Nina und Simon Kindschi – Das perfekte Zusammenspiel
Nina und Simon Kindschi stammen aus den Bündner Bergen, leben heute in Bern und arbeiten beide beim SCB – die PostFinance Arena ist ihr täglicher Treffpunkt.

Es ist selbstverständlich und typisch, dass das Gespräch mit Nina und Simon Kindschi an diesem Mittag im SCB-Stadion stattfindet. Er hat gerade sein Training mit der ersten Mannschaft beendet, sie arbeitet wie jeden Montag auf der Geschäftsstelle, wo sie sich ihm Rahmen eines 40-Prozent-Pensums als Geschäftsführerin um die SCB Frauen kümmert.
So ist das Stadion regelmässig auch der Ort, wo sie sich kurz treffen, damit Nina Simon den ein Jahre alten Sohn Men übergeben kann. «Wenn die Grossmütter in Davos und Arosa wohnen, braucht es dies halt, aber am Montag ist eine von beiden jeweils bei uns», sagt Simon. «So lange sie Freude haben, müssen wir das ausnützen», ergänzt Nina lachend.

Für die Alltagsbewältigung brauchen die Kindschis viel Organisation. «Als Eishockeyprofi hat man zwar viel Zeit, aber viele Termine, kann man nicht schieben. Das Training ist dann, wenn es ist», sagt Verteidiger Simon, worauf Geschäftsführerin Nina erklärt.
«Bei mir geht es immer irgendwie, im Notfall kümmert sich sonst mal jemand auf der SCB-Geschäftsstelle kurz um Men, das stört zum Glück niemanden. Der Vorteil ist, dass man im Klub unsere Situation kennt und weiss, dass wir unsere Familien nicht hier haben. Zudem sind wird beide ziemlich unkompliziert, was ebenfalls hilfreich ist.»
Eine Eishockey-Familie
Das Leben der Kindschis ist vom Eishockey geprägt, was vor allem für Nina kein Neuland ist, die aus der Aroser Eishockey-Familie Waidacher stammt. Ihr Grossvater und ihr Vater spielten Hockey, ihr Bruder Beni steht beim HCD unter Vertrag.
Die anderen Brüder Rico, Markus, Thomas und Leo spielen respektive spielten ebenfalls Eishockey, wenn auch nicht auf der ganz grossen Bühne. Ihre Schwester Monika war eine erfolgreiche Stürmerin und ist heute Geschäftsführerin bei den Frauen der ZSC Lions, wo mit Isabel eine andere Schwester stürmt.
Und auch Nina selber hat eine beeindruckende Karriere hinter sich, gewann mit der Nati WM- und Olympia-Bronze und wurde mit den ZSC Lions mehrmals Meisterin und Cupsiegerin.

Als Nina in Zürich spielte, lernte sie den damals bei Kloten unter Vertrag stehenden Verteidiger Simon kennen. «Ich hatte gerade das Kreuzband gerissen und eine Pause, da hatten wir etwas mehr Zeit», erzählt sie schmunzelnd.
Wobei das Frauenhockey im Leben von Simon damals noch keine grosse Rolle spielte, wie er heute sagt: «Bevor ich Nina kennenlernte, wusste ich kaum, dass es das gibt. Ich habe sie im Gegensatz zu ihren Schwestern Isabel und Monika nie spielen gesehen, denn ich kam erst mit der Zeit etwas in diese Materie rein.»

Und so steigerte sich auch seine Affinität, gerade seit Nina bei den SCB Frauen engagiert ist. Heute sagt er: «Es ist gut, etwas anderes zu sehen als nur das Männer-Hockey mit dem eigenen Team und den Gegnern. Denn unser Sport ist mit den Junioren und den Frauen enorm breit gefächert.»
Nina Kindschi liegt das Frauen-Eishockey am Herzen, dass auch die jungen Spielerinnen und Junioren gute Rahmenbedingungen und Perspektiven für diesen Sport haben. «Ich möchte diesem Sport unbedingt etwas zurückgeben, denn ich durfte dank ihm enorm viele Erfahrungen sammeln und lernen, es war eine Lebensschule für mich.
Nun sind wir in einer wichtigen Phase, in der auch bei den anderen Klubs viel passiert. Wir müssen da auch in Bern dranbleiben, dann sollte etwas Gutes herausschauen», erklärt sie.
Der Reiz eines Comebacks
Zu den SCB Frauen kam sie, nachdem Simon während der Saison 2023/24 von Kloten nach Bern gewechselt war. Köbi Kölliker, der Sportchef der Bernerinnen, fragte sie schliesslich, ob sie ein Comeback geben wolle.
«Ich war da schwanger, habe dies aber noch niemanden gesagt», so Nina Kindschi. Köbi Kölliker liess aber nicht locker, fragte, ob sie Lust habe, an der Bande mitzuhelfen. «Wieso nicht?», dachte sie sich, übernahm als Assistenztrainerin, bis Sohn Men auf die Welt kam.

