Kommentar: Ist der Nati-Maulkorb eine SRF-Retourkutsche?

Die Nati-Spieler dürfen nach der Entlassung von Patrick Fischer keine Interviews geben. Der Hockey-Boss widerspricht, es riecht aber nach SRF-Retourkutsche.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Nati-Spieler kriegen vom Verband einen Maulkorb angezogen.
- Bei SRF gibt es weder von Spielern noch vom neuen Trainer Cadieux Interviews.
- Eine Retourkutsche würde die falschen treffen. Ein Kommentar.
Bizarre Szenen. Lukas Ninck steht auf dem Eis von Topolcany. Der Eishockey-Reporter ist von SRF extra zur WM-Vorbereitung in die Slowakei geschickt worden. Und darf nicht mit den Nati-Stars sprechen.
«Wir können euch leider keine Interviews liefern», enttäuscht er die Zuschauer am Donnerstagabend.
Das wird auch heute so bleiben, wenn die Nati erneut gegen die Slowakei spielt. Weder Spieler noch Trainer Cadieux werden Ninck ein Interview geben. Das verkündet Hockey-Boss Urs Kessler heute bei seinem ersten Auftritt im Fall Fischer.
Auffallend: Die Schweiz-Spieler würdigen Ninck keines Blickes. Sie fahren hinter ihm vom Eis, behandeln ihn wie Luft.
Ist der SRF-Boykott eine Retourkutsche für Patrick Fischer? Schliesslich brachte Pascal Schmitz vom Leutschenbach den Skandal ins Rollen.

Nein, natürlich nicht, sagt Hockey-Boss-Urs Kessler. Aktuell gebe es aber nur von ihm Auskunft, so die kurze Erklärung. Spieler und Trainer reden erst wieder, wenn sie zurück in der Schweiz sind.
Es ist das nächste Kapitel im Buch «Wie Krisen-Kommunikation nicht geht», das der Hockey-Verband diese Woche schreibt.
Hockey-Nati rudert zurück, dann...
Kapitel 1: Die Woche beginnt mit einer Fehleinschätzung der Situation.
Erst stärkt der Verband Patrick Fischer den Rücken, als die Zertifikats-Fälschung ans Licht kommt. 48 Stunden später rudert man zurück. Und schmeisst den Coach raus.

Kapitel 2: Der Nati-Medienchef ist die ganze Woche nur schwer erreichbar. In einer Woche, in der ein Skandal um den Nationaltrainer aufgedeckt wird: An der heutigen Medienkonferenz kommt etwas Licht ins Dunkel.
Mitte März, als sich Patrick Fischer am Zmittagstisch mit dem SRF-Journalisten verplapperte, sass der Medienchef ebenfalls am Vierertisch.
Er hätte den Fall an Hockey-Boss Kessler rapportieren müssen. Dieser erfuhr vom Zertifikats-Betrug aber erst diesen Montag. Der Verband hat eine externe Administrativ-Untersuchung in Auftrag gegeben.
Kapitel 3: Der Verband stellt sich heute erstmals den Medien. Die virtuelle Pressekonferenz beginnt mit einer Panne. Die ersten Minuten müssen wiederholt werden, weil Hockey-Boss Kessler das Mikrofon nicht eingeschaltet hat.

Kapitel 4: Das Entlassungs-Gespräch mit Patrick Fischer wird virtuell durchgeführt. In einem Videocall. «Der Entscheid war gefällt und wir wollten möglichst schnell und offen transparent kommunizieren.»
Verständlich. Dennoch ist eine virtuelle Entlassung eines Trainers, der die Schweiz zu drei Silbermedaillen führte, nicht würdig.
Kapitel 5: Zurück zum SRF-Boykott.
Mit dem Maulkorb bestraft der Hockey-Verband auch die treuen Begleiter der Nati. Die Hockey-Schweiz steht vor einer Heim-WM. Patrick Fischer wurde entlassen.
Der Fan ist sauer. Enttäuscht. Traurig. Aus unterschiedlichen Gründen.
Was jetzt niemand will: Eine schweigende Hockey-Nati. Man will den neuen Trainer erstmals sprechen hören.

Wenn Cadieux schon nicht über Fischer sprechen darf, dann will der Fan wenigstens die sportliche Sicht auf die Headcoach-Premiere hören. Auf die 1:3-Niederlage gegen die Slowakei.





