Simon Johansson – Eishockey im Blut

Klotens neuer Abwehrchef Simon Johansson und seine Brüder haben Geschichte geschrieben. Nun spricht er über die Familie und seinen Wechsel nach Kloten.

Was wäre die Jugend ohne ein bisschen Rebellion? Ohne etwas Besserwisserei? Thomas Johansson hat seinem Sohn Simon die Vorzüge des Daseins als Verteidiger immer wieder zu vermitteln versucht. Und er musste sie ja kennen: Er gehörte jahrelang zu den besten Defensivspielern Schwedens.
1999 und 2001 vertrat er sein Land bei der Weltmeisterschaft. Aber sein 29 Jahre jüngerer Filius wusste es besser. Er wollte stürmen, versuchte sich als Center. Bis er 16 war. Und plötzlich als Flügel eingesetzt wurde, was ihm wenig behagte.
Als ein Platz in der Verteidigung frei wurde, meldete er sich beim Coach – auch weil er sich erinnerte, was der Vater zu sagen pflegte: Dass man auch als Verteidiger stürmen kann. Es gefiel ihm so gut, dass er seinen Posten in der Abwehr nie wieder hergab.
Johansson, geboren und aufgewachsen in Stockholm, wurde zu einem weit herum beachteten Abwehrtalent. Mit 18 debütierte er in der SHL für Djurgårdens. Im gleichen Sommer drafteten ihn die Detroit Red Wings mit dem General Manager Ken Holland in der fünften Runde an 148. Stelle.

Die Organisation hatte mit Schweden vorzügliche Erfahrungen gemacht: Nicklas Lidström, Niklas Kronwall, der später kurz auch in Zug engagierte Henrik Zetterberg.
Ein Umweg über Finnland
So weit bringt es Johansson nicht. In Schweden will es mit der Karriere nicht so richtig aufwärtsgehen. In der dritten Saison nach dem Draft spielt er bei Djurgårdens nach seinem Geschmack noch immer zu wenig. Das Team leiht ihn in die Allsvenskan aus, die zweithöchste Liga.
2021 wechselt er nach Finnland, was damals als eigentümlicher Weg gilt. Doch Ilves Tampere ist das beste, was ihm für seine Entwicklung passieren konnte: Mit deutlich mehr Verantwortung und Vertrauen etabliert er sich als einer der besten, spielstärksten Verteidiger der Liiga. Und erhält 2022 einen Zweijahresvertrag bei den Minnesota Wild.
Zwei Jahre versucht er sich dort im AHL-Farmteam in Des Moines, Iowa, für eine Beförderung in die NHL aufzudrängen. Vergeblich. «Ich wäre auch ein drittes Jahr in der AHL geblieben, weil ich das Gefühl hatte, immer besser zu werden. Aber ich fand kein interessiertes Team. Also bin ich zurück zu Ilves gegangen», sagt Johansson.
In der Saison 2025/26 schwingt er sich dort mit 51 Punkten aus 58 Partien zum produktivsten Verteidiger der Liiga auf und wird mit dem «Pekka Rautakallio Award» für den besten Abwehrspieler ausgezeichnet.
Was für Kloten ein exzellentes Vorzeichen ist. Seit der Einführung der Playoffs hat eigentlich nur ein Gewinner dieser Auszeichnung in der National League nicht funktioniert: Oliwer Kaski, der 2022 in Lugano nach 20 Einsätzen ausgemustert wurde.
Sonst liest sich die Liste wie ein Who-is-Who, das unter anderem aus diesen Namen besteht: Vili Saarijärvi, Sami Vatanen, Cory Murphy, Mika Strömberg, Petteri Nummelin, Hannu Virta.
Der Zuzug von Johansson bedeutet auch, dass Kloten im dritten Jahr in Serie einen Verteidiger engagiert, der in Finnland für reichlich Furore sorgte: 2024 war es Sami Niku (am meisten Punkte aller Abwehrspieler), 2025 Max Lindroth (am meisten Tore), der den Weg Johanssons aus Schweden nach Finnland kopierte, und nun Johansson selbst.
Klotens Sportchef Ricardo Schödler bemühte sich früh um ihn, der Zweijahresvertrag war im Dezember bereits unterzeichnet, bevor seine Darbietungen den Preis nach oben treiben konnten. «Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat, seine Kreativität wird uns guttun», sagt Schödler.
Der Weg des 27-Jährigen zum Eishockeyprofi war vorgezeichnet. Sein Vater blieb dem Sport nach dem Ende der Karriere erhalten, inzwischen wirkt er seit 2018 als General Manager von Leksand, das im Frühjahr aus der SHL abstieg.
Mit Andro Kaderli steht ein Schweizer Stürmer unter Vertrag, als Assistenztrainer ist Niklas Persson engagiert, der einst erfolgreich für die Rapperswil-Jona Lakers stürmte.
Der Cousin ist der Star der Familie
Simon ist nicht der einzige aus der Familie, der von den guten Genen profitierte: Auch seine jüngeren Brüder Anton (22, Verteidiger, 2022 in der vierten Runde an 105. Stelle ebenfalls von Detroit gedraftet) und Victor (20, Verteidiger, 2024 in Runde 4 an 120. Position von Toronto gedraftet) sind Hockeyprofis.
Die Johanssons sind die erste europäische Familie überhaupt, in welcher es drei Brüder schafften, allesamt gedraftet zu werden. Selbst in Nordamerika ist die Häufung selten, Beispiele sind die Familien Staal (Eric, Jordan und Marc) und Hughes (Jack, Luke und Quinn).
Am weitesten gebracht im Familienstammbaum hat es bei den Johanssons bisher ein Cousin: Der Stürmer Alexander Wennberg (31, San José Sharks), der bereits 869 NHL-Partien bestritten hat.

