EHC Olten – CEO Christian Roth: «Ich poltere nicht wie Marc Lüthi»

    David Annaheim
    David Annaheim

    EHC-Olten-CEO Christian Roth startet in seine zweite Saison. Im Interview spricht er über den Club, den neuen Auftritt und seine Ziele.

    Christian Roth
    Christian Roth auf dem Ildefonsplatz direkt neben der EHCO-Geschäftsstelle. Sein Ziel ist es, dass sich die Region wieder stärker mit dem Verein identifiziert. Er wuchs in Dulliken auf und wohnt heute mit seiner Familie in Kestenholz. - David Annaheim

    Das Wichtigste in Kürze

    • Christian Roth geht in seine zweite Saison als CEO des EHC Olten.
    • Der 50-Jährige erklärt, wie man mit dem EHCO in Olten eine Euphorie entfachen will.

    Soeben ist Christian Roth in seine zweite Saison als CEO des EHC Olten gestartet. Im Interview spricht er über seine lange Verbundenheit mit dem Club, den neuen Markenauftritt und darüber, dass er in Olten eine Eishockey-Euphorie entfachen will.

    Redaktion: Christian Roth, Sie sind dieses Jahr 50 Jahre alt geworden. Wie viele Zeit davon ist Grüen-Wiiss geprägt?

    Christian Roth: Es war etwa in den Jahren 1983/84, als ich damit begann, mit meinem Grossvater an die Spiele des EHC Olten zu gehen, da er auch als Sponsor involviert war. Meine Eltern sind zudem seit über 50 Jahren Saisonkartenbesitzer – der Verein ist also schon lange präsent in meinem Leben.

    Im Schulsport und bei den Junioren stand ich selbst im Kleinholz auf dem Eis. Auch als ich später zwei Jahre in der 1. Liga in Visp und Sierre spielte, habe ich nach Spielende stets geschaut, was Olten gemacht hat. Mit 22 habe ich mich dann auf meine berufliche Karriere abseits des Eises fokussiert, der EHCO blieb aber stets präsent.

    Redaktion: Schauen Sie sich als CEO jedes EHCO-Spiel vor Ort an?

    Roth: Ich bin an jedem Spiel in Olten rund 2,5 Stunden vor Spielbeginn am Start. Bei den Heimspielen habe ich eine aktive Rolle: Das beginnt beim Sicherheitsbriefing mit den Stewards und der Security, aber auch die Sponsoren müssen betreut werden: Es gibt eine kurze Ansprache in der Helvetia Lounge, mit Sponsorengruppen mache ich zudem einen Rundgang durchs Stadion.

    Irgendwann schaffe ich es an meinen Platz und in der Drittelpause gibt es weitere Gespräche mit Sponsoren, Ligavertretern, dem Präsidenten und so weiter. Unser Athletikcoach meinte einst, ich sei wie ein Raubtier im Käfig, das stets am Herumtigern ist. Das hat schon was. Dadurch, dass ich stets etwas tue, kann ich aber auch meine Nervosität gut abbauen.

    EHC Olten
    EHC Olten. (Symbolbild) - keystone

    Redaktion: Wie sieht es bei den Auswärtsspielen aus?

    Roth: Die Auswärtsspiele in der Qualifikation besuche ich dann, wenn ich es mir gut einrichten kann, auch in Koordination mit der Familie. In den Playoffs stehe ich auch gerne mal in der Fankurve.

    Redaktion: Beim Flohmarkt am Saisonstartevent standen Sie an vorderster Front und haben beim Verkauf mitgeholfen. Steht dies sinnbildlich für die EHCO-Familie?

    Roth: Ich bin als Typ nicht jemand, der sagt: «Ich bin Geschäftsführer, weshalb sollte ich also den Flohmarkt betreuen?» Ich will mit gutem Beispiel vorangehen und den familiären Charakter hervorheben. Wir sind eine kleine Organisation, in der jeder irgendwo kleine Aufgaben hat, die nicht im Stellenbeschrieb stehen.

    Gerade der Flohmarkt ist ein Beispiel, das mir viel Spass gemacht hat, weil du den direkten Austausch mit den Fans hast und direktes Feedback bekommst – egal ob dieses nun positiv oder negativ ist.

