Krein on Tour: «Sarà perché ti amo»

In «Krein on Tour» schreibt Eishockey-Journalist Michael Krein über den Tempel des italienischen Eishockeys.

Es war im Herbst 1992, noch im Schulalter ging es erstmals mit dem Zug nach Mailand. Zu dieser Zeit blühte und boomte, selbstverständlich im unüberwindbaren Schatten des Fussballs, das italienische Eishockey und Mailand war die Hockey-Hauptstadt Italiens.
Zu meiner Enttäuschung gabs beim kurzen Zwischenstopp weder das italienische Magazin «TOP Hockey», noch die «Devils News» oder die «Mediolanum News».
In der Stazione Centrale gabs nur den «Calcio» und das ist auch 34 Jahre später, während Olympia, noch so. Vor dem imposanten Mailänder Bahnhof gibts lediglich einen lausigen Olympia-Shop. Erst im Untergrund des U-Bahn-Netzes schlägt das Hockey-Herz höher, denn da sind die olympischen Spielstätten vorbildlich gekennzeichnet.

Wer die eingangs beschriebene Blütezeit der 1990er-Jahre kennt oder damals schon SLAPSHOT gelesen hat, kann bei den Wegweisern «Assago Forum» und «Rogoredo» durchaus ins Stocken kommen. Forum! Wie titelte einst SLAPSHOT 1990 in der vierten Ausgabe? «Das Forum von Milanofiori – der neue Tempel des italienischen Eishockeys».
In diesem Tempel, wo sich einst der «HC» und Silvio Berlusconis «Devils» vor 10'800 Fans um den Scudetto duellierten oder wo der WM-Final 1994 zwischen Kanada und Finnland im Penaltyschiessen (Luc Robitaille gegen Jarmo Myllys) entschieden wurde, 2026 jedoch die Eiskunstlauf- und Shorttrack-Wettbewerbe abgehalten werden.
Rogoredo statt Assago also, die «M3» bringt dich innert 30 Minuten vom Duomo nach Santa Giulia. Der neue Tempel des italienischen Eishockeys übertrifft das altehrwürdige Forum, als wäre der Hockey-Boom in der Modestadt nie verblasst. Nie seit drei Olympiaden tummeln sich so viele Grössen in einem Hockey-Tempel.
Wayne Gretzky, Mark Messier, Igor Larionov, Mats Sundin oder Henrik Lundqvist, die Liste ist noch viel länger, sorgen für ein Weltklasse-Aufgebot bei verschiedenen TV-Stationen. Die Top-Stars auf dem Eis bieten das spektakulärste Olympia-Turnier seit Lake Placid 1980.
Einer der Gold-Jungs von Lake Placid ist Dave Christian, Onkel des Neo-Olympioniken Brock Nelson und Neffe von Gord Christian, welcher in Cortina d’Ampezzo 1956 die Silbermedaille gewann.

Die Legende Dave Christian ist ebenso anzutreffen wie etwa Keith Tkachuk, Olympia-Teilnehmer 1992, 1290-facher NHL-Spieler und Vater der beiden US-Heisssporne Brady und Matthew. Das Sammelsurium der Eishockey-Weltklasse übertrifft gar noch die Aura des unverwüstlichen Giuseppe-Meazza und San-Siro Stadion.
«Sarà perché ti amo» (Es wird sein, weil ich dich liebe), singen die AC Milan-Fans vor jedem Heimspiel, dies gilt auch für das jüngste Eishockey-Kapitel in der lombardischen Hauptstadt.
Zum Autor
Michael Krein ist seit 23 Jahren als Eishockey-Journalist unterwegs. Seit 2017 kommentiert und berichtet er live für MySports. Zudem ist er wöchentlich beim Eishockey-Podcast FLIP PASS zu hören und schreibt auf eishockeyblog.ch über seine Eishockey-Erlebnisse.