«Es war eine neue Challenge. An der Bande zu stehen, war schwieriger, als ich dachte», erklärt Nina, die auf diese Saison hin die Geschäftsführung der SCB Frauen übernommen hat. Ein Comeback der einstigen Stürmerin wäre aus sportlicher Sicht des Klubs nach wie vor sicher wünschenswert, doch die 33-Jährige winkt ab.
«Dafür müsste ich den Job aufgeben. Nein, es ist gut so, wie es ist, auch wenn ich das Gefühl habe, dass ich es packen würde», sagt sie und zeigt so, dass der Gedanke an eine Rückkehr einen gewissen Reiz hat.
«Aber Simon lacht mich betreffend Comeback immer aus», fügt Nina Kindschi an, worauf er lachend sagt: «Die Männer der Familie sind einer Meinung: Das geht nicht mehr. Nach fünf Jahren Pause ist der Zug abgefahren, aber ihre Schwester Isabel hat ja bewiesen, dass es geht.»

So oder so sind das Eishockey und der SCB im Hause Kindschi allgegenwärtig. «Momentan ist er ein sehr grosses Thema, denn auch bei den Frauen läuft viel», sagt Nina. Und: «Mir tut es mega gut, mich mit Simon austauschen zu können, er hat da einen anderen Blickwinkel, das ist sehr hilfreich.»
Während die SCB Frauen als Titelverteidigerinnen bislang eine solide Saison spielen und in der vom starken EV Zug angeführten PostFinance Women’s League vorne mitmischen, bestreitet Simon mit dem SCB eine schwierige Saison.
«Wenn ich mich mit Nina darüber unterhalte, rege ich mich schon mal auf», erklärt der 29-jährige Verteidiger. «Aber wenn ich nach Hause komme, hat Men die volle Aufmerksamkeit und rückt der Rest in den Hintergrund. Ich denke, dass diese Distanz hilfreich ist.»
Es ist eine Sichtweise, die seine Frau teilt: «Ich glaube auch, dass dies dich lockerer gemacht hat, du kannst besser abschalten.» Gleichzeitig ist es so, dass Simon in seiner Vaterrolle auch Nina den Rücken frei hält und so ein gutes Zusammenspiel gepflegt wird.

«Ohne ihn könnte ich diesen Job nicht ausüben, das sage ich auch meiner Familie und meinen Freundinnen immer wieder. Wenn ich ihm Men übergebe, fragt er nicht, was er essen und wann er schlafen soll, Simon weiss genau gleichviel wie ich», erklärt sie, worauf er spasseshalber mit einem «Oder ein wenig mehr» dazwischen grätscht und sie ergänzt: «Ich kann mich dann voll und ganz auf den Job konzentrieren und weiss, dass es daheim läuft, dafür bin ich mega dankbar.»
Simon sei eine grosse Hilfe. Dank ihm könne sie auch mal in die Stadt oder ins Fitness gehen, so Nina. «Das ist ein Luxus, den sein Job mit sich bringt. Bei anderen Tätigkeiten kann man nicht einfach mal unter der Woche zwei, drei Stunden weg sein. Ich denke, wir stimmen uns sehr gut ab und reden auch sehr viel, was das A und O ist.»
Aktuell sind Bern und die PostFinance Arena der Mittelpunkt des Lebens von Nina und Simon Kindschi, doch irgendwann soll eine Rückkehr in die Bündner Berge erfolgen, nach Arosa oder Davos.
«Für uns ist es eine wertvolle Erfahrung und ein Abenteuer und wir setzen uns auch kein zeitliches Ziel. Wir nehmen alles so, wie es kommt.
Wir wissen beide, dass der andere hinter einem steht, und das ist am wichtigsten. Zudem haben wir diesen Sport enorm gerne und so belasten uns auch die schwierigen Zeiten nicht zu stark.»














