Max Lindroth – vom Barista zum Powerplay-Quarterback

Nicola Berger
Nicola Berger

Mit 22 Jahren spielte Max Lindroth noch in der dritthöchsten schwedischen Liga und jobbte als Barista. Heute gehört er zu den spektakulärsten Spielern Europas.

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Max Lindroth unterschreibt in Kloten einen Vertrag über zwei Saisons bis Ende 2026/27. - IMAGO / Sergio Brunetti

Max Lindroth spielte mit 22 noch in der dritthöchsten schwedischen Liga und jobbte als Barista. Später fand er unter Roger Rönnberg bei Frölunda nicht zur Entfaltung. Doch inzwischen ist aus dem Spätzünder einer der spektakulärsten Verteidiger Europas geworden.

Mit 19 gehört Max Lindroth in der schwedischen U20-Meisterschaft zu den besten, produktivsten Verteidigern. Aber er fällt zwischen Stuhl und Bank – vielleicht auch, weil er damals keinen Agenten hat.

Lindroth findet sich in der Hockey Ettan wieder, der dritthöchsten Liga, im Halbprofitum. Weil das karge Geld nicht fürs Überleben reicht, jobbt er nebenbei als Barista in einem Café. Zwei Jahre geht das so.

Im Sommer 2018 denkt er laut darüber nach, aufzugeben und ein Studium zu beginnen. Sein Vater Johan sagt ihm: «Max, versuch’s noch ein letztes Jahr».

Spengler Cup Team Canada
Frölundas Max Lindroth wird vom Kanadier Jonathan Hazen abgeräumt. - Keystone

Johan spielte einst selber im Amateurbereich und ist seit Ewigkeiten Saisonkartenbesitzer bei Frölunda Göteborg. «Ein Hockeynerd, der jeden Tag Spiele schaut, egal in welcher Liga», sagt Max.

Der Filius nimmt den Rat an. Über die zweitklassige Allsvenskan empfiehlt er sich für höhere Aufgaben und erhält 2019 einen Vertrag bei Linköping. Nach drei Jahren geht es weiter zu Färjestad, ehe sich 2023 sein grosser Traum erfüllt: Frölunda klopft an.

Der Klub seines Herzens, bei dem er als Knirps so viele Abende im Stadion verbracht hat. «Frölunda bedeutet mir extrem viel», sagt Lindroth.

Doch der Konkurrenzkampf ist enorm. Unter dem heutigen Gottéron-Coach Roger Rönnberg findet Lindroth nicht zur Entfaltung. Seine Eiszeit beträgt weniger als elf Minuten, und Lindroth gerät ins Grübeln.

Oft kommt er in jenen Tagen so missmutig vom Training nach Hause, dass seine Freundin ihm irgendwann sagt: «Max, du musst etwas ändern. Du musst die Freude wiederfinden, dein inneres Feuer

Ein Check von Morley setzte ihn am Spengler Cup ausser Gefecht

Im Dezember 2023 reist Lindroth mit Frölunda an den Spengler Cup. Im zweiten Spiel wird er von seinem heutigen Klotener Teamkollegen Tyler Morley hart, aber fair gecheckt und fällt aus.

Das verschärft seine Sinnkrise; er bittet seinen Agenten, den ausländischen Markt zu sondieren. Warum das Ausland? Lindroth sagt: «In Schweden hatte ich diesen Stempel: dass ich ein strikter Defensivverteidiger bin. Ich wusste, dass mehr in mir steckt. Aber lange war ich zu scheu.

Ich wollte nicht anecken und füllte einfach die Rolle aus, die man mir gab. Mit meinem Werdegang konnte ich ja eigentlich schon zufrieden sein, überhaupt in der höchsten Liga zu spielen.»

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PostFinance Top Scorer Derek Grant (ZSC Lions), links, spielt um den Puck gegen Tyler Morley (Kloten) im Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EHC Kloten, am Freitag, den 29. November 2024 in der Swiss Life Arena in Zürich. - KEYSTONE/Manuel Geisser

Sein Berater stellt den Kontakt zu TPS Turku her. Dort schwärmt der Scout Tomi Kallio von ihm, Lindroths Lieblingsspieler aus seiner Teenagerzeit bei Frölunda.

«Das war ein bisschen surreal, dass sich plötzlich der Held meiner Kindheit für mich interessiert hat», sagt Lindroth. Er löst seinen Vertrag bei Frölunda auf und schliesst sich Ende Januar für den Rest der Saison Turku an, für den Wechsel verzichtet er auf Geld.

Es ist der Beginn eines kometenhaften Aufstiegs. Lindroth produziert in 13 Spielen für TPS 13 Punkte. Der Vertrag wird eilig verlängert und 2024/25 ist er mit 23 Toren der mit Abstand beste Torschütze aller Abwehrspieler der Liiga.

