EHC Thun schnuppert am Comeback des Jahres

Das Grabengut feiert sein Comeback! Am Mittwoch durfte der EHC Thun endlich wieder im heimischen Stadion auflaufen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der EHC Thun wird zu Spielmitte eiskalt geduscht und gerät mit 0:5 in Rückstand.
- Danach zeigen die jungen Thuner Charakter und holen den Rückstand beinahe noch auf.
- Das Grabengut ist mit 468 Zuschauern ausverkauft.
Der EHC Thun musste vier seiner ersten fünf Spiele auswärts bestreiten. Das erste Heimspiel fand im Exil in Wichtrach statt. Nun konnten die Berner Oberländer endlich wieder im heimischen Grabengut spielen.
Das Eisstadion befindet sich allerdings weiterhin im Umbau. Statt wie geplant im Oktober 2026 wird das Eissportzentrum Grabengut nun erst im nächsten Sommer fertig.
468 zugelassene Zuschauer machten es sich daher auf der neuen Nordtribüne gemütlich. Der EHC Thun war gewillt, seinen Fans ein gutes Spiel zu liefern. Headcoach Zehnder vertraute dabei auf das gleiche Line-up wie zuletzt. Einzig auf der Goalieposition gab es eine Rochade: Stephan Küenzi spielte anstelle von Gian Graf.
Dübendorf erwischt den besseren Start
Zu Beginn der Partie sind die Gäste aus dem Glatttal besser im Spiel. Die Thuner laufen dem EHCD bereits nach fünf Minuten ins Messer. Mit sauberem Passspiel kombinieren sich die Gäste durch die Lücken der Thuner.
Devin Muller legt quer für Sebastian Steiner, der den machtlosen Stephan Küenzi ein erstes Mal bezwingt. Dübendorf bleibt am Drücker und erspielt sich die nächsten Chancen.
Nach zwölf Spielminuten hat Devin Muller das beinahe leere Tor vor sich. Küenzi rettet in extremis auf der Torlinie und verhindert den zweiten Einschlag. Der «Expected Goals»-Wert lag in dieser Szene vermutlich bei 0.99.

Der EHC Thun kommt erst kurz danach zu einer ersten guten Chance. Nach tollem Zuspiel von Häsler wäre Schaerz beinahe der Ausgleich gelungen. Eine Zeigerumdrehung verpasst auch Christen – im Alleingang auf Goalie Tauss – den Ausgleich.
Zum Ende des Drittels kassieren die Thuner die erste Strafe des Spiels. In Überzahl scheitern Schläppi und Allevi jeweils aus aussichtsreichen Positionen an Küenzi. Mit dem 0:1 geht es zum Pausentee und danach ins zweite Drittel.
145 haarsträubende Sekunden
Immer noch in Überzahl agierend, kommt Dübendorf zu den nächsten Topgelegenheiten. Die Thuner überstehen das Boxplay dennoch unbeschadet. Wenig später erhält auch das Powerplay des EHC Thun den ersten Auftritt, kann aber keinen Profit daraus schlagen.
Kurz vor Spielmitte folgt dann der Schock für das Heimteam. Goalie Küenzi ist sich sicher, dass er die Scheibe in seiner Fanghand hat. Der Puck fällt aber runter, Steiner ist sofort zur Stelle, umkurvt Küenzi und trifft.
Was in den Folgeminuten passiert, kann wohl nur verstehen, wer selbst einmal Eishockey gespielt hat. Dübendorf spielt sich in einen Rausch, die Thuner stehen wenige Minuten lang neben den (Schlitt-)Schuhen.

Brauchli erzielt nach einem gewonnenen Bully ein Traumtor. Landolt tifft beim Nachstochern und auch Lauer netzt ein. Plötzlich steht es 0:5 – die Thuner werden eiskalt geduscht.
145 Sekunden liegen zwischen dem zweiten und dem fünften Dübendorfer Treffer. Dabei geht fast unter, dass nach dem vierten Tor Graf für Küenzi ins Tor kam. Nach dem 0:5 nimmt Headcoach Zehnder sein Timeout und versucht seine Mannschaft wachzurütteln.
Die Standpauke zeigt Wirkung und die Thuner Spieler zeigen danach Charakter. Drei Minuten später erwischt Philip Schaerz Dübendorf-Goalie Tauss aus spitzem Winkel. Im anschliessenden Powerplay haben die Thuner mehrere Chancen.
Gugelmann und Schaerz treffen doppelt
Erst bei Gleichzahl trifft dann Yannick Gugelmann auf Zuspiel von Nicola Christen. Und es kommt gar noch besser! Acht Sekunden vor Drittelsende trifft Gugelmann erneut und bringt die Hoffnung endgültig zurück. Nach der kalten Dusche kämpft sich der EHC Thun eindrücklich zurück.
Mit dem 3:5-Rückstand geht es in den letzten Abschnitt. In diesem fasst sich Schaerz nach zwei Minuten ein Herz und lässt die Scheibe ins Netz flitzen. Die Thuner schnuppern nun am «Comeback des Jahres» und bei den Dübendorfern beginnt das Kopfkino. Hat schon einmal eine Mannschaft einen Fünf-Tore-Vorsprung verspielt?
Der EHC Thun lässt die 468 Zuschauer im ausverkauften Grabengut auf jeden Fall darauf hoffen. Nur eine Zeigerumdrehung später erzielt Gugelmann beinahe bereits den Ausgleich. Auch Schaerz hat Pech, als ihm beim Schuss aus aussichtsreicher Position der Stock bricht.

Danach hat Fiebiger den Ausgleich auf der Schaufel. Aber auch Dübendorf ist noch dabei, Allevi scheitert an Graf. Drei Minuten vor Schluss bietet sich den Thuner die ideale Chance, das Comeback zu vollenden. Devin Muller wandert nach einem Stockschlag auf die Strafbank.
Das Powerplay setzt sich fest und kommt zu vier Abschlüssen. Die beste Gelegenheit hat Topscorer Gyger nach gutem Zusammenspiel. Die Scheibe geht aber knapp am rechten Pfosten vorbei, Tauss wäre vermutlich machtlos gewesen.
Ohne Goalie und mit sechstem Feldspieler versucht der EHC Thun noch einmal alles. Der Ausgleich wäre mittlerweile gar nicht unverdient.
Doch, das Märchen bleibt aus. Dübendorf markiert eine Minute vor Ende die Entscheidung ins leere Tor. Zuvor wurde Fiebiger von einem Stock im Gesicht getroffen, eine Strafe blieb aus.
EHC Thun empfängt nächsten Mittwoch Bülach
Die Thuner dürfen mit dem zweiten Teil des Spiels sicher zufrieden sein. Die erste Hälfte dürfte der Mannschaft aber vermutlich nicht so bald wieder passieren. Die Hypothek war am Ende schlicht zu gross.
Für die Thuner folgt nun ein spielfreies Wochenende. Danach dürfen die Berner Oberländer bereits nächsten Mittwoch wieder im Grabengut spielen. Zu Gast ist der EHC Bülach.
Das Heimrecht für dieses Spiel wurde nachträglich abgetauscht. Die KEB Hirslen in Bülach wurde durch ein Unwetter stark beschädigt. Der EHC Bülach trägt deswegen aktuell nur Auswärtsspiele aus.