    Redaktion: Wie gross ist die Geschäftsstelle des EHCO eigentlich?

    Roth: Wir sind 340 Stellenprozente plus Mandate, was am Ende ungefähr 500 Stellenprozenten entspricht. Wir kümmern uns um das Marketing, Social Media, Sponsoring, Verträge, Rechnungen und mehr. Auch der gesamte Spielbetrieb muss organisiert sein.

    Man geht nicht einfach in die Halle, betätigt den Lichtschalter und beginnt zu spielen. Es ist wie ein Uhrwerk mit grossen Zahnrädern, die nur dann rund drehen, wenn auch die kleinen Räder funktionieren. Ums Sportliche kümmert sich derweil unser Sportchef Michael Tobler.

    Klar holt «Tobs» gelegentlich auch meine Meinung ein, aber meine Hauptaufgabe ist es, dass sich die Spieler, die Fans und die Sponsoren wohlfühlen und wir als Organisation funktionieren.

    Redaktion: Man wird Sie nach einem schlechten Drittel also nie in die Garderobe hineinstürmen sehen?

    Roth: Nein, ich bin nicht Marc Lüthi und poltere in der Kabine herum. Ich schaue vor dem Match in der Garderobe vorbei, sage allen Spielern Hallo und fühle den Puls. Ich habe auch schon nachgefragt, ob ich zu präsent sei.

    Die Rückmeldung war, dass die Spieler dies schätzen. Ich klatsche die Spieler nach der Partie auch ab, egal ob sie gewonnen oder verloren haben. Du siegst gemeinsam und du verlierst gemeinsam.

    Redaktion: Sie haben früher mitunter die AMAG in Dulliken geführt. Inwiefern hilft Ihnen diese Erfahrung als EHCO-CEO?

    Roth: Vieles, das man in der Geschäftswelt lernt, kann auch im Sport helfen. Dasselbe geht aber auch in die andere Richtung. Die AMAG habe ich seinerzeit wie eine Sportmannschaft geführt:

    Die Verteidiger sind die Mechaniker, das Mittelfeld ist der Kundendienst und die Stürmer sind die Verkäufer. Jemand ist dann noch der Captain, und das war nun mal ich. Am Ende bist du ein Team – im Sport wie im Beruf.

    Redaktion: Sie wollen das Erlebnis Matchbesuch im Kleinholz stetig verbessern. Mit welchen Massnahmen?

    Roth: Unser Catering-Partner Aaria Catering führt nach Heimspielen immer wieder mal Fan-Partys durch. Diese werden wir noch besser promoten. Nach dem Match am 31. Oktober gegen den HC Thurgau steigt beispielsweise in der Feldschlösschen Lounge eine Halloween-Party.

    Wir werden über die Saison verteilt zudem immer wieder spezielle Aktionen einstreuen. Überdies wird es wieder Ticketaktionen für Familien geben und Stehplatztickets bis 16 Jahre sind nach wie vor gratis. Auch haben wir ein neues Modul, mit dem wir das Licht auf dem Spielfeld und bei den Toranimationen steuern können.

    Kleinholz Stadion
    Kleinholz Stadion - ehco.ch

    Wichtig ist mir zudem zu betonen, dass nicht nur der EHCO die Eishalle benutzt. Es gibt auch andere Vereine, etwa der Eislaufclub Olten. Diesem möchten wir die Gelegenheit geben, in einer Drittelpause seine coole Sportart mit einer Darbietung vorzustellen.

    Redaktion: Wie schwierig ist es, weibliche Fans ins Stadion zu bringen?

    Roth: Wir haben verglichen mit anderen Hockeyclubs bereits relativ viele weibliche Fans im Stadion. Aber wir haben auch hier Ideen, mit denen wir die Frauen spezifisch ansprechen werden. Es wird aber nicht eine «Ladies Night» geben, weil dieser Begriff mittlerweile einfach zu ausgelutscht ist.

    Redaktion: Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Aus der Powermaus als Logo und dem neuen Markenauftritt des EHC Olten?

