EC Wil: Neuer Trainer ist erst 26 Jahre alt!

Seine Spielerkarriere endete abrupt wegen Kopfverletzungen – heute steht Lars Hofmann (26) als jüngster Trainer an der Bande des EC Wil.

Das Wichtigste in Kürze
- Der EC Wil setzt auf der Trainerposition auf den 26-jährigen Lars Hofmann.
- Verletzungen zwangen den neuen Head Coach zum frühen Karriereende als Spieler.
- Im Interview spricht der Berner über seine neue Herausforderung.
Der EC Wil setzt seinen eingeschlagenen Weg konsequent fort. Nachdem der erst 23-jährige Jan Meier im Januar das Amt des Sportchefs übernommen hat, verpflichtet er mit Lars Hofmann einen Trainer, der mit 26 Jahren ebenfalls zu den jüngsten seines Fachs gehört.
Im Interview spricht der Berner über Respekt in der Garderobe, seine schwierige Spielerkarriere, den jungen Sportchef Jan Meier und warum die kommenden Monate zu den grössten Herausforderungen seines Lebens gehören.
Redaktion: Lars Hofmann, draussen sind es über 30 Grad. Ist das Ihr Wetter?
Lars Hofmann: Eigentlich bin ich eher ein bisschen ein «Gfrörli». Trotzdem finde ich die Abkühlung in der Eishalle gerade sehr angenehm.
Redaktion: Kann man sich bei solchen Temperaturen überhaupt auf eine Eishockeysaison vorbereiten – auch im Kopf?
Hofmann: Ja, man muss einfach wieder in den Flow kommen. Natürlich ist es etwas anderes, wenn die Saison läuft. Dann ist man automatisch drin.
Redaktion: Mit 26 Jahren übernehmen Sie Ihren ersten Job als Headcoach. Wann haben Sie zum ersten Mal gedacht: «Ich bin bereit für diese Aufgabe»?
Hofmann: Eigentlich habe ich mir diese Frage nie bewusst gestellt. Nach meinen Engagements als Assistenztrainer beim HC Luzern und beim EHC Seewen habe ich mir aber zugetraut, die Verantwortung zu übernehmen.
Der grösste Unterschied ist, dass man als Headcoach viel mehr organisatorische Aufgaben hat. Man plant, koordiniert und trägt die Gesamtverantwortung.
Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich das kann. Aber eines führte zum anderen. Überfordert bin ich nicht, auch wenn ich sicher noch viel lernen muss.
Redaktion: Sie sprechen breites Berndeutsch. Wird dieser Dialekt im wilden Osten akzeptiert?
Hofmann: (Lacht.) Ich war bisher noch nicht oft vor Ort. Diese Woche habe ich meinen Bachelor abgeschlossen und musste Prioritäten setzen.
Jetzt werde ich aber regelmässig bei den Sommertrainings dabei sein und die Spieler besser kennenlernen. Mit meinem Dialekt werden sie sich wohl abfinden müssen.
Redaktion: Viele Spieler im Team sind älter als Sie. Wie gewinnt man als junger Trainer Respekt in einer Garderobe?
Hofmann: Das läuft über Verhalten, Kommunikation und Hockeywissen. Schon in meiner ersten Saison als Assistenztrainer in Luzern hatte ich Spieler, die fünf Jahre älter waren als ich. Da fragte ich mich natürlich, ob sie überhaupt auf mich hören würden.
Ich habe aber schnell gemerkt: Wenn du anständig bist, gerne mit den Spielern arbeitest und ihnen hilfreiche Tipps gibst, dann kommt der Respekt von selbst. Entscheidend ist, wie man miteinander umgeht.
Redaktion: Ihre Karriere als Spieler endete wegen mehrerer Gehirnerschütterungen früh. Hat Sie diese Erfahrung als Mensch und Trainer geprägt?
Hofmann: Definitiv. Ich habe gelernt, dass von einem Tag auf den anderen alles vorbei sein kann. Das war die härteste Erfahrung meines Lebens. Mein Arzt sagte mir irgendwann klar, dass ich kein Eishockey mehr spielen sollte, weil es zu gefährlich geworden sei.
Insgesamt hatte ich fünf Gehirnerschütterungen. Anderthalb Jahre nach der letzten bekam ich sogar noch Schwindelanfälle.