Es ist der beste Wert seit ein gewisser Reijo Ruotsalainen 1980 28 Mal traf. «Turku war das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte in Schweden keinen Spass mehr am Eishockey. Ich ging nicht mehr gerne ins Training.

In Turku habe ich die Freude wiedergefunden, dafür werde ich dem Klub immer dankbar sein», sagt Lindroth, der mit vier Treffern in einer Partie gegen SaiPa Geschichte schrieb.

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Reto Schaeppi (EHCK), Torhueter Ewan Huet (EHCK) und Max Lindroth (EHCK), von links, wehren einen Schuss von PostFinance Top Scorer Sandro Schmid (HCFG) ab, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem HC Fribourg Gotteron und dem EHC Kloten, am Donnerstag, 9. Oktober 2025 in der BCF-Arena in Fribourg. - KEYSTONE/Peter Klaunzer

Sein mittelfristiges Ziel aber ist ein Wechsel in die Schweiz – etliche Weggefährten haben ihm von den Vorzügen der National League vorgeschwärmt. Es gibt mehrere Klubs, in denen Lindroths Werdegang aufmerksam verfolgt wird.

Das Rennen macht Kloten, weil sich Trainer Lauri Marjamäki und Sportchef Ricardo Schödler stark um ihn bemühten. Schon Ende November 2024 unterschreibt Lindroth einen Zweijahresvertrag.

Die Vertragsdauer ist vor allem für Kloten ein Segen, weil sie den Preis etwas senkte. Manager Schödler sagt: «Wir haben einen guten Preis erhalten. Und angesichts seiner starken Leistungen wäre es nicht überraschend, wenn wir ihn nach dem Ende der Vertragsdauer nicht mehr halten können.»

Null Länderspiele – und dafür eine Tour de Suisse

Die Frage an Lindroth: Was hat ihn an Kloten gereizt, einem Klub mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten und entsprechenden sportlichen Perspektiven?

«Mir gefällt das Hockey, das hier gespielt wird. Und ich habe es geschätzt, dass die Verantwortlichen mich nicht nur wegen den Statistiken wollten, sondern sich wirklich mit meinem Spiel beschäftigt haben. Ich bin überzeugt, dass ich mich an diesem Standort optimal weiterentwickeln kann», sagt Lindroth.

Bisher hat er den Entscheid nicht bereut, obwohl Kloten wie erwartet Mühe bekundet. Er sagt: «Wir sind in fast jedem Spiel Aussenseiter. Aber das treibt mich eher an.»

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HC Davos PostFinance Top Scorer Matej Stransky gegen EHC Kloten Verteidiger Max Lindroth während dem Qualifikationsspiel der Eishockey-Meisterschaft der National League zwischen den Teams EHC Kloten und HC Davos am Samstag, 11. Oktober 2025, in Kloten. - PostFinance/KEYSTONE/Patrick B. Kraemer

Lindroth hat noch nie ein Länderspiel bestritten, auch bei den Junioren nicht. Er macht sich diesbezüglich auch keine Illusionen – im August wird er 30 Jahre alt.

Die Nationalmannschaftspausen nutzt er dazu, die Schweiz zu erkunden. Er war im Tessin, in Luzern, in Grindelwald, und sagt: «Es ist so ein tolles Land. Eigentlich ist es egal, in welche Richtung man fährt, es ist überall unglaublich schön.»

Denkt er manchmal darüber nach, wie radikal sich sein Leben in den letzten sechs Jahren verändert hat? «Oh ja. Es gibt dir eine wertvolle Perspektive aufs Leben, wenn du zwei Jobs ausüben musst, um über die Runden zu kommen.

Der Weg der meisten Hockeyspieler ist anders, sie erleben das nie. Aber ich bin dankbar dafür, dass es bei mir anders war. Es macht dir klar, welche Privilegien man als Profi-Athlet geniesst. Die Erfahrung hat mich als Mensch sehr viel reifer gemacht.»

Es ist ein interessanter junger Mann, den sich die Klotener da ins Team geholt haben. Einer, dessen Horizont nicht beim Zamboni-Ausgang endet. Im Jahr 2025 ist das keine Selbstverständlichkeit mehr.

Max Lindroth

Nationalität: SWE. Geboren: 24. August 1996. Grösse: 185 cm, Gewicht: 90 kg, Stock: links.

Beim EHC Kloten seit: 2025. Vertrag bis: 2027.

Bisherige Klubs: TPS (Liiga), Frölunda HC (SHL), Färjestad BK (SHL), Linköping (SHL).

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