    Roth: Die Fans sollen die Verbundenheit mit dem Club auch nach aussen zeigen. In Sierre an den Playoffs trug praktisch jeder einen rot-gelben Schal. Ich erwarte nicht, dass in Olten jeder ein Trikot kauft, aber wir sind daran, coole Caps, Schals, Pullover und Shirts zu lancieren.

    Einen Pulli mit einem schön designten EHCO-Logo trägst du eher in der Freizeit als einen mit einer überdimensionierten Powermaus.

    Wenn wir dieses Commitment, das in der Region eigentlich vorhanden ist, ins Stadion hineintragen können, spürt dies auch die Mannschaft. Man darf Dinge hinterfragen und soll unbedingt kritisch sein, aber wir wollen diese grundkritische Stimmung verändern. Jürgen Klopp sagte in Liverpool einst, er will die Anhänger von «doubters to believers» machen – der Zweifel soll dem Glauben an den Erfolg weichen.

    Ja, wir haben den Meistertitel in den letzten Jahren nie geholt und wir haben den Aufstieg schon verpasst, aber: Wir sind eine Nummer. Wir sind nicht abgehoben, aber wir können etwas. Dies ist uns in Olten zu wenig bewusst.

    Verfolgst du die Spiele des EHC Olten?

    Redaktion: Ist diese Mentalität nicht grundsätzlich ein Olten-Problem?

    Roth: Natürlich. Ich arbeite mitten in der Altstadt und erlebe praktisch jeden Tag Touristengruppen, die begeistert sind von den alten Häusern, der Holzbrücke und so weiter. Wir haben ein Mega-Naherholungsgebiet und attraktive Mietzinsen.

    Die Stadt wie auch der EHCO haben beide gute Grundvoraussetzungen, doch stets finden wir den «Tolggen» im Reinheft. Dies finde ich schade.

    Redaktion: Wie schwierig ist die mittel- und langfristige Planung, wenn man oft von Saison zu Saison schauen muss, ob ein Aufstieg überhaupt drin liegt?

    Roth: Es wird stets behauptet, gemäss unserer «Strategie 2030» werde kein Aufstiegsgesuch gestellt. Das stimmt so nicht. Wir müssen zuerst unsere Finanzen in den Griff kriegen und unsere Organisation sowie das Stadion entwickeln.

    Wir brauchen mehr Zuschauer und mehr Hospitality-Plätze, um in der obersten Spielklasse überhaupt überleben zu können. Vor allem aber müssen wir zuerst beweisen, dass wir den Meistertitel holen können. Dann kann der nächste Schritt in Angriff genommen werden. Weil dann hast du auch die Euphorie und gute Argumente auf deiner Seite.

    Redaktion: Werden die Nachwuchstalente schon genügend in die 1. Mannschaft integriert?

    Roth: Vor einigen Jahren war unsere Nachwuchsabteilung ziemlich am Boden. Mittlerweile haben wir über 300 Nachwuchsspieler. Ich möchte unbedingt wieder Spieler aus Dörfern wie Hägendorf und Winznau in der 1. Mannschaft.

    Es braucht jedoch Zeit, bis wir die Junioren auf die Elite-Stufe bringen. Auch die Infrastruktur stellt uns vor Herausforderungen: Wir haben gemessen an den Junioren zu wenig Eisfelder und Garderoben.

    Redaktion: Zum Schluss: Gelingt es Ihnen nach einem intensiven Arbeitstag beim EHCO gut, abzuschalten?

    Roth: Jein. Meine Gedanken kreisen gefühlt schon 24 Stunden um den EHC Olten herum. Mit meiner Partnerin, meiner Tochter und den beiden Söhnen meiner Partnerin habe ich aber ein Top-Umfeld. Sie leben das Ganze mit und kommen an die Spiele.

    Sie holen mich allerdings auch wieder runter und sorgen dafür, dass ich mein Handy weglege. Gleichzeitig hat meine Partnerin grosses Verständnis und sagt mir auch: Du musst jenes leben, was du gerne tust, sonst bist du nicht du.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in der «Neuen Oltner Zeitung» erschienen.

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