Christian Hofstetter: «Es war beste Promotion für das Eishockey»

Andy Maschek
Andy Maschek

Die Heim-WM 2026 war ein voller Erfolg. Generalsekretär Christian Hofstetter zieht eine rundum positive Bilanz.

Christian Hofstetter.
Christian Hofstetter. - IHF

Die 2026 IIHF Eishockey-WM war ein Erfolg auf der ganzen Linie. Entsprechend positiv fällt auch die Bilanz von Generalsekretär Christian Hofstetter aus: «Unsere hohen Erwartungen wurden übertroffen.»

SLAPSHOT: Mit welchem Gefühl blicken Sie auf die WM 2026 zurück?

Christian Hofstetter: Was wir gemeinsam auf die Beine stellen und in diesen zwei WM-Wochen bewegen konnten, sorgt für Freude, Stolz und Dankbarkeit. Die Stimmung vor Ort war einzigartig und die Rückmeldungen sind unglaublich gut.

Jemand sagte zu mir, dass er gedacht hatte, dass die WM in Tschechien das Nonplusultra gewesen sei, doch die Schweiz habe das betreffend Stimmung nochmals getoppt.

Wir als Organisationsteam durften mit allen Involvierten und unzähligen Helferinnen und Helfern ein richtiges Hockeyfest organisieren. Unsere hohen Erwartungen wurden noch übertroffen.

Hofstetter
Generalsekretär Christian Hofstetter: «Unsere hohen Erwartungen wurden übertroffen.» - zVg

SLAPSHOT: Welches Gefühl spürten Sie in den ersten Stunden nach dem Turnier?

Hofstetter: Es ist ein spezielles Gefühl, ein Gefühl von Dankbarkeit, dass alles gut gelaufen ist, eine Befriedigung, dass wir als Team es geschafft haben, ein Eishockeyfest zu feiern, aber auch viel Stolz für all das, was wir gemeinsam erarbeitet haben. Planen kann man viel, aber dass es so gut rauskommt, weiss man nie.

SLAPSHOT: Einen Anteil an diesem Fest hatte auch die Schweizer Nati

Hofstetter: Es ist grandios, wie sie ins Turnier gestartet ist und es bis zum Schluss durchgezogen hat. Dass das Heimteam im Final steht, ist der Best Case. Das kann man sich als Veranstalter nur wünschen, aber nicht planen. Der Auftritt der Schweizer war sensationell und für den Erfolg des Turniers extrem hilfreich.

SLAPSHOT: Mussten Sie leer schlucken, als im Vorfeld des Turniers der «Fall Fischer» aufkam?

Hofstetter: Ein schwieriges Ereignis kurz vor der WM ist nicht gut, und da macht man sich kurz Gedanken. Aber der Auftrag für uns als OK war klar: eine WM für 16 Mannschaften organisieren. Entsprechend lag unser Fokus darauf, allen Teams die besten Rahmenbedingungen bereitzustellen, damit sie performen können.

Dazu kam die Experience für die Zuschauerinnen und Zuschauer, dass die Arenen und Fanzonen bereit sind. Die Auftritte der Nati haben dann von Beginn an alles andere vergessen gemacht. Das hat gezeigt, wie reif die Mannschaft ist und dass sie schwierige Dinge ausblenden kann.

SLAPSHOT: Was war für Sie und das OK die grösste Herausforderung vor oder während dem Turnier?

Hofstetter: Der für die Dimensionen einer IIHF-WM nötige Platz ist für jeden Veranstalter die grösste Herausforderung. Die Auflagen, beispielsweise die Anzahl Garderoben und deren Ausstattung, die zusätzlichen Services, die TV-Studios, Medientribünen, das Mediencenter, die Kommentatorenplätze oder der TV-Compound, der enorm Platz beansprucht.

Zudem muss sich die Fanzone in unmittelbarer Nähe zur Arena befinden. Es war nicht einfach, an beiden Standorten den nötigen Platz zu finden.

SLAPSHOT: Die Stadien waren sehr gut gefüllt. Sind die Erwartungen oder Ziele betreffend Zuschauerzahlen erfüllt oder gar übertroffen worden?

Hofstetter: Wir sind sehr, sehr happy mit den rund 460’000 Zuschauerinnen und Zuschauern in den Arenen und den 250’000 Besuchern in den Fanzonen, die wir an beiden Standorten begrüssen durften.

Es ist gelungen, die Stadien gut zu füllen. Und dies nicht nur an den Schweizer Tagen, sondern auch bei Spielen, bei denen wir es weniger erwartet hatten. Der Zuspruch war grandios – und bei den Schweizer Spielen herrschte Gänsehaut pur.

Aber auch in anderen Spielen durften die Spieler in einer coolen Atmosphäre und vor gut gefüllten Rängen spielen.

Die 2026 IIHF Eishockey-WM war ein Erfolg auf der ganzen Linie.
Die 2026 IIHF Eishockey-WM war ein Erfolg auf der ganzen Linie. - zVg

SLAPSHOT: Erwarten Sie am Ende also auch eine positive Rechnung?