Was ist das Geheimnis dieser Familie? «Keine Ahnung», sagt Simon Johansson lachend. Und fügt an: «Aber unser Vater hat uns nicht nur Talent vererbt, sondern auch die Arbeitseinstellung. Er hat mich immer dazu ermuntert, mehr zu machen.
Nach dem Training alleine eine halbe Stunde auf dem Eis oder im Kraftraum zu bleiben. Ich habe viel in meine Karriere investiert. Und ich achtete auch immer darauf, ein gutes Vorbild für meine Brüder zu sein.» Träumt er davon, dereinst an ihrer Seite zu spielen, irgendwann, irgendwo?
«Das wäre wahnsinnig schön. Aber in erster Linie hoffe ich, dass die beiden lange, erfolgreiche NHL-Karrieren haben werden.» Anton spielt 2026/27 für Grand Rapids in der AHL, Victor für Brynäs unter dem Cheftrainer Niklas Gällstedt, der einst in Kloten Sean Simpson und Pekka Tirkkonen assistierte.
Für den ältesten der Brüder dürfte der NHL-Traum beerdigt sein. Aber womöglich kann er über das Schaufenster Kloten eine andere Sehnsucht stillen: die Berücksichtigung in der Nationalmannschaft.
Der Konkurrenzkampf in Schweden ist enorm – die Nation stellte 2025/26 103 NHL-Exporte. Aber unmöglich ist es nicht: An der WM im Mai sind mit Erik Brännström, Tim Heed und Jacob Larsson drei NL-Verteidiger berücksichtigt worden.
Simon Johansson
Nationalität: Schweden
Geboren: 14. Juni 1999 Grösse: 188 cm
Gewicht: 88 kg
Bei EHC Kloten seit: 2026
Vertrag bis: 2027/28
Bisherige Klubs: Ilves (Liiga), Iowa Wild (AHL), Mora IK (Hockey-Allsvenskan), Djurgårdens IF (SHL), Almtuna IS (HockeyAllsvenskan), Djurgårdens IF (div. Stufen)
Und der neue Nationalcoach Rikard Grönborg hat bekanntlich eine lange (wenn auch wenig erfolgreiche) Vergangenheit in der Schweiz. Zumindest für die «Swiss Ice Hockey Games» im Dezember sollte es schon für ein Aufgebot reichen.
«Es ist ein grosses Ziel von mir, dieses Trikot überstreifen zu dürfen», sagt Johansson, der seit der U20-Nationalmannschaft nie mehr in einem Aufgebot Berücksichtigung fand. Vorerst gilt der Fokus Kloten.
Johansson sagt, er wolle dabei mithelfen, die stolze Tradition dieses Klubs wieder aufleben zu lassen. Für das in den letzten Jahren nicht immer gleich überzeugende Klotener Powerplay wird er ein Segen sein.