Da wusste ich, dass ich eine Entscheidung treffen musste. Gleichzeitig wollte ich dem Eishockey unbedingt treu bleiben. Ich hatte so viel investiert und wollte das nicht einfach wegwerfen.
Also stellte ich mir die Frage: Warum nicht Trainer werden? Diese Erfahrung hat mir gezeigt, immer das Beste aus dem Moment herauszuholen. Man weiss nie, wann Schluss ist.
Redaktion: Was hat Sie beim ersten Gespräch mit Jan Meier überzeugt, dass der EC Wil der richtige Verein für Sie ist?
Hofmann: Eigentlich habe ich Jan angerufen und gesagt: «Du suchst doch einen Trainer.» Von Anfang an hatten wir auf beiden Seiten ein gutes Gefühl. Jan ist selbst noch sehr jung.
Speziell ist natürlich, dass er gleichzeitig auch Spieler in meiner Mannschaft ist. Das muss man managen können. Aber auch hier ist Kommunikation der Schlüssel. Jan wollte einen jungen Trainer, der neue Ideen einbringt und nicht einfach Standard-Hockey spielen lässt.
Das passt zu mir. Dazu kommt, dass Wil über eine sehr gute Mannschaft verfügt. Als Jan mir sagte, dass er mit mir in die Zukunft gehen möchte, musste ich nicht lange überlegen.
Redaktion: Wenn die Fans nach Ihrer ersten Saison sagen sollen: «Das ist eine typische Hofmann-Mannschaft» – wie soll diese Mannschaft spielen und auftreten?
Hofmann: Mutig, offensiv und kämpferisch. Ich möchte Hockey zeigen, das man nicht jeden Tag sieht. Neue Ideen statt Kopien von anderen. Gleichzeitig soll die Mannschaft menschlich auftreten, selbstbewusst sein und den unbedingten Willen zeigen, Spiele zu gewinnen.
Redaktion: Jan Meier spricht von Nachhaltigkeit und einem längerfristigen Aufbau. Was bedeutet das konkret für Ihre Arbeit als Trainer?
Hofmann: Es bedeutet, dass ich lernen und mich weiterentwickeln darf. Es ist mein erstes Jahr als Headcoach, und natürlich werde ich nicht alles perfekt machen. Das wissen alle Beteiligten. Ich möchte kein Trainer sein, der einfach Autorität ausstrahlt und Befehle erteilt.
Mir ist der Austausch mit den Spielern wichtig. Wenn Fehler passieren, machen wir sie gemeinsam. Langfristig weiss ich, was ich kann.
Gleichzeitig bin ich gespannt, was noch alles auf mich zukommt. Ich habe das Vertrauen und die Unterstützung des Vereins.
Redaktion: Abseits des Eises: Wer ist Lars Hofmann?
Ich verbringe viel Zeit am Computer, spiele gerne Games und verfolge die Formel 1. Natürlich schaue ich auch sehr viel Hockey – oft sogar nachts die NHL-Spiele. Dabei mache ich mir Notizen und versuche ständig dazuzulernen.
Diese Woche habe ich meinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik abgeschlossen. Jetzt beginnt die Suche nach einem Job. Hockey bleibt aber meine Priorität Nummer eins. Hockey ist mein Leben.
Redaktion: Das heisst: neuer Job, erste Saison als Headcoach und gleichzeitig grosse Veränderungen im Privatleben. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Hofmann: Das ist eine gute Frage. Neben dem neuen Job und meiner ersten Saison als Headcoach beim EC Wil möchte ich auch von zu Hause ausziehen. Ich wohne aktuell noch bei meinen Eltern in Langenthal.
Mit drei Trainings pro Woche und den Spielen ist das Pendeln nach Wil langfristig kaum möglich. Meine Freundin kommt aus Frauenfeld. Unser Ziel ist es, gemeinsam irgendwo in der Region Matzingen oder Winterthur zusammen eine Wohnung zu finden.
Es werden intensive Monate. Ich verlasse gleich in mehreren Bereichen meines Lebens die Komfortzone. Aber wenn man so ehrgeizig ist wie ich, kommt das am Ende gut. Respekt davor habe ich trotzdem.
Dieses Interview ist zuerst in den «Wiler Nachrichten» erschienen.





