Im Steigerungslauf auf Richtung Heim-WM

Manuela Hess betreut als erste weibliche Medienchefin die Schweizer A-Nationalmannschaft an der Heim-WM. Die Bernerin steht für den Wandel im Eishockey.

Manuela Hess ist dieser Tage eine vielbeschäftigte Frau: Ende November steht die Nationalmannschaft gerade zwischen zwei Zusammenzügen, die Meisterschaft in der National League ist in vollem Gang, in ein paar Wochen beginnt die U20-WM, am Horizont ist bereits die Heim-WM erkennbar.
Und sollte ihr entgegen aller Erwartungen dennoch kurz langweilig werden, gibt es da auch noch die verschiedenen Ligen, das Schiedsrichterwesen, die Liga-Justiz, die Jugend- und Ausbildungsabteilung und die interne Kommunikation, die sie auf Trab halten können.
Bei der Frage, ob sie auch noch ein wenig Freizeit habe, muss sie lachen. «Wir sind als Team gut organisiert. Aber sagen wir es mal so: Wenn ich Wert auf arbeitsfreie Weekends legen würde, dann wäre ich in der falschen Branche.»
Die 31-Jährige macht einen erfrischenden Eindruck. Sie ist wohl ein gutes Beispiel, wie sich das Metier der Verbandssprecher weiterentwickelt hat. Nicht nur des Geschlechts, des Alters oder des Auftritts, sondern auch ihres Jobs wegen.
Das Management der Medien rund um die A-Nationalmannschaft belegt zwar immer noch einen grossen Teil ihres Pflichtenhefts. Doch bei Swiss Ice Hockey, das sich, wie es der frühere CEO Florian Kohler einst schön ausgedrückt hatte, als «Dienstleistungszentrum» versteht, gilt es, alle Bereiche dieses Sports zu bewirtschaften.

Hess, die als Head of Communications über zwei Mitarbeiter verfügt, muss strategisch und praktisch agieren, sich um das Wie und das Was kümmern.
Dabei haben vor allem die sozialen Medien und die damit einhergehende Möglichkeit, eigene Kanäle zu bespielen, das Feld der Kommunikation fast schon exponentiell vergrössert.
Das bringt Arbeit mit sich, birgt aber auch Chancen, indem man etwa Aspekte, Themen und Abteilungen in die Öffentlichkeit rücken kann, denen in den klassischen Medien wenig bis keine Aufmerksamkeit zuteil kommt.
Die Möglichkeit, die «Vielfalt» dieses Sports und der Organisation von Swiss Ice Hockey abzubilden sei denn für sie auch ein wichtiges Kriterium bei der Stellenwahl gewesen. «Ich finde es spannend, in unterschiedlichen Bereichen tätig zu sein und schätze die Gestaltungsfreiheit.»
Einen guten Posten aufgegeben
Seit fast genau einem Jahr ist Manuela Hess mittlerweile im Amt. Als Mensch, der nach eigener Aussage die Herausforderung liebt, ist sie definitiv nicht zu kurz gekommen. Und obschon sie sich im Vorfeld nur bedingt vorstellen konnte, was sie erwarten würde, hat sie die Stelle gereizt.
Dafür gab die einstige Journalistin nicht nur ihre Heimat Bern – Hess zog für den Job in den Raum Zürich –, sondern auch einen guten Posten bei der Post auf, wo sie das Team «PR & Publishing Kommunikationsmarkt» mit zehn Leuten leitete.
Die Anziehungskraft des Sports war zu stark. Als ehemalige Unihockey-Torhüterin hatte sie mehrere Spielzeiten in der höchsten und zweithöchsten Liga absolviert, danach war sie über eine Bekannte zum Eishockey gekommen, wo sie bis heute bei Gelegenheit noch bei den Damen des EHC Post Bern stürmt.

«Ich bin generell sportinteressiert und hätte mir auch etwas in einer anderen Sportart vorstellen können. Dass es schliesslich mit dem Eishockey klappte, war natürlich toll», sagt sie. Hier habe sie die grösste Affinität mitgebracht, hier habe sie stets auch die Berichterstattung und die Szene verfolgt.
Bedenken, dass sie im Eishockey in eine ausgesprochene Männerdomäne vorstösst, habe sie keine gehabt. Es könne durchaus sein, dass man sich da oder dort die entsprechende Frage gestellt habe, glaubt sie.
Sie selbst habe das in ihrer Arbeit allerdings kaum tangiert. Klar, im Vergleich mit männlichen Berufskollegen sei die Ausgangslage als Frau eine etwas andere, sie habe beispielsweise nicht den gleichen Zugang und Umgang in der Zusammenarbeit mit den Spielern.
Doch innerhalb der Organisation und im Staff fühlte sie sich von Beginn weg sehr gut aufgehoben. Und so sagt sie mit fester Stimme: «Ich bin richtig angekommen.»
In der Gunst der Stunde
Diese Erkenntnis dürfte für das, was noch bevorsteht, elementar sein. Bislang ist alles reibungslos verlaufen, Manuela Hess konnte sich dank der Gunst der gegenwärtigen Schönwetterlage im Schweizer Eishockey ohne grosse Krisen oder Pannen einfügen.
Im Mai erlebte sie in der Slowakei die erste WM mit – in einer von Wohlwollen und grossem Interesse geprägten Atmosphäre. «Es ist für meine Aufgabe dankbar, dass die guten Leistungen und die Popularität des Nationalteams wenig Raum für Polemik boten», gibt sie zu.
Wissend, dass es eines Tages anders kommen könnte. «Dann kann ich die Situation aus gefestigter Position bewältigen.» Die nächste Herausforderung ist vorderhand aber noch einmal eine durchwegs positive: die anstehende Heim-WM im Mai.
Das Interesse rund ums Nationalteam dürfte den bisherigen Rahmen sprengen, das spürt Hess schon jetzt, da die ersten Medien, Sponsoren und Partner bereits ihr Interesse anmelden und Projekte aufgleisen. Bis zum Turnier wird sie einen eigentlichen Steigerungslauf erleben.
Noch während den laufenden Playoffs, wo sie notabene als Head of Communications auch für die Liga zuständig ist, wird sie mit Trainer Patrick Fischer und dem Staff ins mehrwöchige Vorbereitungscamp einrücken und als Teil der Mission das öffentliche Karussell managen, das sich um das Team drehen wird.

Kommt es ihr im Umgang mit den Medien allenfalls entgegen, dass sie als Unihockey-Goalie gelernt hat, abzuwehren? «Vielleicht», meint sie zuerst. Dann schiebt sie nach, dass die Metapher unpassend sei, weil es nicht um ein Gegen-, sondern um ein Miteinander gehe.
Von so einfältigen Fangfragen lässt sie sich nicht erwischen. Sie ist zweifelsohne angekommen und bereit.





