SRF-Mann musste Patrick Fischer vor Heim-WM verraten

Kurz vor der Heim-WM muss Patrick Fischer gehen. Ein SRF-Journalist deckte den Covid-Skandal auf. Hockey-Fans sind sauer auf letzteren. Zu Unrecht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Patrick Fischer verplapperte sich bei einem SRF-Dreh.
- SRF-Journalist Schmitz entschied sich, die Corona-Zertifikats-Lüge zu veröffentlichen.
- «Mir war bewusst, dass es sich um eine grosse Geschichte handelt», sagt er zu Nau.ch.
- Fischer-Fans kritisieren das Vorgehen scharf. Dabei hatte er keine andere Wahl.
Es sollte ein Portrait werden. Schliesslich führte das Treffen mit SRF-Journalist Pascal Schmitz für Patrick Fischer zur Entlassung als Hockey-Nationaltrainer.
Fischer erzählt beim Zmittag ungefragt, dass er einst ein Covid-Zertifikat gefälscht bestellt hat. Am Vierer-Tisch sitzen Patrick Fischer, der Nati-Medienchef, Pascal Schmitz und ein weiterer SRF-Kollege.
Bei Schmitz beginnt es im Kopf zu rattern. Die Information vergessen? Oder muss man als Journalist nicht seiner Aufgabe nachgehen?
«Danke SRF für das Vermiesen der Heim-WM!»
Patrick Fischer ist der erfolgreichste Trainer, den die Schweizer Nati je hatte. Viele Fans lieben ihn weiterhin. Und verteidigen ihn. Sie kritisieren SRF scharf dafür, Fischer zum Geständnis zu drängen.
«Danke SRF für das Vermiesen der Heim-WM!» – «Heim-WM ohne unseren Trainer, danke SRF!» – «Seid Ihr stolz auf euch? Hätten wir besser Ja zur SRG-Initiative gestimmt?», sind nur einige von weit über 1000 Kommentaren auf dem SRF-Sport-Instagram-Kanal.
Eine Frage, die oft gestellt wird: Warum jetzt? Warum einen Monat vor der Heim-WM?
Pascal Schmitz: «Mir war bewusst, dass es sich um eine grosse Geschichte handelt»
Ganz einfach, erklärt nun SRF gegenüber Nau.ch: «Solche Entscheide trifft SRF in Bezug auf den öffentlich-rechtlichen Auftrag. Und berichtet folglich, sobald eine Story bereit für die Publikation ist.»
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Auch Pascal Schmitz führt seine Überlegungen bei Nau.ch weiter aus. «Mir war bewusst, dass es sich um eine grosse Geschichte handelt. Ich habe versucht, meine Arbeit sorgfältig, verantwortungsvoll und unabhängig zu machen. So, wie es meine Aufgabe als Journalist ist.»
Schmitz ist selbst grosser Hockey-Fan, seit Jahren ist er Stadion-Speaker bei den Rapperswil-Jona Lakers. Persönliche Interessen oder Rollen spielen aber keine Rolle, sagt er.
170 wütende Fans schreiben SRF Nachrichten
SRF erhielt nach der Entlassung von Patrick Fischer rund 170 Zuschriften.
«Die Rückmeldungen kritisieren mehrheitlich die erneute Thematisierung des Falls. Und entsprechen inhaltlich den Reaktionen auf Social Media», so die Medienstelle.
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Dass die Reaktionen nun derart heftig ausfallen, könne man im Voraus nicht abschätzen, sagt Schmitz. «Welche Konsequenzen eine Recherche nach sich zieht, liegt nicht in meiner Hand. Meine Verantwortung ist es, der Informationspflicht nachzukommen; Was danach passiert, kann ich nicht steuern.»
Diesen Spielraum haben Journalisten
Rücken-Deckung kriegt Schmitz nicht nur von seinem Arbeitgeber. Sondern auch von seinem ehemaligen Ausbildner.
Der heutige «Schweiz aktuell»-Moderator studierte an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Dort unterrichtet auch Journalismus-Guru Vinzenz Wyss.
Spielraum gebe es für jeden Journalisten, sagt der Professor, den man auch von seinen TV-Auftritten kennt. «Er muss zwischen Pflicht- und Verantwortungsethik entscheiden. Dabei spielt es keine Rolle, auf welchem Weg der Journalist zu der Information gelangt ist.»

Die Pflichtethik verlangt, eine solch brisante Information mit hohem Nachrichtenwert nach deren Überprüfung öffentlich zu machen. Und zwar möglichst zeitnah.
Die Verantwortungsethik verlangt von Schmitz, dass er auch die Folgen für Betroffene und Publikum berücksichtigt.
Warten bis WM-Ende? «Der Journalist käme in Teufels Küche»
Wyss stellt klar: «In diesem Fall überwiegt das öffentliche Interesse. Patrick Fischer ist eine Person öffentlichen Interesses. Das Publikum sollte über sein Vergehen in Kenntnis gesetzt werden.»
Abwarten bis nach der Heim-WM? Ein No-Go. «Der Journalist käme in Teufels Küche, wenn hinterher rauskäme, dass er aus irgendwelchen nicht-öffentlichen Interessen den Zeitpunkt verschoben hat.»
Kurz: Schmitz hatte als Journalist keine andere Wahl, als der Geschichte vor der Heim-WM nachzugehen. Fischer veröffentlichte sein Geständnis nach der Anfrage des «Schweiz aktuell»-Moderators.
Der Fehler von Patrick Fischer
Fischer scheint sich beim lockeren Zmittag zu sicher gefühlt zu haben. Das ist aber sein Problem, nicht jenes von Schmitz.
«Von einem Nationaltrainer muss erwartet werden können, dass er die professionelle Rolle des Journalisten respektiert.»
Wenn insgesamt acht Augen und acht Ohren an einem Tisch-Gespräch dabei sind, dann ist «vertraulich» nicht möglich.
Auch SRF unterstreicht auf das Zmittags-Gespräch angesprochen: «Der Dreh für das Porträt über Patrick Fischer fand klar im Rahmen einer beruflichen Situation statt. Beim gemeinsamen Mittagessen erwähnte Fischer ungefragt das gefälschte Covid-Zertifikat.»