Hofstetter: Wir befinden uns im Moment in der Aufarbeitungsphase, folglich ist es zu früh, um konkrete Aussagen zu machen. Im Verlaufe der WM mussten wir auch aufgrund des hohen Zuschauerinteresses Anpassungen vornehmen, die finanzielle Ressourcen erforderten.

SLAPSHOT: Faszinierend war, wie friedlich die WM über die Bühne ging.

Hofstetter: Dass es so friedlich abgelaufen ist, ist ein Zeichen dafür, dass an einer Eishockey-WM das Publikum gemeinsam den Sport feiert, zusammen Erfolge und Niederlagen bestreitet und einfach eine gute Zeit hat.

SLAPSHOT: Das Turnier war beste Werbung für die Schweiz. Besser kann man sich das nicht ausmalen, oder?

Hofstetter: Wir konnten für die Schweiz beste Werbung machen – für das ganze Land und insbesondere für die beiden Standorte. Zudem konnten wir neben den Regionen Zürich und Fribourg zum Beispiel auch die Region Bern einbeziehen, wo weitere Teams untergebracht waren.

Wir durften die Schweiz als Tourismus-Destination dem internationalen Publikum im besten Licht präsentieren, sei es für die Fans vor Ort, aber auch für die Millionen von Zuschauern vor dem TV.

SLAPSHOT: Nachhaltigkeit war auch bei dieser WM wichtig. Was bleibt von diesem Anlass für die Schweiz und unser Hockey hängen?

Hofstetter: Es war sicher beste Promotion für das Eishockey. Jetzt ist es wichtig, diesen Elan beizubehalten. Es ist die Aufgabe der Swiss Ice Hockey Federation und der Klubs, die Begeisterung, die man in der Bevölkerung kreieren konnte, zu nutzen.

Die Begeisterung auszulösen, ist eine Sache, aber danach muss die Nachfrage mit entsprechenden Angeboten auch gedeckt werden.

SLAPSHOT: Gibt es etwas, das Sie nie mehr vergessen werden?

Hofstetter: Die Gänsehaut-Momente nach den Siegen der Schweiz, verbunden mit der W. Nuss vo Bümpliz werden unvergessen bleiben. Das hat sich spontan entwickelt, konnte man nicht planen und ist eine riesige Geschichte. Und es sind Momente und Geschichten, die nur der Sport schreibt.

Hast du die Eishockey WM verfolgt?

Man konnte die Begeisterung rund um die Nati nach aussen tragen, sie herrschte nicht nur im Stadion. Für mich war auch der Zusammenhalt toll, sei das in meinem Team oder auch im grösseren Rahmen, zusammen mit den Leuten aus den Arenen, den Volunteers und allen involvierten Stakeholders.

Wir haben von allen Seiten sehr positive und wertschätzende Signale erhalten und gemeinsam immer konstruktive Lösungen gesucht und gefunden.

SLAPSHOT: Für Sie war es ein sehr emotionaler Frühling, zuerst wurde ihr Stammklub Gottéron Meister, dann folgte diese WM.

Hofstetter: (lacht) Ja, es ist viel abgegangen, und jetzt muss ich schauen, dass ich nach diesen Highlights Ende April und im Mai nicht in ein Loch falle. Ich durfte eishockeytechnisch und persönlich unglaubliche Wochen erleben. Das wird für immer in mir weiterleben.

SLAPSHOT: Wie viele Stunden Schlaf hatten Sie während der WM pro Nacht?

Hofstetter: Ich denke, es waren maximal vier Stunden, und das war in Ordnung. In einer solchen Phase spürt man das nicht. Man lebt von Tag zu Tag, funktioniert, ist immer voller Adrenalin und in Antizipation, von dem, was kommt oder kommen könnte.

Das ist während eines solchen Events normal und ein Treiber. Und es gibt ein sehr gutes Gefühl, wenn man am Ende des Tages sieht, dass alles gut gelaufen ist.

SLAPSHOT: Wie lange sind Sie nun noch für die Organisation der 2026 IIHF Eishockey-WM tätig?

Hofstetter: Ende Juni beendet ein grösserer Teil der Belegschaft seine Arbeit, vereinzelte Personen sind noch länger für uns tätig. Ich bin bis Ende September im Amt und bis dann werden wir auch über den Abschluss verfügen, inklusive Schlussbericht, Lessons Learned und Informationen für die kommenden Organisatoren von Eishockey-Weltmeisterschaften.

Eishockey WM Zürich
Eishockey WM. (Archivbild) - keystone

SLAPSHOT: Wissen Sie schon, wie es für Sie persönlich weiter geht?

Hofstetter: Nicht im Detail. Mein Interesse liegt ganz klar auf dem Eishockey und der Organisation von Grossanlässen. Ich schaue dann, welche Möglichkeiten sich Ende September ergeben. Zuerst steht aber noch der Abschluss im Vordergrund.

SLAPSHOT: Und ein paar Tage Ferien?

Hofstetter: Die sollten auch drin liegen, um zu reflektieren, zu geniessen und dann auch runterzufahren und die Batterien aufzuladen.

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