spieler: SC Weinfelden (1. & 2. Liga), HC Thurgau (NLB), Kloten Flyers, SC Rapperswil-Jona Lakers, SC Bern, ZSC Lions, Grasshopper Club Zürich (NLB), HC Thurgau (NLB), EHC Frauenfeld (2. Liga)

    Wie um die Worte des Trainers zu bestätigen, realisierte sein Team bereits am zweiten Spieltag auswärts den vielleicht bemerkenswertesten Coup seit dem Aufstieg: ein 5:2-Sieg beim turmhohen Favoriten La Chaux-de-Fonds. Es besteht die Hoffnung, dass das ein Vorbote für einen milden Winter war.

    Es hilft, dass Arosa auf diverse interessante B-Lizenz-Spieler zurückgreifen kann, darunter den Verteidiger Dorian Moret (19, Zug) und den noch etwas verspielten, offensiv aber beständig produktiven Stürmer Gregory Weber (22, Bern).

    Interessierst du dich für Eishockey?

    Auch dank ihnen spricht aus Schrepfer Zuversicht. Aber auch er macht sich Gedanken über die Zukunft. Er sagt: «Mittelfristig müssen wir mehr Geld finden. So wie Winterthur sich ein Jahrzehnt lang ganz hinten abmühen, das kann es auch nicht sein.»

    Der EHCW schaffte die Playoffs in elf Jahren ein einziges Mal, ehe sich der Klub im Hinblick auf diese Saison aus finanziellen Überlegungen in die MyHockey League zurückzog. Es ist ein Schicksal, das Arosa erspart bleiben soll; der Kult-Klub ist in die Sky Swiss League gekommen, um zu bleiben.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    NHL
    NHL
    Stefan Rüegsegger
    Lausanne HC
    SCL Tigers
    1 Interaktionen
    Nächste drei Punkte
    zsc
    1 Interaktionen
    Trotz 4:1 beim SCB
    Tim Berni – Die Rückkehr des Abwehrchefs der Zukunft
    ZSC Lions – Tim Berni
    s
    SCB-Goalie Hughes